Borneo

Borneo. Bei diesem Wort kommen mir automatisch Bilder von unberührtem Dschungel, wilden Tieren und Schrumpfköpfen in den Sinn. In Kuching lande ich aber erst einmal in einer typischen, mittelgroßen asiatischen Stadt. Chaotischer Verkehr, notorisch überfüllt und eher wenig attraktiv. Das kleine Zentrum von Kuching ist allerdings durchaus sehenswert. Kuching bei NachtEin breiter Fluss trennt die Altstadt von  dem Abends beleuchteten Regierungssitz. Es ist Samstag Abend, Bands spielen auf der Promenade und es gibt wie überall in Asien an jeder Ecke was zu Essen. In fast allen Häusern gibt es kleine Geschäfte oder Werkstätten, so dass auch tagsüber ein Spaziergang lohnt. Schon bei der Fahrt vom Flughafen sind mir an verschiedenen Kreisverkehren die übergroßen und meist recht hässlichen Skulpturen von Katzen aufgefallen. In der malaysischen Sprache steht kucing für Katze und so wird kräftig Marketing gemacht. T-Shirts, Tassen, Schlüsselanhänger und alles was mit einem Katzenmotiv bedruckt oder zu einer Katze geformt werden kann wird verkauft. Sogar ein Katzenmuseum gibt es hier. Wegen einem Feiertag ist es leider geschlossen. Vielleicht hätte ich dort die Antwort gefunden warum diese Stadt so benannt wurde.
Dafür erzählt mir Lindi, die schwedische Inhaberin des Treehouse Bed & Breakfast, dass derzeit eine Rafflesia blüht. Diese Schmarotzer-Pflanze hat die größte Blüte der Welt und ist recht selten. Zur Entwicklung benötigt die Blüte mehrere Monate oder gar ein Jahr, blüht dann aber nur 4 bis 7 Tage. Mit einem klapprigen Rafflesiaöffentlichen Bus fahre ich aus der Stadt in den hauptsächlich wegen dieser Pflanze angelegten Gunung Gading Nationalpark. Nach einem 15 Minuten Spaziergang stehe ich dann vor der Rafflesia und verwackel, vermutlich wegen der holperigen Busfahrt, alle Bilder. Denn geblendet von der einzigartigen Schönheit der Blüte war ich sicher nicht.
Zurück im Treehouse rüste ich mich für die nächste Exkursion. Im Bako Nationalpark soll man gut Nasenaffen beobachten können. Und tatsächlich bekomme ich schon bei meiner ersten Wanderung durch den heißen Tieflanddschungel ein paar dieser Tiere zu sehen als sie in den Bäumen von Ast zu Ast schwingen. Zur gleichen Zeit rennen anscheinend auch ein paar Affen direkt durch das Camp in dem ich mich für eine Nacht eingemietet habe. Hätte ich mir die schweißtreibende Wanderung auch sparen können. Für eine Nachtwanderung schließe ich mich einer Gruppe mit Guide an. Gut so, denn wahrscheinlich hätte ich mich im dichten Wald verlaufen und kein einziges Tier entdeckt. So sehe ich Schlangen, Spinnen, Frösche und den bunten Kingfisher.Kingfisher II Nach den vielen Tieren an Tag Eins, bleibt am zweiten Tag Zeit für die schönen Buchten und Wälder des Parks.
Wieder in Kuching miete ich mir einen Motorroller und fahre zur Orang Uta Station in Sepilog. Dort wird Affen geholfen, die durch illegale Abholzung ihr Revier verloren haben. Zwei mal am Tag ist Fütterungszeit und die Extra-Bananen holen sich einige der ansonsten frei lebenden Orang Utan gerne ab. Orang Uta bei FütterungErstaunlich wie menschlich diese Affen wirken. Und so beobachten sich Mensch und Tier mit scheinbar gleichem Interesse. Manche essen dabei sogar das gleiche.
Danach fahre ich zu den in der Nähe stehenden Langhäuser. Hier ist mir aber zu viel Trubel und die Siedlung ist auch nicht wie ich sie mir vorgestellt habe. Das auch hier die moderne Welt eingezogen ist, wusste ich aus dem Reiseführer. Das allerdings auch die Architektur der Häuser kaum noch zu erkennen und nur die Idee der Gemeinschaft übrig geblieben ist, enttäuscht mich etwas. Tiefer im Wald ist das wohl alles noch zu finden und ich überlege kurz ob ich dort hin soll. Doch die angebotenen Touren sind ziemlich teuer und die Bilder der Reiseveranstalter nicht wirklich verlockend. Es ist wie immer eine Gratwanderung zwischen Entdecken und Zerstören. Ich habe keine Lust auf einen menschlichen Zoo, in dem sich Reisegruppen in lustigen Posen neben „wilden Urwaldmenschen“ ablichten lassen. Manchmal komme ich mir zwar genauso vor wenn Einheimische mit dem großen weißen Mann ein Foto machen wollen, aber ich habe einen anderen Hintergrund und kann damit vermutlich besser umgehen. Dann schaue ich mir das ganze eben im Museum an.
Dafür kommt mir die Redensart „geh doch dahin wo der Pfeffer wächst“ wieder in den Sinn. In den Geschäften steht der berühmte Sarawak-Pfeffer überall zum Verkauf. Eine Plantage die man selbstständig besichtigen kann finde leider nicht. Zumindest habe ich den Dschungel und die Tiere gefunden die ich mit Borneo verbunden habe. Auch wenn der Dschungel nicht mehr unberührt und einige Tiere nicht mehr ganz so wild waren. Auch die Schrumpfköpfe gab es nur im Museum zu sehen.
Eigentlich wollte ich weiter in den Norden, nach Sabah und von dort in den indonesischen Teil von Borneo wechseln. Aber die interessanten Touren sind ausgebucht und die wenigen Unterkünfte in den Nationalparks belegt. Das ist der Nachteil  wenn man kurzentschlossen und frei von Terminen unterwegs sein will. Der Vorteil ist, dass man spontan eine neue Idee umsetzen kann. Zum Beispiel nach Sumatra zu fliegen. 

Mehr Bilder wie immer unter Fotos / Borneo

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3 Antworten zu Borneo

  1. neidi68 schreibt:

    Hi Alex,
    meine Güte: Du bist immer noch unterwegs! Ich hab mittlerweile eine Tochter bekommen (d.h. wenn ich ehrlich bin war es meine Frau), ein Haus renoviert und einen fiesen Umzug überlebt Sonst ist nicht viel passiert. Erinnerst Du Dich noch an Deinen alten Billardlehrer und Grönland- bzw. Indien-Reisekumpanen? Hoffe Du kommst wirklich zurück (mit-dem-Zeigefinger-droh!). Wenn man Deine Reiseberichte liest könnte man meinen, Du bist auf den Geschmack gekommen… falls Du noch nichts vor hast im September: da könnten wir uns in Spitzbergen treffen So als Ausklang Deiner Weltumrundung.
    Halt die Ohren steif und vergess nicht jede Sekunde zu genießen!
    Grün vor Neid aber mit den allerbesten Wünschen
    Olaf

  2. neidi68 schreibt:

    dunkelgrün!!!

    • real68 schreibt:

      Clever gemacht. Einen Beitrag doppelt posten und dann noch einen Kommentar drauf setzen. So hast du es geschafft den 100sten Kommentar auf meinem Blog zu posten. Dafür gebe ich dir ein Bier aus wenn ich wieder zurück bin. Vielleicht vertreibt das dann ja die grüne Farbe 😉

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