Tierra del Fuego

In letzter Zeit, war auf der anderen Seite der Erde schlecht an eine vernünftige Internetverbindung zu kommen. Es gibt also einiges aufzuholen. Viel Spaß dabei.

Seinen ungewöhnlichen Namen hat Feuerland von Magellan erhalten. Als er im Jahr 1520 die Magellanstraße entdeckte, sah er viele Feuer der indigenen Jäger, die bereits seit ca. 9000 v. Chr auf der Insel lebten. Tierra del Fuego, Land des Feuers.
Die dreistündige Fahrt mit der Fähre von Punta Arenas nach Povenir verläuft dank glatter See problemlos. Als feuerländisches Empfangskomitee schwimmen bei der Einfahrt in die Bucht drei Delfine neben der Fähre her. Es scheint geradezu als hätten sie auf das Schiff gewartet. Immer wieder springen sie in die Luft und drehen sich im Flug den Fenstern der Cafeteria an Bord zu. An Land kann ich verstehen warum Magellan so viele Feuer gesehen hat. Es ist frisch und die Landschaft ist platt. Wärmende Feuer kann man also von Weitem sehen. Zuerst geht es auf einer guten Schotterpiste an der Küste entlang. An der Grenze in San Sebastian erhalte ich meinen 16ten und 17ten Stempel von Chile bzw. Argentinien in den Pass gedrückt. Mindestens zwei weitere werde ich noch bei der jeweils letzten Ausreise erhalten. In Rio Grande suche ich lange nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit, finde aber nichts. Auch sonst hat die Stadt außer gesalzenen Preisen nichts zu bieten. Der Einzelofen in meinem überteuerten Hotelzimmer riecht nach Gas und ich stelle ihn sicherheitshalber aus. Am nächsten Morgen fällt es mir trotz oder gerade wegen der Kälte im Zimmer nicht schwer früh morgens aufzubrechen. Über den kalten, aber nur knapp 500 Meter hohen Garibaldi-Pass erreiche ich dann schließlich das Ziel meiner Motorradtour. Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. OLYMPUS DIGITAL CAMERAEinerseits bin ich froh es bis hier ohne Stürze oder andere größere Probleme geschafft zu haben. Andererseits markiert dieser Punkt auch das Ende einer tollen Tour, denn ich werde versuchen mein Motorrad hier zu verkaufen. Obwohl ich mich auf der langen Fahrt hier herunter schon eine Weile damit beschäftigen konnte, wird erst mit dem Erreichen des Ortsschildes der Gedanke zur Realität. Der Rücktransport nach Deutschland, das Ersetzen der Verschleißteile, neuer TÜV und diverse Reparaturen würden fast das doppelte vom Fahrzeugwert kosten. Ausnahmsweise siegt bei mir beim Thema Motorrad die wirtschaftliche über die emotionale Seite. Zuerst aber quartiere ich mich auf dem Campingplatz Los Andinos ein. Der schöne Blick auf die Stadt und den Beaglekanal lenkt mich kurzzeitig ab. Dann geht es schnell. Ich stelle das Motorrad mit einem Schild „Se Vende – Zu verkaufen“ vor den größten Supermarkt im Ort und setze mich ins Café. Drei Stunden und vier Anfragen später habe ich die Honda verkauft. Am nächsten Tag mach ich noch eine Abschiedstour durch die Stadt. Ich kaufe mir zwei stabile Transporttüten aus Plastik und packe meine Siebensachen aus den Alukoffern um. Helm, Jacke und Handschuhe verkaufe ich an den Besitzer des Campingplatzes. Trotzdem bin ich erstaunt was an Gepäck noch übrig bleibt und die Africa Twin die ganze Zeit schleppen musste. Jetzt muss es ich schleppen. Zuerst zum Bus der mich wieder zurück nach Chile bringt. 12 langweilige Stunden im Bus vermisse ich das Motorrad. Wie schön war es diese Strecken selber zu fahren. Wind und Wetter ausgesetzt zu sein und alles ungefiltert mitzubekommen. Überall kann man anhalten, die Landschaft genießen und Fotos machen. Abends war man müde von den vielen neuen Eindrücken. Im Bus sehe ich nach 20 Minuten nicht einmal mehr aus dem Fenster und schlafe vor Langeweile ein. Von Punta Arenas fliege ich weiter nach Santiago de Chile. Um die Bestimmung für Inlandsflüge einigermaßen einzuhalten, packe ich alles Schwere in meine Umhängetasche die ich als Laptoptasche deklariere. Zusätzlich nehme ich eine weitere Tasche als Handgepäck mit an Bord und die zwei Plastiktaschen gebe ich am Schalter der Sky Air ab. Zulässiges Gesamtgewicht knapp überschritten 😉 Und dass, obwohl ich um Gewicht zu sparen die Motorradhose und -schuhe angezogen habe. Glücklicherweise wird kein Übergepäck berechnet und die Maschine schafft es vor dem Ende der Startbahn abzuheben.

