Inselhüpfen

Die Hitze ist enorm. Ich schwitze schon beim Sitzen. Im Schatten. Vor dem Ventilator. Zeit für einen Ortswechsel.
Um mein nächstes Ziel zu erreichen muss ich die ganze Vielfalt der philippinischen Transportmittel benutzen. Mit einem als Bus getarnten Kühlschrank fahre ich von El Nido zurück nach Puerto Princessa. Tigerair bringt mich nach Cebu, ein Taxi zum Hafen und die Fähre zur Nachbarinsel Bohol. Dort setze ich mich in ein Tricycle, eine Art Motorrad-Rikscha und erreiche, mittlerweile wieder aufgetaut, Alona Beach. Watching days go byDie nächsten Tag bewege ich mich mit der gleiche Geschwindigkeit wie der Schatten der Palme unter der ich liege. Irgendwann ist dann aber genug mit Erholung und Urlaub. Um die Insel zu erkunden miete ich mir deshalb für die nächsten vier Tage ein Motorrad. Schon die ersten Meter fühlen sich gut an. Wieder on the road. Das Leben auf und neben der Straße bekomme ich direkt und nicht durch eine Busscheibe gefiltert mit. In den kleinen Dörfern winken mir die Menschen zu. Ich kann stoppen wo und wann immer ich will und der Fahrtwind kühlt. Herrlich. An den vielen Kiosken ist eine kalte Cola für 16 Euro-Cent meist billiger als Wasser. Essen gibt es an jeder Ecke. Meist leider etwas fettig und ich weiß nicht immer was ich da gerade esse. Vielleicht besser so. Zumindest den beliebtesten nationalen Snack lass ich bewusst aus. Balut, das halb ausgebrütete, gekochte Entenei muss wirklich nicht sein. Anscheinend spürt man beim kauen manchmal schon Knochen.
Über einen Trampelpfad fahre ich zu den Nuts Huts, den verrückten Hütten. Hier ist es aber gar nicht verrückt sondern eher sehr entspannt. Das Restaurant ist auf Pfählen in den Hang gebaut. Aus den Hängematten hat man direkten Blick in die Baumkronen des Regenwalds. Einzig der ohrenbetäubende Lärm der Grillen stört die Idylle. Die Hütten am Flussufer sind aus ganz aus Holz gebaut. Das hat den großen Vorteil, dass die Stechmücken zwischen den Bambus-Wänden auch wieder einen Weg aus dem Zimmer heraus finden. Aber es gibt Moskitonetze und reichlich Geckos, so dass die Nachtruhe nicht gestört wird. Höchstens von den auf das Dach herabfallenden Kokosnüssen. Nuts HutsHört sich vielleicht nicht so gemütlich an, aber die Nuts Huts gefallen mir wirklich gut. Abends wird der parkähnliche Garten und das Flussufer bunt beleuchtet. Es gibt kein Internet und so hängt nicht jeder am eigenen Tisch vor dem Computer, sondern alle sitzen zusammen und reden miteinander. Kurzerhand verlängere ich meinen Aufenthalt in den Nuts Huts und mache meine Ausflüge mit dem Motorrad von hier aus. Am nächsten Tag besuche ich die kleinsten Affen der Welt. Die faustgroßen Koboltmakis Kobolt IIsind im dichten Wald kaum zu finden. In einem eingezäunten Bereich kann man sie dennoch entdecken. Tagsüber kommen diese frei lebenden Tiere hier her um vor Schlangen und Großkatzen geschützt ihre riesigen Augen zu schließen und zu schlafen. Die Guides spüren die Tiere auf, so dass auch ich diese ungewöhnlichen Affen beobachten kann.


