Kia Ora Neuseeland / Nordinsel

Auckland gefällt mir. Für eine 1,3 Millionen-Stadt geht es hier sehr entspannt zu. Selbst in der Innenstadt ist genug Zeit um Fußgänger über den Zebrastreifen zu lassen oder auf einer der vielen Bänke in einem Park seine Mittagspause zu verbringen. Dazu die Vielfalt an Kulturen und verschiedenen Menschen. Der gesichtstätowierte Maori, Farmer in Gummistiefeln, Leute im Businessdress und viele Einwanderer mischen sich scheinbar ohne Probleme. Besonders gut finde ich, dass jede dieser Kulturen ihr Essen mitgebracht hat. Weniger gut finde ich, dass ich nach vier Tagen immer noch keinen passenden fahrbaren Untersatz gefunden habe. Große Motorräder sind Mangelware und teuer. Die für knapp 700 Euro angebotene 150er Vespa wäre zwar ein stilechtes Fortbewegungsmittel, aber selbst der backen-bärtige Verkäufer aus dem Rollershop traut sich damit nicht über die Stadtgrenze. Autos gibt es zwar, aber nichts verlockendes. Und nachdem das einzige was in Neuseeland günstig zu sein scheint die Mietwagen sind, entscheide ich mich für einen Nissan Sunny aus dem vorherigen Jahrtausend. 14 Euro am Tag. Bei der Übergabe wird immerhin noch ein abgefahrener Reifen gewechselt. Einer! Zuerst geht es zu dem Schnäppchenladen warehouse. Hier erstehe ich ein Zelt, eine aufblasbare Isomatte (soviel Luxus muss sein), Schlafsack, Gaskartusche und einen Topf. Eigentlich wollte ich ja einen Campervan kaufen und habe deshalb meine Campingausrüstung aus Südamerika nach Hause geschickt. Aber wie so oft auf Reisen und im Leben kommt es anders als man denkt. Die nicht einmal Hundert Dollar habe ich nach ein paar günstigeren Campingplätzen gegenüber Hostels schnell wieder drin und das Zelt macht mich deutlich flexibler. Noch Essen einkaufen und dann geht es endlich weiter. Zuerst Richtung Norden nach Whangarei zu den Abby Coves. Bei einer kleinen Wanderung kommt Kalkstein, Wasser, viel Zeit und Moos man vorbei an verwitterten Kalksteinfelsen die wie vergessene, moos-bewachsene Skulpturen im Wald stehen. Das eigentlich Ziel sind aber die Abby Höhlen. Nur mit der Stirnlampe ausgestattet wate ich durch teilweise hüfthohes, eiskaltes Wasser. Absolute Dunkelheit. Da hilft das Wissen, dass es keine gefährlichen Tiere in Neuseeland gibt nur wenig. Es bleibt gruselig. In einer der Höhlen schalte ich das Licht meiner Stirnlampe aus und sehe die eigentliche Attraktion. Viele Glühwürmchen hängen an der Decke der Höhle und geben ein wenig Licht. Es sieht aus als würde man einen Sternenhimmel betrachten.
Auf den kurvigen Straßen bereue ich, nicht doch ein Motorrad gekauft zu haben. So schlingere ich halt mit einem 200.000km alten, ausgelutschten Nissan zu den Kauri Bäumen an der Westküste. Der Tane Mahuta (Gott des Waldes) ist mit ca. 2000 Jahren der älteste noch vorhandene Baum in Neuseeland. Noch beeindruckender ist aber der Te Matua Ngahere. 16.4 Meter UmfangDiese Bäume werden nicht sonderlich hoch, aber dick. So könnte  man um den Te Matua immerhin 6 Smart parken. 16,4 Meter Umfang!  In einem überteuerten Museum erfahre ich, dass Ende des 19ten Jahrhunderts noch ältere und deutlich dickere Bäume für die Holzindustrie gefällt wurden. Das Kauri-Holz eignet sich gut zum Bau von Schiffen und wird noch heute verwendet.
Das Wetter ist gut und so fahre ich den langen Weg quer nach Osten rüber auf die Halbinsel Coromandel. An einem weißen Traumstrand hat die Brandung eine Höhle in den Kalkstein gefressen. Wegen ihrer Form wird die Höhle auch Cathedral Cove genannt.Cathedral Cove. Eigentlich ein Tunnel und keine Höhle. Gleich in der Nähe ist auch der Hot Water Beach. Unter dem Strand liegen heiße Quellen und so kann man Löcher in den Sand buddeln und sich in einer warmen Badewanne das Meer ansehen.
Über kleine, teilweise geschotterte Straßen geht mein Weg nach Rotorura. Wai-O-Tapu ist eine sehr aktive thermische Zone. Kochend blubbernde Schlammtümpel, dampfende Höhlen, gelbe- grüne- rote Wassertümpel und ein Geysir der jeden Tag pünktlich um 10.15 Uhr ausbricht gibt es dort zu sehen. Die letzte Angabe hätte mich warnen sollen. Hat sie auch, aber wo ich schon mal da bin, zahl ich halt den Eintrittspreis und schau mir das Spektakel an. Vor geschätzten dreihundert Zuschauern betritt ein Ranger die Arena und informiert perfekt verkabelt durch die Lautsprecher über geologischen Fakten die ohnehin kaum einen interessieren. Dann kippt er drei Kilo Seife in den Geysir, schließlich ist schon 10.10 Uhr, und fünf Minuten später spuckt der Lady-Knox-Geysir Wasser und Seifenblasen. Eine Vorführung an der sich möglicherweise Kinder erfreuen, aber ein Naturerlebnis sieht anders aus. Man hätte auch einfach eine Pumpe anschmeißen oder ein paar Pfefferminzbonbon in eine Cola-Flasche geben können (siehe YouTube). Das Ergebnis wäre das gleiche gewesen.
Zurück auf die Straße. Entlang dem Lake Taupo geht es auf dem Highway Nummer Eins vorbei am Tongariro Nationalpark. Highway ist vielleicht etwas übertrieben. Denn Autobahnen gibt es in Neuseeland nur rund um Auckland. Aber zurück zum Tongariro. Für die Herr der Ringe Trilogie diente dieses Gebirge (digital verfremdet) als Kulisse. Die Vulkangegend wurde im Film zu Mordor, dem schaurigsten Ort auf Erden. Zum Glück ist es heute wolkenverhangen und ich sehe nicht viel davon. Entlang dem Fluss Whanganui geht es teilweise nur einspurig durch den dichten Wald. Ich vermisse mein Motorrad. Ich will ein Motorrad!Der Surf-Highway führt mich entlang der Küste zum Vulkan Taranaki. Zurück ins Inland geht es auf dem Forgotten World Highway. Kurve an Kurve, immer weiter ins Nichts. Wobei es gibt hier schon was. Schafe und Kühe. Davon sogar reichlich. Fast so viele wie Kurven.
Obwohl ich von dem Adrenalin-Tourismus der sich über das ganze Land zieht etwas genervt bin, überall runterspringen, Abseilen, Helikopterfliegen usw., lande ich doch in einer der Hochburgen für eben diesen Tourismus. In Waitomo wird der Wahnsinn auf die Spitze getrieben. Hier kann man einen Bungee-Jump machen, wird dann vom Schnellboot die Stromschnellen hoch gefahren um sie gleich wieder mit dem Gummiboot herunter zu raften. Zum Abschluss des Tages springt man dann noch aus einem Flugzeug. Vielleicht was für Leute mit wenig Zeit und viel Geld. Den vor dem Adrenalin muss erst mal Geld fließen. 635 Dollar kostet der Spaß. Sicher alles ganz lustig, aber nicht was ich suche. Mit dem eigenen Auto kann ich mir meine Tour selber zusammenstellen und fahre Abends zu einer Schlucht. Hier hat das Wasser über Jahrtausende zwei Naturbrücken übereinander aus dem Stein gespült. Doppelte NaturbrückeDas gefällt nicht nur mir, sondern auch den Glühwürmchen. Diesmal hängen tausende unter der Decke oder an den Wänden. Kostenlos und exklusiv.
Über kleine Straßen fahre ich zurück nach Auckland. Vorbei an Raglan, wo die beste lefthand-Surfwelle der Welt in die Manu Bay rollt. Der Surferfilm The endless summer wurde teilweise hier gedreht. Direkt am Flughafen gebe ich den wider erwarten zuverlässigen Nissan ab. Jetair fliegt mich nach Christchurch, auf die südliche der beiden neuseeländischen Inseln. Ich bin gespannt was mich dort erwartet.