Ein Vorteil als Backpacker unterwegs zu sein ist, dass ich keinen Parkplatz für das Motorrad suchen muss. Und so quartiere ich mich in dem parkplatzlosen, aber sehr schönen Happy House Hostel in Santiago ein. Ein riesiges Holzhaus mit Parkettboden, Stuck, großen Gemeinschaftsräumen mit Sofas und einem kleinen Swimmingpool wird für die nächsten drei Tage meine Oase in der 6-Millionen-Stadt. OLYMPUS DIGITAL CAMERAViel von dem Gepäck das ich mit mir herumschleppe war ausschließlich für das Motorrad oder für Camping. Auf meiner weiteren Tour werde ich es vermutlich nicht mehr benötigen und schicke es deshalb nach Hause. Anke und Georg, zwei Motorradreisende die ich unterwegs getroffen habe, sind bereit die Sachen in Ihrer Motorradversandkiste mit nach Deutschland zu nehmen. Darum setzte ich mich wieder in den Bus nach Valparaiso und lass mich von einem Taxi zur Villa Kunterbunt bringen. Die Villa ist eine Anlaufstation für Motorradreisende aus aller Welt. Martina und Enzo organisieren die Verschiffung und bauen Versandkisten für Motorräder. Zudem kann man hier übernachten und Reisende zum Erfahrungsaustausch treffen. Claudi und Werner sind bereits ein paar Tage hier und haben auf mich gewartet als ich meinen Besuch in der Villa angekündigt habe. Franz, einen Südtiroler den ich in El Calafate kennen gelernt habe, treffe ich hier durch Zufall auch wieder. Zwei nette Holländer sitzen noch am Tisch und Engelbert aus Offenburg wartet auf sein Motorrad das noch im Hafen beim Zoll steht. In dieser lustigen Runde grillen wir Chorizos und Fleisch und sitzen bei dem einen oder anderen Bier noch lange zusammen. Engelbert, der näher bei Stuttgart wohnt als Anke und Georg, erklärt sich bereit mein Gepäck mitzunehmen. Vielen Dank! Schließlich ist es nicht selbstverständlich Gepäck von Fremden mitzunehmen.
