Von Java und Bali

Wie erwartet empfängt mich Jakarta mit Hitze und Stau. Nicht erwartet habe ich die Freundlichkeit der neuseeländischen Busfahrer die mir seinerzeit auf dem Weg in die Stadt die Sehenswürdigkeiten erklärt haben. Aber dieses indonesische Exemplar ist dann doch zu viel. Im dichten Berufsverkehr schafft es der Busfahrer tatsächlich häufiger laut zu rülpsen als zu hupen. Nach zweieinhalb Stunden Stopp and Go and Rülps im Bus, nehme ich mir an der Endhaltestelle ein Motorrad-Taxi für die restlichen Meter. Mit zwei Rucksäcken und nur einer Fußraste am Motorrad wird die Fahrt auch nicht viel angenehmer als im Bus. Sie ist zumindest kürzer und die letzte Fahrt für heute. Im Hotel finde ich gerade noch rechtzeitig heraus, dass ich das Bett mit Wanzen teile. So ziehe ich kurz vor Mitternacht eben noch einmal um.
Direkt für den nächsten Tag ist der Zug nach Yogyakarta schon Buddha ist überallausgebucht und ich muss einen Tag länger in Jakarta bleiben. Neben dem Nationalmuseum besuche ich noch ein riesiges Elektronikkaufhaus, weil mein Akku am Laptop nicht mehr geladen wird. Der neue Akku funktioniert scheinbar nur im Shop, den zurück im Hotel ist das gleiche Problem wieder da. Immerhin kann ich den Laptop weiter nutzen wenn eine Steckdose in der Nähe ist.
Der Zug ist bis auf den letzten Platz belegt und diesmal ist ein Sitz davon meiner. Im Gegensatz zu den 300 km/h schnellen Zügen der Deutschen Bundesbahn ist dieser 30 km/h Bummelzug voll, sobald alle Sitze vergeben sind. So lässt es sich entspannt reisen. Sogar das Essen wird einem an den Sitz gebracht.

In Yogya, wie Yogyakarta meist genannt wird, finde ich in einer der vielen kleinen Gassen ein Losmen. Diese privaten Unterkünfte sind meist günstig, sauber und bieten durch mehr oder weniger Familienanschluss eine nette Alternative zu billigen Hotels oder Backpacker-Hostels. Hier in Yogya muss ich auch mein Visum verlängern. Bei der Einreise nach Indonesien bekommt man nur 30 Tage zugebilligt. Für dieses riesige Land und die vielen Inseln ist das viel zu wenig. Mit einem gemieteten Roller geht es hinaus Richtung Flughafen zur Imigrasi. Formular ausfüllen, Pass abgeben und in zwei Tagen wieder vorbeikommen meint der freundliche Beamte. Das ich noch kein Flugticket für die Ausreise vorweisen kann stört ihn wenig. Der Tag ist noch jung, der Roller steht vor der Imigrasi und die Tempel von Prambanan sind nicht weit weg. Die Sonne brenntDie aus dem 10 Jahrhundert stammenden hinduistischen Tempel sind UNESCO Weltkulturerbe und der Eintritt sau teuer. Zumal man als Tourist fast den sechsfachen Preis der Einheimischen bezahlt. Mit zwei verschiedenen Kassen versucht man das zu verheimlichen und mein Versuch als indonesischer Albino durchzugehen scheitert kläglich. Die schöne Anlage macht den hohen Preis jedoch vergessen. Zumal der nur wenige hundert Meter entfernt stehende Sewu Tempel im Preis inbegriffen ist. Buddhistisch, aus dem 8ten Jahrhundert, ebenfalls UNESCO  Kulturerbe und menschenleer hat mir diese Anlage sogar noch besser gefallen.
Wie versprochen habe ich zwei Tage später ein frisches Visum im Pass, dass meine maximale Aufenthaltsdauer in Indonesien auf 60 Tage erhöht. Noch am selben Tag fahre ich ohne Zeitdruck die 25 km nach Borobudur. Hier steht der größte buddhistische Tempel auf Java. Borobudur komplettMit 123 Metern Kantenlänge ist diese riesige Stupa natürlich auch UNESCO Weltkulturerbe. Die Verzierungen an den Wänden zeigen das Leben und Wirken Buddhas. Auf den 9 Stockwerke ist der Weg der Erleuchtung in Stein gemeißelt und von mir natürlich komplett beschritten und verinnerlicht worden. Ich bitte dies bei meiner Rückkehr zu beachten 😉 Abgesehen davon ist die Anlage einfach schön. Natürlich von Massen heimgesucht, aber der freie Blick auf die umliegenden Vulkane Merpati, Merbabu, Sindoro und Sumbing ist atemberaubend. Im wahrsten Sinne des Wortes, wenn einer der aktiven Vulkane mal wieder Asche und giftige Gase spuckt. Merpati