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Südsee

Nach 5,5 Stunden Flug landet das Flugzeug der Air Tahiti pünktlich um 0:45 Uhr in Papeete. In der Empfangshalle warten zwei dicke Tahitianer mit kleinen Ukulelen und eine nicht ganz so dicke Tänzerin in buntem Gewand auf die Urlauber. Durch die 5 Stunden Zeitverschiebung zu der Osterinsel ist es gefühlt schon 6 Uhr morgens und den wenigsten ist nach einer Showeinlage zumute. Trotzdem, netter Empfang. Schnell noch den obligatorischen Blumenkranz und ab geht’s ins Luxusressort. Allerdings nicht für mich. Ich lege mich direkt auf dem Flughafen auf einer Bank eine Runde aufs Ohr. So spare ich das unverschämt teure Taxi (ca. 50 US für 15 Minuten) und eine Übernachtung im Hostel. Mit dem ersten öffentlichen Bus geht es nach Paea. Dummerweise steige ich zu früh aus und finde das Hostel nicht. Anscheinend liegt es 7 Kilometer entfernt. Na dann lauf ich besser mal los. Kurze Zeit später kommt der Fahrer des Pickups den ich eben nach dem Weg gefragt habe vorbei und sagt ich solle einsteigen. Er fährt mich bis vor die Tür. 1A-Sevice. Im Hostel sitzen bei frischem Baguette und Nutella zwei Deutsche die auch auf dem Campingplatz auf der Osterinsel waren. Mit jeder Minute wird es heißer und so verbringe ich mit Doreen und Matthias einen ruhigen Tag im Schatten. Der Besitzer des Hostels, ein Franzose, sagt es gehe den meisten hier so. Seine Unterkunft wird meist von Langzeitreisenden aus Europa gebucht die sich in der Mitte Ihrer Reise befinden. Meist wird der Aufenthalt dann ein Urlaub vom Reisen. Viel anzusehen gibt es auf Tahiti ohnehin nicht wie wir am nächsten Tag erfahren. Mit einem Mietwagen kutschieren wir die 110 Kilometer um die Insel herum. Alles ganz nett, aber nicht wirklich spektakulär. Auch die Strände sind nicht so berauschend wie ich vermutet hatte. Die meisten sind durch die Vulkanasche schwarz. Am nächsten morgen stürze ich mich mit Mathias zum Boogie-Borden in die Brandung. Auf diesen kleinen Surfbrettern kann man liegend  auf der Welle reiten. Normalerweise deutlich einfacher als echtes Surfen, aber bei dieser Brandung immer noch zu schwer. In kurzer Zeit verliere ich einen Badeschuh und Matthias etwas Haut als ihn eine Welle über den Strand zieht. Dann doch lieber wieder in die Hängematte und Geschichten zuhören wie Fred, der Hostel-Besitzer, seinen Militärdienst zwischen Atomtests und Windsurfen in den Buchten von Moorea verbracht hat. Zur kulinarischen Abwechslung (ganz Franzose) serviert er uns eine Brotfrucht direkt von einem Baum in seinem Garten. Mit dieser etwa fußballgrossen und etwas nach Kartoffel schmeckenden Frucht, so meint er, sei der Hunger in der Welt zu besiegen. Mit Fabian kommt ein weiterer Deutscher ins Hostel. Wie im Flug vergeht ein weiterer heißer Tag zwischen Hängematte, schnorcheln und der Ausarbeitung von Strategien zur Rettung der Welt. Irgendwann schaffe ich doch noch den Absprung nach Moorea. Und es lohnt sich. Hier sind sie, die leeren Traumstände mit türkieblauem Wasser und der gebogenen Palme. Traumhaft. OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist zwar genau so heiß wie auf den Nachbarinsel, dennoch herrscht ein anderes Klima. Nichts ist zu spüren von der Hektik in Papeete. Mit einem gemieteten Motoroller zuckle ich die ca. 60 Kilometer lange Rundstraße um die Insel. Spektakuläre Berge wechseln sich mit Traumstränden ab. Ein Luxus-Resort nach dem anderen. Alle großen Namen sind vertreten. Hyatt, Hilton und Co. Und so sieht man auf der Insel auch meist offensichtlich wohlhabende Rentner und Hochzeitspaare. Ganz beliebt, und entsprechend teuer, sind die sogenannten Überwasserbungalows. Von oben betrachtet sehen die schicken Hütten aber eigentlich nicht viel anders aus als eine Reihenhaussiedlung. OLYMPUS DIGITAL CAMERAZugegeben, die Lage ist nicht schlecht 😉 Ich verziehe mich wieder in meine Backpacker-Unterkunft. Auf der östlichen Seite der Insel haben wir den Luxushotels zumindest den Sonnenuntergang voraus. OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd die Bucht ist auch nicht schlechter. Abends stehe ich zusammen mit einem Engländer und einem Franzosen im kristallklaren Wasser und versuche mit etwas Brot und zu großen Angelhaken ein paar Fische zu fangen. Zwei gehen trotzdem dran. Die werden dann in grobe Stücke zerteilt und pünktlich zum Sonnenuntergang finden sich drei Stachelrochen im seichten Wasser ein um von uns von Hand gefüttert zu werden. Wahnsinn. DCIM100GOPRODer Franzose entfernt einem Rochen sogar einen Angelhaken aus dem Maul. Würden mir diese Viecher mit bis zu einem Meter Spannweite im offenen Meer begegnen, würde ich vermutlich einen Schock bekommen. Im knietiefen Wasser ist es jedoch kein Problem. Auch hier vergehen die Tage viel zu schnell. Und weil sich trotz Touristen und harten Dollars hier am Samstag und Sonntag keiner ein Bein ausreißt, kann ich nicht alles machen was ich gerne möchte.
Die Rückfahrt zu Fähre am Montag gestaltet sich wieder inseltypisch. Der angekündigte öffentliche Bus lässt ewig auf sich warten. Dafür hält der Schulbus. Er hat die gleiche Route und nimmt mich mit. Am Hafen angekommen will er nicht mal Geld. Ist ja ein Schulbus. Nur 17km breit, dafür 2500 Meter tief ist das Meer zwischen Moorea und Tahiti. Die Fähre bringt mich in 30 Minuten zurück in das drückend heiße und hässliche Papeete. Nach der Ruhe und Idylle auf Moorea erscheint mir die Stadt noch schlimmer. Große Freunde werden Papeete und ich nicht mehr und so mache ich mich auf zum Flughafen. Der Sprung über die Datumsgrenze steht an.

Mehr Traumstrände unter Fotos / Südsee

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Osterinsel / Rapa Nui

Rechtzeitig zu Ostern mein Bericht zu den Osterinseln:

Glücklicherweise habe ich einen Fensterplatz ergattert. Das Flugzeug dreht eine Schleife über den Vulkankrater von Ranu Kau und setzt zur Landung an. Schon von oben macht die Insel einen freundlichen Eindruck. Nach der Landung verstärkt sich dieses Gefühl. Kaum habe ich mein Gepäck eingesammelt, bekomme ich einen Blumenkranz umgehängt. Allerdings nicht wie erhofft von Hula-Hula-Mädchen im Bastrock, sondern von einem etwas korpulenten Typen. Dafür bringt mich Mauricio mit seinem Pick-Up zum Campingplatz. Ich habe für meinen Aufenthalt auf der Osterinsel ein kleines Zelt gemietet. Alle anderen Unterkünfte sind nahezu unerschwinglich. Zumal mit dieser Lage. Nicht umsonst steht neben dem Campingplatz ein Luxus-Hotel mit Zimmerpreisen ab 300 Euro aufwärts. Direkt am Meer mit toller Brandung, nahe zur Stadt und ruhig. Wobei, ruhig scheint es hier überall zu sein. Die Bewohner gehen ihren Aufgaben ohne Hektik und mit Gelassenheit nach. Wenn man über die Straße will halten alle Autos an, egal ob dort ein Zebrastreifen ist oder nicht. Sehr angenehm. Die ersten beiden Tage laufe ich nur ein bisschen im Ort herum, genieße die Sonnenuntergänge OLYMPUS DIGITAL CAMERAund die sehr leckeren Empanadas (Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen) aus der kleinen Bäckerei um die Ecke. Am Abend des zweiten Tages mache ich mich zu einer Wanderung auf. Vorbei an Höhlen mit Resten von alter Wandmalerei geht es stetig den Berg bzw. den Vulkan hinauf. Alles Land ist hier vulkanisch entstanden. Irgendwann komme ich aus dem spärlichen Wald zu dem kreisrunden Krater den ich bereits vom Flugzeug aus gesehen habe. Ranu Kau. Wie ich später erfahre heißt das auf polnisch vornehm ausgedrückt: Morgentoilette. In der Sprache der Rapa Nui heißt es sicher etwas anderes. Entlang der Kante geht der Wanderweg weiter Richtung Vogelinsel. Diese kleine vorgelagerte Insel spielte in der  Vergangenheit eine wichtige Rolle im Leben der Insulaner. Man vermutet, dass der bestimmende Volksstamm auf der Insel durch einen regelmäßig stattfindenden Wettkampf ermittelt wurde. Dabei musste schnellstmöglich ein Vogel-Ei von der kleinen Insel auf die Osterinsel gebracht werden. Kevin Kostner hat darüber sogar einen Film gedreht, der von den Einheimischen aber eher belächelt wird. Immerhin dient der Film, der drei mal die Woche in einem Hotel gezeigt wird, zur Einstimmung. Denn alle Aufnahmen wurden vor Ort gemacht. Der nächste Tag ist der erste auf dieser Reise, an dem ich eine Aktion verschiebe, weil das Wetter schlecht ist. Zum Glück nimmt der Lavastein die Feuchtigkeit schnell auf, so dass es trotz starkem Regen keine Pfützen gibt und in meinem Zelt weiter gemütlich bleibt. Außerdem hat der Campingplatz eine große Küche und einen Aufenthaltsraum wo sich leicht die Zeit verbringen lässt. So lerne ich auch Marta und Lucas kennen. Zwei Polen mit denen ich mir den Jeep für die Besichtigung der Insel teile. Durch den Regentag kommen noch zwei Schweizer dazu. Die Miete fürs Auto wird dadurch weniger, wie auch der Platz im kleinen Jeep. Die Truppe passt zusammen und mit bestem Wetter haben wir einen tollen Tag. Wir fahren zuerst zu den sieben Moais. Ein Moai ist ein Kopf aus Stein. OLYMPUS DIGITAL CAMERADiese Skulpturen stehen auf der ganzen Insel verteilt herum. Man vermutet, dass es sich dabei um Denkmäler für wichtige Menschen auf der Insel handelte. Und eben diese sieben Moais die wir zu erst besichtigen, sollen für die ersten sieben Menschen sein die zur Besiedelung der Osterinsel ausgesandt wurden. Deshalb sind diese auch als einzige auf das Meer hinaus ausgerichtet. Vorbei an vielen anderen Statuen die meist unrenoviert und umgefallen sind, geht es zum Vulkan Ranu Raraku aus dessen Gestein die Figuren gemacht sind. Nur mit Faustkeilen aus Stein wurden diese Moais aus den Wänden geklopft. Angefangene und fertige, aber noch nicht abtransportierte Moais stehe am Fuße des Berges und lassen die baumlose Gegend noch unwirklicher erscheinen. OLYMPUS DIGITAL CAMERAVor lauter Steinköpfen ganz weich in der Birne, wollen wir das schöne Wetter nutzen und fahren zum einzigen Strand der Inseln an dem man baden kann. Natürlich finden wir auch dort Steinköpfe. Über 900 sollen es auf der gerade mal 13 km breiten und 24 km langen Insel sein. Damals muss es ganz schön langweilig gewesen sein damit man sich so etwas  einfallen lässt.
Wir haben den Jeep 24 Stunden gemietet. Das gibt uns die Möglichkeit die 15 Moais an der Ostküste bei Sonnenaufgang zu betrachten. Bis alle Mitfahrer zusammengetrommelt sind und der richtige Weg gefunden ist, wird es schon langsam hell. Also fahre ich etwas forscher und unterschreite die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Insel von 60 km/h nicht ein einziges Mal bis wir doch noch rechtzeitig die Sonne aus dem Meer hinter den Moais aufsteigen sehen. OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuf dem Rückweg fängt es wieder zu tröpfeln an. Der Regen bleibt die nächsten zwei Tage und macht weitere Exkursionen nicht sinnvoll. Aber alles Wichtige habe ich gesehen  und so schnappe ich mir ein Buch und entspanne. In Internet surfen ist keine Alternative. Hier werden die Kilobytes noch einzeln von Telefonmast zu Telefonmast getragen. Und was die damit am Ende der Insel machen kann ich nur vermuten. Auch so verfliegt die Zeit und es heißt wieder Koffer bzw. Rucksack packen. Weiter zum nächsten Entschleuniger. Französisch Polynesien!

Mehr Steinköpfe und andere Motive unter Fotos / Osterinsel
Frohe Ostern!

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Tierra del Fuego

In letzter Zeit, war auf der anderen Seite der Erde schlecht an eine vernünftige Internetverbindung zu kommen. Es gibt also einiges aufzuholen. Viel Spaß dabei.

Seinen ungewöhnlichen Namen hat Feuerland von Magellan erhalten. Als er im Jahr 1520 die Magellanstraße entdeckte, sah er viele Feuer der indigenen Jäger, die bereits seit ca. 9000 v. Chr auf der Insel lebten. Tierra del Fuego, Land des Feuers.
Die dreistündige Fahrt mit der Fähre von Punta Arenas nach Povenir verläuft dank glatter See problemlos. Als feuerländisches Empfangskomitee schwimmen bei der Einfahrt in die Bucht drei Delfine neben der Fähre her. Es scheint geradezu als hätten sie auf das Schiff gewartet. Immer wieder springen sie in die Luft und drehen sich im Flug den Fenstern der Cafeteria an Bord zu. An Land kann ich verstehen warum Magellan so viele Feuer gesehen hat. Es ist frisch und die Landschaft ist platt. Wärmende Feuer kann man also von Weitem sehen. Zuerst geht es auf einer guten Schotterpiste an der Küste entlang. An der Grenze in San Sebastian erhalte ich meinen 16ten und 17ten Stempel von Chile bzw. Argentinien in den Pass gedrückt. Mindestens zwei weitere werde ich noch bei der jeweils letzten Ausreise erhalten. In Rio Grande suche ich lange nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit, finde aber nichts. Auch sonst hat die Stadt außer gesalzenen Preisen nichts zu bieten. Der Einzelofen in meinem überteuerten Hotelzimmer riecht nach Gas und ich stelle ihn sicherheitshalber aus. Am nächsten Morgen fällt es mir trotz oder gerade wegen der Kälte im Zimmer nicht schwer früh morgens aufzubrechen. Über den kalten, aber nur knapp 500 Meter hohen Garibaldi-Pass erreiche ich dann schließlich das Ziel meiner Motorradtour. Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. OLYMPUS DIGITAL CAMERAEinerseits bin ich froh es bis hier ohne Stürze oder andere größere Probleme geschafft zu haben. Andererseits markiert dieser Punkt auch das Ende einer tollen Tour, denn ich werde versuchen mein Motorrad hier zu verkaufen. Obwohl ich mich auf der langen Fahrt hier herunter schon eine Weile damit beschäftigen konnte, wird erst mit dem Erreichen des Ortsschildes der Gedanke zur Realität. Der Rücktransport nach Deutschland, das Ersetzen der Verschleißteile, neuer TÜV und diverse Reparaturen würden fast das doppelte vom Fahrzeugwert kosten. Ausnahmsweise siegt bei mir beim Thema Motorrad die wirtschaftliche über die emotionale Seite. Zuerst aber quartiere ich mich auf dem Campingplatz Los Andinos ein. Der schöne Blick auf die Stadt und den Beaglekanal lenkt mich kurzzeitig ab. Dann geht es schnell. Ich stelle das Motorrad mit einem Schild „Se Vende – Zu verkaufen“ vor den größten Supermarkt im Ort und setze mich ins Café. Drei Stunden und vier Anfragen später habe ich die Honda verkauft. Am nächsten Tag mach ich noch eine Abschiedstour durch die Stadt. Ich kaufe mir zwei stabile Transporttüten aus Plastik und packe meine Siebensachen aus den Alukoffern um. Helm, Jacke und Handschuhe verkaufe ich an den Besitzer des Campingplatzes. Trotzdem bin ich erstaunt was an Gepäck noch übrig bleibt und die Africa Twin die ganze Zeit schleppen musste. Jetzt muss es ich schleppen. Zuerst zum Bus der mich wieder zurück nach Chile bringt. 12 langweilige Stunden im Bus vermisse ich das Motorrad. Wie schön war es diese Strecken selber zu fahren. Wind und Wetter ausgesetzt zu sein und alles ungefiltert mitzubekommen. Überall kann man anhalten, die Landschaft genießen und Fotos machen. Abends war man müde von den vielen neuen Eindrücken. Im Bus sehe ich nach 20 Minuten nicht einmal mehr aus dem Fenster und schlafe vor Langeweile ein. Von Punta Arenas fliege ich weiter nach Santiago de Chile. Um die Bestimmung für Inlandsflüge einigermaßen einzuhalten, packe ich alles Schwere in meine Umhängetasche die ich als Laptoptasche deklariere. Zusätzlich nehme ich eine weitere Tasche als Handgepäck mit an Bord und die zwei Plastiktaschen gebe ich am Schalter der Sky Air ab. Zulässiges Gesamtgewicht knapp überschritten 😉 Und dass, obwohl ich um Gewicht zu sparen die Motorradhose und -schuhe angezogen habe. Glücklicherweise wird kein Übergepäck berechnet und die Maschine schafft es vor dem Ende der Startbahn abzuheben.