Bei schönem Wetter schaue ich mir mit Claudia und Werner noch die Stadt an und fahre mit den berühmten Schrägaufzügen. Wie so viele Städte in Südamerika steht auch Valparaiso auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO.OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Als am nächsten Tag die Motorräder aus dem Hof verschwinden hält mich nicht mehr viel in Valparaiso und ich ziehe zurück nach Santiago. Dort wartet der mittlerweile auch motorradlose Mathias auf seinen Rückflug nach Deutschland. Allerdings hat er sein Motorrad nicht wie ich verkauft, sondern mit dem Flugzeug nach Hause geschickt. In Kürze wird er die Yamaha und seine Tour auf der Motorradmesse in Düsseldorf auf dem Stand der Zeitschrift Motorrad präsentieren. Bis dahin hängen wir zusammen im Happy House Hostel ab, trinken viel zu süßen Pisco, schlendern durch die Stadt und verstecken uns vor der gnadenlos brennenden Sonne. Dann setzt sich Mathias in den Flieger nach Deutschland und ich mich in den Nachtbus nach Pucon. Morgens um 7:30 Uhr bin ich zwar nicht ausgeschlafen, aber immerhin bei schönem Wetter in der kleinen Stadt am Fuß des Vulkan Villarica. Schon mit Roland bin ich hier durchgefahren und habe mir vorgenommen, sofern die Zeit reicht, diesen Vulkan zu besteigen. Am nächsten Morgen steh ich um 6:45 Uhr bereit zur Abfahrt in den Nationalpark. Wieder nicht ausgeschlafen. Die Müdigkeit verfliegt jedoch schnell bei dem sich bietenden Panorama. So früh am Morgen hat die Sonne die die Wolken unter im Tal noch nicht aufgelöst. Und so stehen wir in der schwarzen Lava, unter uns die weißen Wolken im Tal und über uns strahlend blauer Himmel. Was für ein Kontrast. Auf dem Weg zum GipfelWir, das ist eine Gruppe von 4 Guides und mit mir 18 Freizeit-Bergsteiger. Die Tour ist beliebt, nicht allzu schwer aber es ist ein Guide vorgeschrieben. Es liegt also nahe eine geführte Tour zu machen. Dort konnte ich auch meine ganze Ausrüstung ausleihen. Feste Wanderschuhe, Rucksack, Regenkleidung, Handschuhe, Helm, Steigeisen und Eispickel. Der führende Guide läuft langsam und gleichmäßig, so dass alle mitkommen und genug Zeit bleibt um die Aussicht zu genießen. Nach ein paar hundert Höhenmetern im Lavasand fängt der Schnee bzw. der Gletscher an. Trotz recht weichem Schnee ziehen wir die Steigeisen an, denn einige Passagen sind vereist und der Weg wird immer steiler in Richtung Gipfel. Schnell wird noch erklärt wie man im Falle eines Falles mit dem Eispickel bremst und schon geht es im Zick Zack das steile Eisfeld hinauf. Kurz vor dem Gipfelkrater ist der Schnee abgetaut und wir können die Steigeisen wieder ausziehen. Ab und zu weht eine Wolke schwefelhaltiger Luft herüber und raubt uns den Atem. Glücklicherweise herrscht Aufwind und die giftigen Gase ziehen schnell ab. Andernfalls hätten wir umkehren müssen. Der Villarica ist einer der aktivsten Vulkane in Südamerika und das kann man nicht nur riechen sondern auch sehen. Zwar gibt es derzeit keinen freien Blick auf die glühende Lava, aber aus dem riesigen Krater dampft es ständig. Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns auf den Rückweg. Jetzt kommt der Plastik-Rutschteller im Rucksack zum Einsatz. Das einer Pfanne ähnliche Teil klemmen wir uns unter den Hintern und rodeln in einer Schneerinne den Berg hinunter. Mit den Dingern nimmt man ziemlich schnell Fahrt auf. Manche Stellen sind zu steil für die glatten Plastikschüsseln und wir rutschen auf einem umgeschnallten Cordura-Stoff in der Bobbahn nach unten. Trotzdem werde ich so schnell, dass ich mein ganzes Gewicht auf den Eispickel legen muss um den Höllenritt abzubremsen. Um ein paar blaue Flecken und eine Erfahrung reicher, gehen die letzten Höhenmeter hinunter bis zum Bus der uns zurück in die Stadt bringt, schnell. Nach kurzer Fahrt schlafen alle. Ich bin noch erstaunlich fit und halte den Fahrer bei Laune bevor der auch noch das Gähnen anfängt.