Mit meiner Honda XR holpere ich weiter auf kleinen Straßen durch dichten Wald zur Highlight von Bohol. Den Chocolate Hills. Chocolat HillsDer Bewuchs dieser 1268 kegelförmigen Hügel verfärben sich in der Trockenzeit von Grün zu Schokoladenbraun. Daher der Name. Über die Entstehung streiten die Geologen noch. Unterseeische Beben, verwitterter Kalkstein oder geologisch Hebung des Seebodens. Wie auch immer, sieht einfach seltsam aus. Leider nicht essbar.
Durch das kurvige Inland fahre ich zur nächsten Attraktion. Der Strand von Anda ist nicht so berauschend wie erwartet. Nur die teuren Resorts haben schöne Buchten zu bieten. Für mich sind einmal mehr die kleinen Dinge die nebenher am Straßenrand passieren viel interessanter. Oft sind die nicht wirklich fotogen, oder viel zu schnell vorbei. Zum Beispiel der mit Menschen und Waren überladene Bus, Reis der zum trocknen an die Straße gelegt wird, die fünfköpfige Kleinfamilie auf dem Motorroller, ein kurzer Blick in eine einfache Werkstatt, eben das alltägliche Leben auf Bohol.
Mein Alltag ist das Reisen. Dass heißt Rucksack packen und weiterzeihen. Mit dem Schnellboot geht es auf die Nachbarinsel Siquijor, der Heimat von Hexen und Geistern. Eben wegen dieser Gespenster machen nicht viel Philippinos Urlaub auf Siquijor. Vielleicht ist das mit den Hexen aber auch nur ein Trick der Einwohner um die Schönheit der Insel für sich alleine zu haben und die Ruhe zu genießen. Statt Geistern finde ich ein schönes Resort das eigentlich über dem Budget eines Langzeitreisenden liegt. Aber hier gibt es auch ein Dormitory mit 10 Betten zum Schnäppchenpreis. Als einziger Gast genieße ich so den größten Raum im Resort, den Pool und die volle Aufmerksamkeit der zahlreichen Angestellten. Yeah!Und früh morgens ein Handtuch auf eine Liege legen um diese für den ganzen Tag zu blockieren muss ich auch nicht 😉 Irgendwann wird das süße Leben aber zu langweilig und ich leihe mir von einem Angestellten einen frisierten 125er Roller. Der Stummellenker reicht mir gerade mal bis zur Mitte von meinem Oberschenkel. Philippino-Size. Dann geht es eben im Tiefflug über die kleine Insel. Das Ding macht richtig viel Spaß, so dass ich drei Mal nachtanken muss. Tankstelle Jeweils 1,5 Liter aus der Cola-Flasche.
Über Dumaguete geht es zurück nach Cebu. Um drei Uhr nachts lande ich in Singapur. Vor 23 Jahren war ich schon einmal hier. und bin gespannt ob ich etwas wieder erkenne. Um es vorweg zu nehmen: Nein, nichts. Scheinbar alles neu hier. Habe ich das erste Mal noch mühevoll in einer privaten Wohnung in einem Mietshochhaus eine halblegale Unterkunft gefunden, kann ich jetzt zwischen unzähligen Möglichkeiten wählen. Früher streng geahndet, darf man heute auf der Straße Essen und Trinken. Die Prügelstrafe gibt es trotzdem noch. Im Widerspruch dazu, um mich herum nur moderne, spektakuläre Architektur. Technik-MuseumJeder hält sich eine flachbildschirmgroßes Mobiltelefon ans Ohr und in den vielen Einkaufspassagen drängen sich Louis Voutton und Rolex-Läden. Alles nur vom Feinsten. Am Hafen stolpere ich in ein Werbeaktion der dbs-Bank. So komme ich unverhofft zum Bogenschießen und zu einem Drachenbootrennen. Mein Boot gewinnt natürlich und ich habe drei Tage lang Muskelkater in der Schulter. Zum Essen gehe ich wieder zurück nach Chinatown in einen der vielen günstigen Food-Courts. Hier bieten Garküchen alles Mögliche und Unmögliche zum Essen an. Die Preise sind niedrig und so kann man auch mal was probieren und gegebenenfalls stehen lassen wenn es nicht schmeckt. Aber wenn man die Augen zumacht und nur auf den Geschmack vertraut ist der Teller meist leer.
Abends versammeln sich die Feierwütigen am Clarke Quay und ich habe das erste Déjà-vu in Singapur. Bei meinem ersten Besuch im Jahre 1990 saß ich zusammen mit vielen Nationen im Wohnzimmer der Herbergsfamilie und habe die Fußball-WM angesehen. Jetzt steht das Championsleauge Finale bevor steht. Wieder wir Deutschland gewinnen.   

Neue Bilder in Philippinen II + Singapur     

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2 Antworten zu Inselhüpfen

  1. Onkel Benz schreibt:

    Coole Sache auf den Philipinen… hast den Clemi getroffen?
    Marion hat auch die lustige Biergartengeschichte erzählt, wie geil iss das denn?
    Ins Singapur war doch das mit den Hühnerherzen, im Jahre 90 😉
    Keep on roling…

    Cheers Siggi

  2. Onkel Benz schreibt:

    Marion = Manu

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