Ein Vorteil als Backpacker unterwegs zu sein ist, dass ich keinen Parkplatz für das Motorrad suchen muss. Und so quartiere ich mich in dem parkplatzlosen, aber sehr schönen Happy House Hostel in Santiago ein. Ein riesiges Holzhaus mit Parkettboden, Stuck, großen Gemeinschaftsräumen mit Sofas und einem kleinen Swimmingpool wird für die nächsten drei Tage meine Oase in der 6-Millionen-Stadt. OLYMPUS DIGITAL CAMERAViel von dem Gepäck das ich mit mir herumschleppe war ausschließlich für das Motorrad oder für Camping. Auf meiner weiteren Tour werde ich es vermutlich nicht mehr benötigen und schicke es deshalb nach Hause. Anke und Georg, zwei Motorradreisende die ich unterwegs getroffen habe, sind bereit die Sachen in Ihrer Motorradversandkiste mit nach Deutschland zu nehmen. Darum setzte ich mich wieder in den Bus nach Valparaiso und lass mich von einem Taxi zur Villa Kunterbunt bringen. Die Villa ist eine Anlaufstation für Motorradreisende aus aller Welt. Martina und Enzo organisieren die Verschiffung und bauen Versandkisten für Motorräder. Zudem kann man hier übernachten und Reisende zum Erfahrungsaustausch treffen. Claudi und Werner sind bereits ein paar Tage hier und haben auf mich gewartet als ich meinen Besuch in der Villa angekündigt habe. Franz, einen Südtiroler den ich in El Calafate kennen gelernt habe, treffe ich hier durch Zufall auch wieder. Zwei nette Holländer sitzen noch am Tisch und Engelbert aus Offenburg wartet auf sein Motorrad das noch im Hafen beim Zoll steht. In dieser lustigen Runde grillen wir Chorizos und Fleisch und sitzen bei dem einen oder anderen Bier noch lange zusammen. Engelbert, der näher bei Stuttgart wohnt als Anke und Georg, erklärt sich bereit mein Gepäck mitzunehmen. Vielen Dank! Schließlich ist es nicht selbstverständlich Gepäck von Fremden mitzunehmen.
Bei schönem Wetter schaue ich mir mit Claudia und Werner noch die Stadt an und fahre mit den berühmten Schrägaufzügen. Wie so viele Städte in Südamerika steht auch Valparaiso auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO.OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Als am nächsten Tag die Motorräder aus dem Hof verschwinden hält mich nicht mehr viel in Valparaiso und ich ziehe zurück nach Santiago. Dort wartet der mittlerweile auch motorradlose Mathias auf seinen Rückflug nach Deutschland. Allerdings hat er sein Motorrad nicht wie ich verkauft, sondern mit dem Flugzeug nach Hause geschickt. In Kürze wird er die Yamaha und seine Tour auf der Motorradmesse in Düsseldorf auf dem Stand der Zeitschrift Motorrad präsentieren. Bis dahin hängen wir zusammen im Happy House Hostel ab, trinken viel zu süßen Pisco, schlendern durch die Stadt und verstecken uns vor der gnadenlos brennenden Sonne. Dann setzt sich Mathias in den Flieger nach Deutschland und ich mich in den Nachtbus nach Pucon. Morgens um 7:30 Uhr bin ich zwar nicht ausgeschlafen, aber immerhin bei schönem Wetter in der kleinen Stadt am Fuß des Vulkan Villarica. Schon mit Roland bin ich hier durchgefahren und habe mir vorgenommen, sofern die Zeit reicht, diesen Vulkan zu besteigen. Am nächsten Morgen steh ich um 6:45 Uhr bereit zur Abfahrt in den Nationalpark. Wieder nicht ausgeschlafen. Die Müdigkeit verfliegt jedoch schnell bei dem sich bietenden Panorama. So früh am Morgen hat die Sonne die die Wolken unter im Tal noch nicht aufgelöst. Und so stehen wir in der schwarzen Lava, unter uns die weißen Wolken im Tal und über uns strahlend blauer Himmel. Was für ein Kontrast. Auf dem Weg zum GipfelWir, das ist eine Gruppe von 4 Guides und mit mir 18 Freizeit-Bergsteiger. Die Tour ist beliebt, nicht allzu schwer aber es ist ein Guide vorgeschrieben. Es liegt also nahe eine geführte Tour zu machen. Dort konnte ich auch meine ganze Ausrüstung ausleihen. Feste Wanderschuhe, Rucksack, Regenkleidung, Handschuhe, Helm, Steigeisen und Eispickel. Der führende Guide läuft langsam und gleichmäßig, so dass alle mitkommen und genug Zeit bleibt um die Aussicht zu genießen. Nach ein paar hundert Höhenmetern im Lavasand fängt der Schnee bzw. der Gletscher an. Trotz recht weichem Schnee ziehen wir die Steigeisen an, denn einige Passagen sind vereist und der Weg wird immer steiler in Richtung Gipfel. Schnell wird noch erklärt wie man im Falle eines Falles mit dem Eispickel bremst und schon geht es im Zick Zack das steile Eisfeld hinauf. Kurz vor dem Gipfelkrater ist der Schnee abgetaut und wir können die Steigeisen wieder ausziehen. Ab und zu weht eine Wolke schwefelhaltiger Luft herüber und raubt uns den Atem. Glücklicherweise herrscht Aufwind und die giftigen Gase ziehen schnell ab. Andernfalls hätten wir umkehren müssen. Der Villarica ist einer der aktivsten Vulkane in Südamerika und das kann man nicht nur riechen sondern auch sehen. Zwar gibt es derzeit keinen freien Blick auf die glühende Lava, aber aus dem riesigen Krater dampft es ständig. Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns auf den Rückweg. Jetzt kommt der Plastik-Rutschteller im Rucksack zum Einsatz. Das einer Pfanne ähnliche Teil klemmen wir uns unter den Hintern und rodeln in einer Schneerinne den Berg hinunter. Mit den Dingern nimmt man ziemlich schnell Fahrt auf. Manche Stellen sind zu steil für die glatten Plastikschüsseln und wir rutschen auf einem umgeschnallten Cordura-Stoff in der Bobbahn nach unten. Trotzdem werde ich so schnell, dass ich mein ganzes Gewicht auf den Eispickel legen muss um den Höllenritt abzubremsen. Um ein paar blaue Flecken und eine Erfahrung reicher, gehen die letzten Höhenmeter hinunter bis zum Bus der uns zurück in die Stadt bringt, schnell. Nach kurzer Fahrt schlafen alle. Ich bin noch erstaunlich fit und halte den Fahrer bei Laune bevor der auch noch das Gähnen anfängt.
Die nächsten Tage verbummele ich in Pucon und Santiago. Sonntags sind in der Hauptstadt die Museen kostenlos und ich schaffe tatsächlich drei Stück bevor ich in einem Straßencafé hängen bleibe und meine Gedanken auf die Osterinseln fliegen lasse.