Die nächsten Tage verbummele ich in Pucon und Santiago. Sonntags sind in der Hauptstadt die Museen kostenlos und ich schaffe tatsächlich drei Stück bevor ich in einem Straßencafé hängen bleibe und meine Gedanken auf die Osterinseln fliegen lasse.

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Vom Winde verweht / Patagonien

Kaum habe ich es mir in dem Ledersessel bei Moto Aventura bequem gemacht, kommt auch schon die Antwort von Roland auf meine SMS. Er ist auch in wenigen Minuten hier um sein Leihmotorrad in Empfang zu nehmen. Die BMW 1200 GS steht schon vor der Tür. Schnell den Papierkram erledigt und schon sind wir beim globusieren. Die Motorräder stellen wir allerdings gleich wieder in den Hof des Hostels und erkunden Santiago de Chile zu Fuß.
Abends sitzen wir über der Karte und versuchen die für Roland zur Verfügung stehenden Tage möglichst sinnvoll zu verplanen. So entscheiden wir uns die  langweilige Strecke von Santiago bis nach Süden in den Lake District in einem Rutsch zu fahren. Nach ca. 700 öden Kilometern verlassen wir die Autobahn und steuern Villarica an. Die Straße wird kurviger und in Villarica sehen wir vom Balkon der kleinen Pension in der wir uns einmieten, einen Vulkan wie aus dem Bilderbuch. VillaricaDer schneeweiße Kegel spiegelt sich im See und nur die Warnampel am Rathaus die den aktuellen Zustand des aktiven Vulkans anzeigt und die vielen Evacuationsschilder in den Straßen zeugen von der Gefährlichkeit des schönen Bergs. Abends ist es nun deutlich kühler als in Santiago de Chile. Kein Wunder, denn wir sind bereits südlicher als das untere Ende von Afrika. Die Antarktis ist allerdings noch weit entfernt und so sind die Temperaturen tagsüber bei schönstem blauen Himmel ideal zum Motorradfahren. Wir passieren die Grenze zu Argentinien und fahren durch den Lanin Nationalpark. Der gleichnamige Berg ist angeblich der schönste Argentiniens. Zurück in Chile kommen noch weitere Vulkane die den Blick immer wieder von der Straße wegziehen. Ein bisschen sieht es hier aus wie im Schwarzwald. Wiesen, Kühe, Holzhäuser. Aber dann immer wieder diese schneebedeckten Vulkanriesen und die Seen mit einer türkiesen Farbe wie aus dem Malkasten. In Puerto Montt checken wir in einem Hostel ein, schnell eine Dusche, denn der Magen knurrt nach einem langen Fahrtag. Auf dem Weg zu dem empfohlenen Fischrestaurant kommen wir am Fährbüro vorbei. Es hat noch offen und so stellen wir fest, dass eine Fähre nach Chaiten heute Abend um 23:00 Uhr abfährt. Das würde uns einen Tag in unsere Planung voranbringen. Statt etwas zu Essen fahren wir kurzentschlossen zurück zum Hostel und checken wieder aus. Im Hafen müssen wir die Motorräder erst noch wiegen lassen, bevor wir auf das Schiff dürfen. Leergewicht 220 kg steht bei meiner Honda in den Fahrzeugpapieren. Die Wage zeigt 290 kg. Ohne mich! Die Abfahrt der Fähre verzögert sich weiter und bis ich endlich einen lätschigen Sandwich aus der Cafeteria an Bord bekomme, vergeht noch einige Zeit. Gute Nacht!?So bin ich wenigstens müde genug um mein Nachtlager unter einer Dreier-Sitzreihe bequem zu finden und sofort einzuschlafen. Chaiten empfängt