Zurück in Yogya organisiere ich meine Tour nach Bali, doch vor der Urlaubsinsel mache ich Halt in Bromo. Hier befindet sich der Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark, der hauptsächlich das Tengger Vulkanmassiv umfasst. Die Sonnenaufgangstour ist der beliebteste Ausflug und so ergebe ich mich in mein Schicksal und buche wie viele viele andere auch die obligatorische Jeeptour. Um 3:30 Uhr soll ich vor dem Haus auf den Jeep warten. Zur Sicherheit bin ich natürlich schon ein paar Minuten früher draußen und sehe einen Jeep nach dem anderen den Ort verlassen. Gegen 4 Uhr stehe ich alleine auf der Straße und hüpfe von einem Bein aufs andere. Denn hier, auf knapp 2000 Meter, ist es um diese Uhrzeit empfindlich kalt. Irgendwann kommt ein Moped vorbei und der Fahrer meint ich solle aufsteigen. Ich sage ihm das ich eigentlich eine Jeeptour gebucht habe und bekomme als Antwort „Jeep“ und ein Fuchteln mit den Armen in Richtung Berg. Nach ein paar Minuten holpriger Fahrt frage ich den Fahrer wo den nun der Jeep sei und dies ja wohl der Weg zum Beobachtungspunkt 2. Schulterzucken! Irgendwie versteht er mich nicht. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, ich ihn ja auch nicht. Am Ende der Fahrt verlangt er eine Bezahlung für eine Fahrt die ich nicht gewollt habe. Mein Ticket für den Jeep hatte ich leider bereits im Voraus bezahlt. Ich bezahle natürlich nicht und wir sind beide reichlich unzufrieden über die aktuelle Situation. Immerhin das verstehen wir voneinander. Die Jeeps unten im Ort sind mittlerweile alle weg und so zuckle ich die restlichen Meter zu Fuß weiter zum Aussichtspunkt zwei um den Sonnenaufgang von dort zu beobachten.Bodennebel  Wie ich nachher erfahre ist hier deutlich weniger los als am Aussichtspunkt 1 wo knapp 100 Jeeps stehen. Der Sonnenaufgang ist ein Spektakel, was sich positiv auf meine Stimmung auswirkt. Zugegebenermaßen sind die Bilder die ich später vom Aussichtspunkt eins zu sehen bekomme auch nicht gerade übel. Den Rest schlechte Laune lass ich an dem Tourveranstalter aus und begebe mich wieder entspannt in Richtung Bali. Auch diese Tour entwickelt sich wieder zu einer sehr langen Fahrt, aber zumindest habe ich im Bus mit Isabella aus Österreich eine ausgesprochen angenehme Leidensgenossin.
Die Tage auf Bali vergehen ruhig und entspannt. Die meiste Zeit davon bin ich in Ubud, dem künstlerischen Zentrum Balis. Überall gibt es kleine Boutiquen, schöne Cafés, DrachenHolzschnitzer, Steinmetze und jede Menge Touristen. Die Taxifahrer sind zu müde um jeden Einzelnen anzusprechen und halten meist nur noch laminierte Schilder mit „Taxi“ in die Luft wenn man vorbei läuft. Wenn Abends die vielen Tagestouristen aus Ubud abgereist sind, kann man den kleinen Ort wieder genießen. Dann passt die entspannte Stimmung zu den vielen kleinen Tempeln und den Opfergaben die vor vielen Geschäften liegen wieder zusammen. Für drei Tage miete ich mir mal wieder einen Motorroller um die Insel zu erkunden. Nach den Erlebnissen in Ubud lasse ich die Touristenhochburgen Kuta und Sminyak links liegen und versuche ruhigere Orte zu finden. Tatsächlich finde ich Dinge weit ab vom üblichen Programm. Mir fällt in einer Seitenstraße eine Wettverrücktegroße Menge von Motorrollern auf und schaue nach. Stimmen, Geldscheine und Federn fliegen durch die Luft und ich stecke plötzlich mitten in einem Hahnenkampf. Es wird gewettet was das Zeug hält. Sieg oder Niederlage. Unentschieden gibt es hier nicht, denn an einem Fuß trägt jeder Hahn eine ca. 5cm lange Klinge. Selbst dem Sieger wird oft an Ort und Stelle der Kragen umgedreht wenn die Verletzungen zu schwer sind.
In Candidasa ist der Strand zwar nicht ganz so schön, aber ich finde ein kleines Ressort mit billigen Bungalows und einem Infinity Pool am Meer. Diese scheinbar kantenlosen Schwimmbecken vermitteln einem den Eindruck man könnte direkt ins Meer hinaus schwimmen. Infinity PoolGut erholt und frisch gebadet mache ich mich auf die kurvige Bergstrecke vorbei am Vulkan Agung, vielen Tempeln und Bergseen an die Nordküste von Bali. Im Fischerort Lovina ist der Fisch lecker, der Strand dreckig und der Sand schwarz. Sonnenuntergang in LovinaZugegeben, der Sonnenuntergang war schön. Aber mehr als ein Abendessen hält mich hier nicht und so geht es schon am nächsten Tag über kleine Straßen zurück nach Ubud. Wieder vergehen ein paar entspannte Tage in einem kleinen Homestay wie im Flug. Die  Familie bringt jeden Morgen das Frühstück persönlich zu den sechs Bungalows, zwei Hasen hüpfen über die Wiese und nachdem es ab und zu regnet ist die Veranda mit Blick auf den kleinen hinduistischen Tempel im Garten schnell mein Lieblingsplatz. Doch der Entdeckerdrang meldet sich irgendwann und ich buche   einen Flug auf die touristisch kaum erschlossene Insel Sumba.

Jede Menge neue Bilder unter Fotos – Java und Bali

Dieser Beitrag wurde unter Vorbereitung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s