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Vom Winde verweht / Patagonien

Kaum habe ich es mir in dem Ledersessel bei Moto Aventura bequem gemacht, kommt auch schon die Antwort von Roland auf meine SMS. Er ist auch in wenigen Minuten hier um sein Leihmotorrad in Empfang zu nehmen. Die BMW 1200 GS steht schon vor der Tür. Schnell den Papierkram erledigt und schon sind wir beim globusieren. Die Motorräder stellen wir allerdings gleich wieder in den Hof des Hostels und erkunden Santiago de Chile zu Fuß.
Abends sitzen wir über der Karte und versuchen die für Roland zur Verfügung stehenden Tage möglichst sinnvoll zu verplanen. So entscheiden wir uns die  langweilige Strecke von Santiago bis nach Süden in den Lake District in einem Rutsch zu fahren. Nach ca. 700 öden Kilometern verlassen wir die Autobahn und steuern Villarica an. Die Straße wird kurviger und in Villarica sehen wir vom Balkon der kleinen Pension in der wir uns einmieten, einen Vulkan wie aus dem Bilderbuch. VillaricaDer schneeweiße Kegel spiegelt sich im See und nur die Warnampel am Rathaus die den aktuellen Zustand des aktiven Vulkans anzeigt und die vielen Evacuationsschilder in den Straßen zeugen von der Gefährlichkeit des schönen Bergs. Abends ist es nun deutlich kühler als in Santiago de Chile. Kein Wunder, denn wir sind bereits südlicher als das untere Ende von Afrika. Die Antarktis ist allerdings noch weit entfernt und so sind die Temperaturen tagsüber bei schönstem blauen Himmel ideal zum Motorradfahren. Wir passieren die Grenze zu Argentinien und fahren durch den Lanin Nationalpark. Der gleichnamige Berg ist angeblich der schönste Argentiniens. Zurück in Chile kommen noch weitere Vulkane die den Blick immer wieder von der Straße wegziehen. Ein bisschen sieht es hier aus wie im Schwarzwald. Wiesen, Kühe, Holzhäuser. Aber dann immer wieder diese schneebedeckten Vulkanriesen und die Seen mit einer türkiesen Farbe wie aus dem Malkasten. In Puerto Montt checken wir in einem Hostel ein, schnell eine Dusche, denn der Magen knurrt nach einem langen Fahrtag. Auf dem Weg zu dem empfohlenen Fischrestaurant kommen wir am Fährbüro vorbei. Es hat noch offen und so stellen wir fest, dass eine Fähre nach Chaiten heute Abend um 23:00 Uhr abfährt. Das würde uns einen Tag in unsere Planung voranbringen. Statt etwas zu Essen fahren wir kurzentschlossen zurück zum Hostel und checken wieder aus. Im Hafen müssen wir die Motorräder erst noch wiegen lassen, bevor wir auf das Schiff dürfen. Leergewicht 220 kg steht bei meiner Honda in den Fahrzeugpapieren. Die Wage zeigt 290 kg. Ohne mich! Die Abfahrt der Fähre verzögert sich weiter und bis ich endlich einen lätschigen Sandwich aus der Cafeteria an Bord bekomme, vergeht noch einige Zeit. Gute Nacht!?So bin ich wenigstens müde genug um mein Nachtlager unter einer Dreier-Sitzreihe bequem zu finden und sofort einzuschlafen. Chaiten empfängt uns wolkenverhangen. So sehen wir den Vulkan der 2008 das ganze Dorf verwüstete zuerst nicht. Einige Häuser sind immer noch mit „Peligro“-Bändern abgesperrt weil sie einsturzgefährdet sind. Bis wir unsere Vorräte in dem kleinen Supermarkt aufgestockt und uns fahrfertig gemacht haben, hat sich die Sonne durch die Wolken gearbeitet. Los geht die Fahrt auf der berüchtigten Carretera Austral. Schneebedeckte Berge, türkiese Seen, Bäche und Wälder stellen einen angenehmen Kontrast zu den trockenen Gegenden der letzten Zeit dar. An manchen Stellen bekommen wir schon einen ersten Eindruck von dem patagonischen Wind vor dem uns alle gewarnt haben. Um nicht eingestaubt zu werden, fahren wir auf den Schotterstrecken mit großem Abstand. BMWIrgendwann steht Roland an der Seite und winkt mich ran. Plattfuß vorne! Wir suchen den Reifen ab ob ein Loch zu erkennen ist. Nachdem wir nichts finden, vermuten wir, dass der schlauchlose Reifen an der verbeulten Felge nicht mehr dicht anliegt und bei den harten Schlägen auf der Wellblechpiste Luft verliert. Also zücke ich mal wieder meine Pumpe und wir pressen soviel Luft in den Reifen wie die alte Pumpe hergibt. Nicht allzu viel wie sich herausstellt. Und so wiederholen wir diese Prozedur noch ein paar mal an diesem Tag. Wildes Camp beim LeuchtturmImmerhin finden wir auf der Südseite des zweitgrößten Sees Südamerikas einen schönen wilden Campingplatz in einer geschützten Bucht. Ein Hund aus dem nahegelegenen Hotel leistet uns Gesellschaft und bekommt zum Dank ein paar Streicheleinheiten und die Reste von unseren Spaghetti. Weitere Begegnungen mit Tieren haben wir nächsten Tag. Auf der Traumstraße nach Chile Cico hoppeln zuerst einige Hasen über den Schotter und haben damit mehr Glück als die platt gedrückten Artgenossen die wir ebenfalls sehen. Ein Stück weiter kommt ein Gürteltier aus dem Gras getippelt. Ich fahre ihm beinahe über die Schnauze und sehe im Rückspiegel wie Roland nur knapp den Schwanz verfehlt. Da hätte auch sein Panzer nicht geholfen. An die Guanacos neben der Straße haben wir uns schon gewöhnt. Aber jetzt tauchen auch immer wieder Nandus (magellanschetraußenvögel) auf und ab und zu ein Zorro Gris (patagonischer Fuchs). Das patagonische Stinktier zeigt sich nicht. Auch wenn man abends manchmal meinen könnte, eines hätte sich in den Motorradstiefeln versteckt.
Wir überqueren erneut die Grenze zu Argentinien und fahren auf der legendären Ruta 40 Richtung Süden. Viele Abschnitte der Ruta 40 sind mittlerweile asphaltiert. Das macht sie zwar nicht interessanter, aber sicherer. Denn irgendwann erwischt einen der Wind. Zuerst ist es noch ganz lustig auf gerader Strecke in Schräglage zu fahren und wir machen Fotos. SeitenwindDie Reifen haben seitlich ohnehin mehr Restprofil. Später wird der Wind aber so stark, dass wir die Geschwindigkeit auf ca. 50-60 km/h reduzieren müssen. Anhalten wäre vermutlich nicht möglich. Der Wind würde uns umdrücken. Immer wieder versetzt das Motorrad wenn es von einer Böe erwischt wird. Auf Schotter wäre ein Fahrt bei diesem Wind unmöglich. Die Haftung der Reifen würde nicht ausreichen. Den Helm kann ich schon lange nicht mehr in Fahrtrichtung halten. Zu stark ist der Winddruck von der Seite. Als die Straße in Windrichtung führt wird es gespenstisch. Normalerweise ist immer Fahrtwind zu hören. Jetzt ist es still. Nur das Abrollgeräusch der Reifen und der Motor sind zu hören. Roland formuliert es treffend: „Bei 120 kann man auf dem Motorrad ein Streichholz anzünden ohne das es ausgeht!“ Mit Rückenwind lässt es sich gut fahren. Seitenwind ist furchtbar und Gegenwind ist auch nicht viel besser. Auf dem Weg nach El Chaiten haben wird Gegenwind. Normalerweise komme ich bei gemäßigter Fahrweise ca. 380 km. Heute stelle ich das Motorrad nach 250 km am Straßenrand ab. Der Tank ist leer! Immerhin habe ich einen schönen Blick auf das Fitz Roy Massiv. Kein Sprit im Tank aber Blick auf den Fitz RoyRoland hat sich rechtzeitig in den Windschatten von einem Reisebus gerettet und kommt so zur nächsten Tankstelle. Sein Bordcomputer zeigt als verbliebene Reichweite einen Kilometer an. Mit dem Sprit den mir Roland im Ersatzkanister vorbeibringt, schaffe es auch ich bis zum Fuße der berühmten Berge Cerro Torre und Fitz Roy. Auf dem Campingplatz versuchen wir uns an argentinischen Steaks. Optik und Geschmack stimmen. Leider ist es etwas faserig.