uns wolkenverhangen. So sehen wir den Vulkan der 2008 das ganze Dorf verwüstete zuerst nicht. Einige Häuser sind immer noch mit „Peligro“-Bändern abgesperrt weil sie einsturzgefährdet sind. Bis wir unsere Vorräte in dem kleinen Supermarkt aufgestockt und uns fahrfertig gemacht haben, hat sich die Sonne durch die Wolken gearbeitet. Los geht die Fahrt auf der berüchtigten Carretera Austral. Schneebedeckte Berge, türkiese Seen, Bäche und Wälder stellen einen angenehmen Kontrast zu den trockenen Gegenden der letzten Zeit dar. An manchen Stellen bekommen wir schon einen ersten Eindruck von dem patagonischen Wind vor dem uns alle gewarnt haben. Um nicht eingestaubt zu werden, fahren wir auf den Schotterstrecken mit großem Abstand. BMWIrgendwann steht Roland an der Seite und winkt mich ran. Plattfuß vorne! Wir suchen den Reifen ab ob ein Loch zu erkennen ist. Nachdem wir nichts finden, vermuten wir, dass der schlauchlose Reifen an der verbeulten Felge nicht mehr dicht anliegt und bei den harten Schlägen auf der Wellblechpiste Luft verliert. Also zücke ich mal wieder meine Pumpe und wir pressen soviel Luft in den Reifen wie die alte Pumpe hergibt. Nicht allzu viel wie sich herausstellt. Und so wiederholen wir diese Prozedur noch ein paar mal an diesem Tag. Wildes Camp beim LeuchtturmImmerhin finden wir auf der Südseite des zweitgrößten Sees Südamerikas einen schönen wilden Campingplatz in einer geschützten Bucht. Ein Hund aus dem nahegelegenen Hotel leistet uns Gesellschaft und bekommt zum Dank ein paar Streicheleinheiten und die Reste von unseren Spaghetti. Weitere Begegnungen mit Tieren haben wir nächsten Tag. Auf der Traumstraße nach Chile Cico hoppeln zuerst einige Hasen über den Schotter und haben damit mehr Glück als die platt gedrückten Artgenossen die wir ebenfalls sehen. Ein Stück weiter kommt ein Gürteltier aus dem Gras getippelt. Ich fahre ihm beinahe über die Schnauze und sehe im Rückspiegel wie Roland nur knapp den Schwanz verfehlt. Da hätte auch sein Panzer nicht geholfen. An die Guanacos neben der Straße haben wir uns schon gewöhnt. Aber jetzt tauchen auch immer wieder Nandus (magellanschetraußenvögel) auf und ab und zu ein Zorro Gris (patagonischer Fuchs). Das patagonische Stinktier zeigt sich nicht. Auch wenn man abends manchmal meinen könnte, eines hätte sich in den Motorradstiefeln versteckt.
Wir überqueren erneut die Grenze zu Argentinien und fahren auf der legendären Ruta 40 Richtung Süden. Viele Abschnitte der Ruta 40 sind mittlerweile asphaltiert. Das macht sie zwar nicht interessanter, aber sicherer. Denn irgendwann erwischt einen der Wind. Zuerst ist es noch ganz lustig auf gerader Strecke in Schräglage zu fahren und wir machen Fotos. SeitenwindDie Reifen haben seitlich ohnehin mehr Restprofil. Später wird der Wind aber so stark, dass wir die Geschwindigkeit auf ca. 50-60 km/h reduzieren müssen. Anhalten wäre vermutlich nicht möglich. Der Wind würde uns umdrücken. Immer wieder versetzt das Motorrad wenn es von einer Böe erwischt wird. Auf Schotter wäre ein Fahrt bei diesem Wind unmöglich. Die Haftung der Reifen würde nicht ausreichen. Den Helm kann ich schon lange nicht mehr in Fahrtrichtung halten. Zu stark ist der Winddruck von der Seite. Als die Straße in Windrichtung führt wird es gespenstisch. Normalerweise ist immer Fahrtwind zu hören. Jetzt ist es still. Nur das Abrollgeräusch der Reifen und der Motor sind zu hören. Roland formuliert es treffend: „Bei 120 kann man auf dem Motorrad ein Streichholz anzünden ohne das es ausgeht!“ Mit Rückenwind lässt es sich gut fahren. Seitenwind ist furchtbar und Gegenwind ist auch nicht viel besser. Auf dem Weg nach El Chaiten haben wird Gegenwind. Normalerweise komme ich bei gemäßigter Fahrweise ca. 380 km. Heute stelle ich das Motorrad nach 250 km am Straßenrand ab. Der Tank ist leer! Immerhin habe ich einen schönen Blick auf das Fitz Roy Massiv. Kein Sprit im Tank aber Blick auf den Fitz RoyRoland hat sich rechtzeitig in den Windschatten von einem Reisebus gerettet und kommt so zur nächsten Tankstelle. Sein Bordcomputer zeigt als verbliebene Reichweite einen Kilometer an. Mit dem Sprit den mir Roland im Ersatzkanister vorbeibringt, schaffe es auch ich bis zum Fuße der berühmten Berge Cerro Torre und Fitz Roy. Auf dem Campingplatz versuchen wir uns an argentinischen Steaks. Optik und Geschmack stimmen. Leider ist es etwas faserig.
Unseren nächsten Stopp legen wir in Calafate ein. Dieser von Touristen überschwemmter Ort ist eine gute Ausgangsbasis für die Besichtigung des Gletschers Perito Moreno. Mit einem Tipp unserer Wirtin ausgestattet finden wir ein gutes und verhältnismäßig günstiges Parilla-Restaurant. Die Einrichtung hat was von Bahnhofimbiss, aber das Fleisch ist sehr lecker. Den grimmig drein blickenden Grillmeister sehe ich häufig an diesem Abend. Man bezahlt nur einmal und kann sich dann so oft man will bedienen. Nach der Völlerei gönnen wir uns einen halben Tag Pause. Gegen 17:00 Uhr fahren wir Richtung Perito Moreno. Tagsüber wird der Gletscher von vielen Tagestouristen besucht, die Abends wieder im Hotel essen wollen. Und so kommen uns tatsächlich ständig Autos und Busse entgegen. Wir jubeln unter dem Helm und  beglückwünschen uns zu der richtigen Entscheidung erst spät in den Nationalpark zu fahren. Tatsächlich ist der Parkplatz fast leer. Auf dem weitläufigen Gelände verteilen sich die wenigen verbliebenen Besucher zudem. So sitzen wir lange alleine auf einer Beobachtungsplattform nur mit ein paar Vögeln die auf Krümel von unserem mitgebrachten Vesper hoffen. Der Perito Moreno ist einer der wenigen Gletscher auf der Welt, die jährlich an Größe gewinnen. Und so knackt und rumpelt es auch die ganze Zeit. Sobald es rauscht wie bei einem Gewitter, springen wir auf um das Kalben des Gletschers mitzuerleben. Ein richtig großes Stück will heute aus den 60 Meter hohen Eiswänden jedoch nicht abbrechen. Perito Moreno IIIAls um 21:00 Uhr das Abendlicht langsam zu Neige geht, verlassen auch wir den Park. Mit den abgepackten Motorräder jagen wir auf der kurvigen Landstraße noch ein Auto mit Argentinier vor uns her. Der Fahrer gibt alles während seine Mitfahrer Fotos von uns schießen. Als wir überholen wird gejohlt und der Daumen nach oben gestreckt. Absolut motorradverrückt diese Argentinier.