Unseren nächsten Stopp legen wir in Calafate ein. Dieser von Touristen überschwemmter Ort ist eine gute Ausgangsbasis für die Besichtigung des Gletschers Perito Moreno. Mit einem Tipp unserer Wirtin ausgestattet finden wir ein gutes und verhältnismäßig günstiges Parilla-Restaurant. Die Einrichtung hat was von Bahnhofimbiss, aber das Fleisch ist sehr lecker. Den grimmig drein blickenden Grillmeister sehe ich häufig an diesem Abend. Man bezahlt nur einmal und kann sich dann so oft man will bedienen. Nach der Völlerei gönnen wir uns einen halben Tag Pause. Gegen 17:00 Uhr fahren wir Richtung Perito Moreno. Tagsüber wird der Gletscher von vielen Tagestouristen besucht, die Abends wieder im Hotel essen wollen. Und so kommen uns tatsächlich ständig Autos und Busse entgegen. Wir jubeln unter dem Helm und  beglückwünschen uns zu der richtigen Entscheidung erst spät in den Nationalpark zu fahren. Tatsächlich ist der Parkplatz fast leer. Auf dem weitläufigen Gelände verteilen sich die wenigen verbliebenen Besucher zudem. So sitzen wir lange alleine auf einer Beobachtungsplattform nur mit ein paar Vögeln die auf Krümel von unserem mitgebrachten Vesper hoffen. Der Perito Moreno ist einer der wenigen Gletscher auf der Welt, die jährlich an Größe gewinnen. Und so knackt und rumpelt es auch die ganze Zeit. Sobald es rauscht wie bei einem Gewitter, springen wir auf um das Kalben des Gletschers mitzuerleben. Ein richtig großes Stück will heute aus den 60 Meter hohen Eiswänden jedoch nicht abbrechen. Perito Moreno IIIAls um 21:00 Uhr das Abendlicht langsam zu Neige geht, verlassen auch wir den Park. Mit den abgepackten Motorräder jagen wir auf der kurvigen Landstraße noch ein Auto mit Argentinier vor uns her. Der Fahrer gibt alles während seine Mitfahrer Fotos von uns schießen. Als wir überholen wird gejohlt und der Daumen nach oben gestreckt. Absolut motorradverrückt diese Argentinier.
Auf dem ersten Campingplatz im Nationalpark Torres del Paine fallen die Mücken über uns her. Die Lage begeistert uns auch nicht recht und so ziehen wir weiter zum nächsten Platz. Hier ist es deutlich schöner und mit einem Feuer in der Grillstelle lassen wir den Abend ausklingen. Allerdings wird meine Isomatte von einem Dornenzweig unter dem Zelt durchstochen. Das merke ich zum Glück erst am nächsten Morgen, vermutlich weil der Vino Gato aus dem 1,5 Liter Tetrapak doch besser geschmeckt hat als erwartet. Also genieße ich nach dem Frühstück die Aussicht auf den Cuernos del Paine Cuernos (Hörner) del Painemit kalten Füßen, als ich mit der aufgepumpten Isomatte im See nach Luftblasen suche um die Löcher in der Matte zu finden. Richtig begeistern will uns der Torres del Paine Nationalpark trotzdem nicht. Sicher, alles sehr schön hier, aber eben auch touristisch stark frequentiert. Vielleicht erschließt sich die wahre Schönheit erst wenn man auf die verschiedenen 4-7 Tage Wanderungen geht. Aber wir haben Motorradstiefel statt Wanderschuhe an und fahren deshalb auf einer guten Schotterstraße mit tollen Ausblicken Richtung Süden aus dem Nationalpark heraus. Puerto Natales ist eine kleine Stadt am Meer mit vielen bunten Häusern. Gemütliche Cafés und jede Menge Hostals verbergen sich hinter den farbenfrohen Fassaden. Oft sind es mit Wellblech verkleidete Holzhäuser mit zugigen Fenstern. Gas und Holz scheint genug vorhanden zu sein, denn gedämmt ist keines der Häuser. Und so raucht jeder Schornstein im Ort gegen den kalten Wind an. Wir spazieren durch die Straßen ohne Ziel. Richtige Sehenswürdigkeiten gibt es keine, aber die gelassene Stimmung überträgt sich auf uns und wir lassen uns vom Wind von einer Lokalität in die nächste schieben. Bevor Roland sein Mietmotorrad in Punta Arenas zurückgeben muss, wollen wir noch einen Stopp auf einer Estancia machen. Einige dieser Farmen bieten Zimmer zur Übernachtung an und man kann den Betrieb aus nächster Nähe besichtigen. Als wir vor dem Tor der ausgewählten Estancia stehen, ist der Tag noch jung, der Wind stark und die Landschaft eintönig. Wir beschließen weiterzufahren. Ein Stückchen südlicher soll eine Kolonie Magellanpinguine am Strand zu beobachten sein. Mein sonst zuverlässiger Reiseführer schreibt, dass man zwischen den Pinguinen am Strand laufen kann und am Besten sich einfach hinsetzt und wartet bis die neugierigen Tiere auf einen zukommen. MagellanpinguinMittlerweile gibt aber ein eingezäunter Holzsteg die Laufwege vor. Vielleicht besser für den Naturschutz, für uns ist es eine Enttäuschung. Und so fahren wir heute auch noch die letzten paar Kilometer bis Punta Arenas und erreichen unser Ziel einen Tag vor  der geplanten Zeit. Hier treffen wir Mathias, der bereits auf dem Rückweg von Usuhaia ist. Im gleichen Hostal sind zufälligerweise auch Blossom und Sean abgestiegen. Zwei motorradreisende Australier mit denen ich in Bolivien ein paar Tage unterwegs war. Blossom ist schwanger und der besorgte werdende Vater verzichtet auf eine Weiterreise an das Ende der Welt und verkauft hier sein Motorrad. Mit Roland schaue ich mir den spektakulären Friedhof an auf dem auch der deutsche Vizeadmiral Graf Spee liegt. Punta Arenas war schon früher ein bedeutender Hafen. Wir besichtigen einen detailgetreuen Nachbau von Magellans Weltumrundungsschiff Magellans Schiff Isowie ein Replikat des Bootes James Caird. Ernest Sheckleton hat mit diesem Beiboot der Endurance vor Feuerland eine Rettungsaktion durchgeführt die noch heute als eine der größten seemännischen Leistungen des 20. Jahrhunderts gilt. Der Wind, die raue See und die eindrucksvolle Präsentation machen die Leistung dieser Abenteurer noch deutlicher.

Sean hat am Abend sein Motorrad bereits verkauft und bei einem guten Essen haben die kleinen Motorrad-Abenteurer alle zusammen einen gemütlichen Abend. Der nächste Tag ist ausnahmsweise verregnet und so unternehmen wir nicht allzu viel. Noch einmal ein gutes patagonisches Steak essen und dann heißt es Abschied nehmen. Mathias ist gestern schon nach Norden weitergefahren und  Roland fliegt heute wieder heim. Wieder mal eine schöne Tour. Für Blossom und Sean geht es über Buenos Aires nach knapp zwei Jahre zurück nach Australien. Ich fahre weiter. Nach Feuerland!

Viele neue Bilder unter Fotos / Patagonien

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Dakar

Von 1986 bis 1989 hat Honda mit einem Motorrad das meinem zumindest optisch sehr ähnlich sieht, vier mal die berühmte Rallye Dakar gewonnen. Ein paar Rallye-Gene stecken also sicher auch in meiner Africa Twin. So verwundert es kaum, dass es uns zu der mittlerweile von Afrika nach Südamerika umgezogen Veranstaltung zieht. Auf dem Weg zum ersten Besichtigungspunkt kommen uns bereits einige Renn-LKWs entgegen. Hier auf der Straße müssen sich die Rallyefahrer auch an die Verkehrsregeln halten. Wir fahren trotzdem lieber ganz am rechten Fahrbahnrand mit genügend Abstand zu den Monster-Trucks. Kurze Zeit später sehen wir dann die Trucks von der Piste auf die Straße abbiegen. Bis der Staub den die LKWs aufwirbeln verzieht, dauert es eine Weile. Beim nächsten Punkt treffen wir auf ein paar verrückte Chilenen, die sich einen Weg durch die Dornenhecke direkt an den Pistenrand gebahnt haben. Wir werden heran gewunken und nehmen nicht nur wegen dem Angebot an Spirituosen, sondern vor allem wegen der guten Sicht die Einladung an.92 In unmittelbarer Nähe rasen die Motorräder an uns vorbei. Die Jungs können ohne Zweifel fahren. Zusammen mit den Chilenen feiern wir jeden Fahrer, die teilweise sogar noch die Zeit haben zurück zuwinken. Bei der dritten Station zu der wir heute fahren, sehen wir dann die Autos. Auch die liefern ein großes Spektakel. Und dass obwohl heute die längste Etappe der Rallye ist. Für uns ist es auch kein kurzer Tag, da wir schon heute ein Stück der nächsten Etappe entgegen fahren. Überall wollen die Leute mit uns Fotos machen, weil sie denken wir sind Teilnehmer der Rallye. Wir tun Ihnen den Gefallen, klären aber auf sobald jemand ein Autogramm von uns will.
Mein Motorrad läuft den Tag über gut. Es muss zwar immer angeschoben werden, aber an jedem Halt finden sich genug Begeisterte die gerne einem gestrandetem „Dakar-Fahrer“ helfen. Ansonsten schiebt mich Mathias mit der bewährten Technik an. Bis in den Abend klappt das ganz gut. In dem Ort in dem wir heute gestartet und nach ca. 430km wieder zurückgekommen sind, streikt die Honda dann doch. Wir sind ohnehin auch platt und nutzen eine nahe Tankstelle zur Rast. Als das Motorrad und wir etwas abgekühlt sind, geht es gegen 23:00 Uhr zu einem Rastplatz an einem Fluss, den wir schon vom Vortag kennen. Nachdem der Platz auch von der Dorfjugend zum Feiern genutzt wird, kommen wir erst gegen 0:30 zum schlafen.
Die Nacht war kurz, denn die Dakar startet früh und wir haben noch ein Stück zum ersten Beobachtungspunkt. In einem Flussbett mit tiefen Querrinnen schauen wir den Motorradfahrern und den Quads zu wie sie sich durch den tiefen Sand quälen. Flußbett IVEs ist unglaublich heiß und an der Strecke ist kein Schatten. Schweißtreibend für die Fahrer und die Zuschauer. Die Polizisten an der Absperrung wechseln sich alle 20 Minuten ab und die Gruppe die Pause hat erholt sich im Schatten. Mit dem Wasser aus der Flasche die ich hinten auf dem Gepäck aufgespannt habe kann man locker einen Tee machen. Erfrischung schmeckt anders. Alles Jammern hilft nicht. Jacke an und Helm auf. Die Dakar zieht weiter und wir mit ihr. Auf der Verbindungsetappe nach La Rioja kommen einige Teilnehmer an uns vorbei und es scheint ein gegenseitiger Respekt für die jeweilige Unternehmung in der heißen Luft zu liegen. Wir hupen und winken uns gegenseitig zu. Als wir zu einem Service-Truck aufschließen und eine Zeit in dessen Windschatten fahren platzt plötzlich ein Reifen am LKW. Die zerfetzten Reifenteile fliegen uns um und zum Glück nicht an die Ohren. Auf Windschatten werden wir die nächste Zeit verzichten. In La Rioja steht scheinbar die ganze Stadt am Straßenrand um den Fahrern zuzujubeln. Wir fahren im Tross der Rallye durch die Zuschauer und ich winke bis die Honda plötzlich ausgeht. Super peinlich! Anschieben hilft auch nichts mehr und so binden wir kurzerhand einen Spanngurt zwischen die Motorräder und schleppen die müde Afica Twin ab. Ein Honda Werksfahrer überholt uns und seine Geste zu mir scheint auszudrücken „Shit happens“. Wir drücken uns noch eine Weile vor der Einfahrt zum Camp herum und quatschen ein paar Leute an ob sie uns nicht mit ins Fahrerlager nehmen können. Keine Chance. Dann halt doch auf den nahegelegenen Campingplatz.  Noch ewig sitzen wir in dieser Nacht auf einer Bank vor unseren Zelten und schwitzen langsam vor uns hin.
Die Entscheidung die Dakar für die nächsten zwei Tage ziehen zu lassen fällt nicht schwer. Mein Motorrad springt selbst nach mehrmaligem Anschieben nicht an, und  auch wir sind erschöpft. Sehr früh aufstehen, zu Besichtigungspunkten fahren, viele Stunden in der Sonne stehen und nach mehreren hundert Kilometern irgendwann in der Nacht irgendwo teilweise wild zu campen kosten Substanz. Also mal wieder länger schlafen und ausgiebig duschen. Auch wenn die Dusche nur aus einem Wasserrohr besteht ist sie doch reinstes Wellness. Im erfrischenden Wasserstrahl komme ich zu der Überzeugung, dass nicht die Ausstattung, die Fliesen oder die thermostatgesteuerte Armatur über die Qualität einer Dusche entscheiden, sondern die Tatsache wie nötig man sie hat.
Ich frage dann noch einen Mechaniker aus dem Dakar-Team 139 das neben uns gezeltet hat, ob er sich mein Motorrad ansehen kann. Er bestätigt unsere Vermutung mit dem defekten Regler. Mit Mathias Batterie erwecken wir die Honda wieder zum Leben und fahren gemütlich Richtung Chile. Die Straße führt uns in einem großen S um zwei Bergketten herum und durch einige matschig braune Flüsse. In einer Flussquerung K1024_Wasserdurchfahrt 1hat Mathias die glorreiche Idee neben mir her zu fahren und spritzt mich von oben bis unten mit der braunen Brühe voll. Danke Mathias ;-) Zumindest wird dabei auch der Regler abgekühlt und wir fahren ohne unfreiwillige Stopps bis zu einem kostenlosen Camping Municipal kurz vor dem Paso Agua Negra.

Die Motorradklamotten habe ich gestern noch gewaschen. Dabei würden sie heute prima zu meinem Zelt passen. In der Nacht hat es seit langem mal wieder geregnet Das Zelt stand auf Erdboden und sieht jetzt entsprechend aus. Seit wir wieder in den Bergen unterwegs sind, hat es abgekühlt und meine Batterie wird während der Fahrt wieder geladen. Das lästige Anschieben fällt also weg. Trotzdem kommen wir heute erst mal nicht weit. Die Grenze zu Chile und die Zufahrt zu dem 4779 Meter hohem Paso Agua Negra ist gesperrt. Der Regen in der Nacht hat an drei Stellen die Straße überschwemmt und mit Steinen blockiert. Schweres Gerät ist im Einsatz versichert uns der Grenzer. Trotzdem sitzen wir eine halbe Ewigkeit herum und warten. Der Papierkram an der Grenze kostet dann auch noch mal Nerven. Die Schotterstraße über den Pass ist gut zu fahren und bald frieren wir bei knapp über 10 Grad. Trotzdem angenehmer und besser auszuhalten als die Hitze der letzten Tage. Auf chilenischer Seite geht es dann genau so schnell wieder bergab. Und mit den Temperaturen bergauf. Bei fast idealen 25 Grad fahren wir durch absolut karge graue Berge. Im Tal liefert der Fluss Elqui in dieser trockenen Gegend das Wasser für das größte Weinanbaugebiet von Chile. Elqui TalAuch der berühmte Pisco wird hier angebaut. Wir klauen uns ein paar Trauben Lecker!und es sind die besten die ich seit langer Zeit gegessen habe. Wir fahren noch durch bis La Serena und quartieren uns nach etwas suchen in einem kleinen Hostel ein. Hier wollen wir morgen wieder die Spur der Dakar aufnehmen.
20 km nördlich von Serena ist das Ziel und das Camp für die vorletzte Etappe der Rallye Dakar aufgebaut. Erwartungsgemäß sind wir nicht die einzigen Zuschauer. Der Himmel ist grau und der Blick auf die Teilnehmer durch Zäune verstellt. Wir entscheiden uns deshalb zu einer Stelle zu fahren an der wir die letzte Etappe beobachten können. Wieder zurück in La Serena blockiert plötzlich meine Vorderradbremse. Mein grenzenloses Vertrauen in die Honda Africa Twin beginnt langsam zu schwinden. Als die Bremse abkühlt dreht das Rad wieder frei. Auf der Autobahn bemerke ich dann aber wieder komische Vibrationen. Ich halte an und die Bremse ist glühend heiß. Ok, Werkzeug raus. Bremssattel abbauen, Mathias opfert seine zweite Zahnbürste und ich putze und schrubbe dass es jeden Zahnarzt freuen würde. Allerdings nicht die Zähne, sondern die Kolben vom Bremssattel. Brmssattel reinigen :-(Aber es bringt nichts. Die Bremse macht zu und nicht mehr auf. Dann fahre ich halt ohne Vorderradbremse. Heute noch knapp 50 km Autobahn, dann doch 70 weil das Navi die Ausfahrt nicht kennt und noch mal 30 km durch die Dunkelheit auf einer Sandpiste. Ich bin bedient als wir das Ziel erreichen. Es sind schon einige weitere Rallyefans an der Strecke angekommen und überall lodern kleine Feuer. Weil wir keine Lust mehr zu kochen haben, gibt es nur Brot, Käse und Salami. Ein Chilene hat Mitleid und lässt uns durch seinen Sohn zwei  Tassen Suppe bringen. Das tut gut. Ich bringe die leeren Tassen zurück und bedanke mich mit ein paar der geklauten Trauben. Als Gegen-Gegen-Geschenk bekomme ich dann einen Platz am Grill angeboten und jede Menge leckeres Grillfleisch. So gestärkt plappere ich mich mit der netten Familie durch die halbe Nacht.
Um 7:50 Uhr werden die ersten Fahrer erwartet. Aber es hat Nebel und die Hubschrauber der Rennorganisation können nicht starten. So verzögert sich der Start und damit auch die Ankunft der Fahrer an der Stelle an der wir auf sie warten. Gegen neun Uhr kommt das erste Motorrad angeflogen. Stehender Drift Im Drift geht es um die Ecke und weiter über den Hügel. Für manche scheint es auch am letzten der 14 Renntage um Alles zu gehen. Wir scheuen und fast das ganze Fahrerfeld an bevor wir über unmarkierte Feldwege zurück auf die Asphaltstraße finden. Denn der Weg den wir gekommen sind, ist nun Teil der Rallyestrecke und deshalb gesperrt. Die letzten Tage haben unser Sitzfleisch gestärkt und wir spulen die Kilometer bis kurz Valparaiso locker ab. Sozusagen ungebremst, denn meine Vorderradbremse geht immer noch nicht, fahren wir am nächsten Tag bei der Motorradherberge Villa Kunterbunt vorbei um eine Hose abzuholen die Mathias das letzte Mal hier vergessen hatte, und weiter nach Santiago. Nach 500 km ohne Vorderradbremse geht mein erster Weg zu einem Honda-Händler. Auch er probiert es erst einmal mit reinigen. Ohne Erfolg. Erst die komplette Demontage und Zerlegung der Bremse in ihre Einzelteile führt zum Ziel. Schönes Gefühl wieder vorne bremsen zu können. So kann ich auch punktgenau vor dem Gartentor von Mick anhalten. Mick ist vor ein paar Jahren mit dem Motorrad durch die Welt gefahren und hier in Santiago hängen geblieben. Jetzt vermietet er mit seiner Firma „Ride-Chile“ Motorräder. Für Mathias und mich hat er neue Reifen besorgt. Ich montiere zusätzlich gleich noch neue hintere Bremsbeläge. Die haben die letzten Kilometer ja viel zu tun gehabt. Link alt / rechts neu !!Normalerweise dauert so eine Montage vielleicht 2 Stunden. Aber mit Mick verquatscht man sich so leicht und die Stimmung ist dermaßen entspannt, dass wir erst nach 6 Stunden auf neuen Reifen aus dem Garten rollen.
Am nächsten Tag verabschiedet sich Mathias Richtung Süden. Vielen Dank noch einmal fürs Schieben und Abschleppen. Ich bleibe noch ein paar Tage in Santiago, leg mich auf die faule Haut und warte auf Roland. Er kommt für zwei Wochen herüber geflogen damit wir gemeinsam nach Patagonien fahren. Feuerland, wir kommen!

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Ostwärts

Vom chilenischen Strand bis zum höchsten Berg außerhalb des Himalaya ist es eine Tagesreise. Der 6962 Meter hohe Aconcagua liegt knapp hinter der Grenze zu Argentinien. Durch die Zollformalitäten komme ich zu spät und der Park ist bereits geschlossen. Neben einer Skipiste (ohne Schnee) finde ich im Campo Los Puquios für kleines Geld ein Platz um mein Zelt aufzubauen. Eigentlich ist das gar kein Campingplatz, denn von hier aus wird mit Maultieren das Gepäck der Bergsteiger transportiert die den Acuncagua besteigen möchten. Morgens um 5 Uhr zieht dann auch eine Karawane aus beladenen Maultieren und Treibern unmittelbar an meinem Zelt vorbei. Da ich nun schon mal wach bin, nutze ich die Gelegenheit um als erster am Parkeingang zu sein. Auf knapp 3000 Meter nehme ich den Rundwanderweg der die Entstehung und Geschichte des Berges erzählt.
Aconcagua
Morgens ist die 2700 Meter hohe Südwand gut zu sehen, abends verdecken oft Wolken die Sicht auf den Berg. Mit den schweren Motorradklamotten und nach den faulen Tagen am Strand fange ich schnell das Schnaufen an und verzichte heute auf eine Besteigung. Die weitere Fahrt führt durch farbige Berge hinunter mitten in die Weinreben von Mendoza. Mittlerweile ist es brütend heiß geworden. Von der angenehmen Frische der Berge ist zu nichts mehr spüren. Ich quartiere mich im Hostel Alamo ein und warte auf Sandra, eine Freundin aus Stuttgart, die seit 7 Monaten in Südamerika umherreist. Endlich lässt die Hitze etwas nach und abends gehen wir noch etwas Essen und erzählen uns von unseren Erlebnissen. Wir nutzen die Happy-Hour einer Bar um mit ein paar Cocktails unser Wiedersehen zu feiern.
Trotz der Cocktails gestern sitzen wir heute um 11.00 Uhr Mittag schon wieder in einem Weingut und probieren uns durchs Sortiment. Wir machen eine Bike and Wine Tour. Mit dem Fahrrad radeln wir von einer Bodega zur nächsten. Die erste hat lediglich vom Ambiente und nicht mit dem Wein überzeugt, so dass wir quasi gezwungen sind weitere auszuprobieren. Nach zwei weiteren Weinproben und einer Lasagne mit Pfannkuchen statt Nudeln, reicht es für heute.
Gegenüber dem Hostel ist ein großer Carrefour Supermarkt. Ähnlich wie in Frankreich ist auch hier das Sortiment an Lebensmitteln riesig. Ich stehe etwas überfordert vor den Regalen. Kann ich nicht einfach nur Hühnchen mit Reis und Pommes haben wie die letzten vier Monate? Zur Not gäbe es das hier auch. Ich entscheide mich trotzdem für eine gute Salami, Frischkäse und ein noch warmes Baguette. Nach der Kasse kommen mir kurz Zweifel. In den einfachen Restaurants von Bolivien hätte ich dafür vermutlich 4 Hühnchen mit Reis und Pommes bekommen. Aber hier in Argentinien ist eben alles teurer. Zum Glück kommt heute  Mathias mit den Taschen voller US-Dollar in Mendoza an. Er hat seine Freundin zum Flughafen in Santiago gebracht und die nächsten Tage wollen wir gemeinsam der Rallye Dakar entgegen fahren. Die US-Dollar tauschen wir auf dem Schwarzmarkt mit 30 % Gewinn gegenüber dem Bankkurs. Möglich ist das, weil in Argentinien eine hohe Inflation herrscht und die Bevölkerung das Ersparte mit dem Ankauf von Dollar sichern will. Zudem sind Argentinier bei Reisen auf Dollar angewiesen, da ihre Währung im Ausland nur zu einem sehr schlechten Kurs gewechselt wird. Für mich allerdings macht es Salami und Frischkäse wieder bezahlbar. Und einen Nachtisch lang es auch noch.
Am Sonntag verabschiedet sich Sandra Richtung Chile. „Urlaub“ machen. Denn ihre Reise neigt sich dem Ende entgegen. Wir haben noch etwas Zeit und verbringen den Tag im klimatisierten Aufenthaltsraum des Hostel Alamo mit Blog schreiben, lesen und dem durchprobieren der Biermarken aus dem Carrefour Supermarkt. Am nächsten Tag geht es auch für uns weiter. Nach einem schnellen Ölwechsel an der Honda geht die Fahrt in den Nationalpark Sierra de las Quijades. Während der Fahrt zeigt das Thermometer im Cockpit 40 Grad an. Irgendwann auf der schattenlosen geraden Straße durch die Pampa hat mein Motorrad Zündaussetzer. Kurze Zeit später ist es aus. Wie in der Atacama-Wüste ist auch wieder die Batterie leer. Wir bauen die Batterie von Mathias Yamaha ein und sofort springt die Honda wieder an. Es scheint als ob der Gleichrichter / Laderegler überhitzt und dann den Strom der Lichtmaschine nicht mehr an die Batterie und an die Zündeinheiten durchlässt. Wir lassen den Regler abkühlen, nicht so leicht bei 40 Grad, schieben die Honda an und fahren zu dem Nationalpark Sierra de las Quijadas. Auf dem Campingplatz im Nationalpark sind wir die einzigen Gäste. Auch sonst scheint wenig Betrieb zu sein. In der Hütte des Rangers finden wir zwischen alten Anmeldeformularen ein paar Seiten mit halbnackten Mädchen. Jeder vertreibt sich die Zeit halt auf seine Weise. Rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang gehen wir noch zu den Aussichtspunkten und machen die üblichen Fotos.
Nationalpark de las Quijadas II

Trotzdem ist es immer wieder schön wie sich die Steine im Abendlicht verfärben. Als wir zurückkommen ist es zum Zeltaufbau immer noch zu heiß und so legen wir unsere Isomatten einfach auf die bereitstehenden Holztische und schlafen dort.
Die Probleme am Motorrad sind natürlich am Morgen auch noch da. Bei jedem Stopp muss mich Mathias anschieben. Er stellt sein Bein gegen meinen Koffer und schiebt mich bis ich genug Geschwindigkeit habe. Dann lass ich die Kupplung kommen und die Honda läuft. Mit dieser Methode wollen wir die nächsten Tage der Rallye Dakar auf der Spur sein. Mal sehen ob das klappt.

Bilder unter Argentinien + Chile / Zentral

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