Auf dem ersten Campingplatz im Nationalpark Torres del Paine fallen die Mücken über uns her. Die Lage begeistert uns auch nicht recht und so ziehen wir weiter zum nächsten Platz. Hier ist es deutlich schöner und mit einem Feuer in der Grillstelle lassen wir den Abend ausklingen. Allerdings wird meine Isomatte von einem Dornenzweig unter dem Zelt durchstochen. Das merke ich zum Glück erst am nächsten Morgen, vermutlich weil der Vino Gato aus dem 1,5 Liter Tetrapak doch besser geschmeckt hat als erwartet. Also genieße ich nach dem Frühstück die Aussicht auf den Cuernos del Paine Cuernos (Hörner) del Painemit kalten Füßen, als ich mit der aufgepumpten Isomatte im See nach Luftblasen suche um die Löcher in der Matte zu finden. Richtig begeistern will uns der Torres del Paine Nationalpark trotzdem nicht. Sicher, alles sehr schön hier, aber eben auch touristisch stark frequentiert. Vielleicht erschließt sich die wahre Schönheit erst wenn man auf die verschiedenen 4-7 Tage Wanderungen geht. Aber wir haben Motorradstiefel statt Wanderschuhe an und fahren deshalb auf einer guten Schotterstraße mit tollen Ausblicken Richtung Süden aus dem Nationalpark heraus. Puerto Natales ist eine kleine Stadt am Meer mit vielen bunten Häusern. Gemütliche Cafés und jede Menge Hostals verbergen sich hinter den farbenfrohen Fassaden. Oft sind es mit Wellblech verkleidete Holzhäuser mit zugigen Fenstern. Gas und Holz scheint genug vorhanden zu sein, denn gedämmt ist keines der Häuser. Und so raucht jeder Schornstein im Ort gegen den kalten Wind an. Wir spazieren durch die Straßen ohne Ziel. Richtige Sehenswürdigkeiten gibt es keine, aber die gelassene Stimmung überträgt sich auf uns und wir lassen uns vom Wind von einer Lokalität in die nächste schieben. Bevor Roland sein Mietmotorrad in Punta Arenas zurückgeben muss, wollen wir noch einen Stopp auf einer Estancia machen. Einige dieser Farmen bieten Zimmer zur Übernachtung an und man kann den Betrieb aus nächster Nähe besichtigen. Als wir vor dem Tor der ausgewählten Estancia stehen, ist der Tag noch jung, der Wind stark und die Landschaft eintönig. Wir beschließen weiterzufahren. Ein Stückchen südlicher soll eine Kolonie Magellanpinguine am Strand zu beobachten sein. Mein sonst zuverlässiger Reiseführer schreibt, dass man zwischen den Pinguinen am Strand laufen kann und am Besten sich einfach hinsetzt und wartet bis die neugierigen Tiere auf einen zukommen. MagellanpinguinMittlerweile gibt aber ein eingezäunter Holzsteg die Laufwege vor. Vielleicht besser für den Naturschutz, für uns ist es eine Enttäuschung. Und so fahren wir heute auch noch die letzten paar Kilometer bis Punta Arenas und erreichen unser Ziel einen Tag vor  der geplanten Zeit. Hier treffen wir Mathias, der bereits auf dem Rückweg von Usuhaia ist. Im gleichen Hostal sind zufälligerweise auch Blossom und Sean abgestiegen. Zwei motorradreisende Australier mit denen ich in Bolivien ein paar Tage unterwegs war. Blossom ist schwanger und der besorgte werdende Vater verzichtet auf eine Weiterreise an das Ende der Welt und verkauft hier sein Motorrad. Mit Roland schaue ich mir den spektakulären Friedhof an auf dem auch der deutsche Vizeadmiral Graf Spee liegt. Punta Arenas war schon früher ein bedeutender Hafen. Wir besichtigen einen detailgetreuen Nachbau von Magellans Weltumrundungsschiff Magellans Schiff Isowie ein Replikat des Bootes James Caird. Ernest Sheckleton hat mit diesem Beiboot der Endurance vor Feuerland eine Rettungsaktion durchgeführt die noch heute als eine der größten seemännischen Leistungen des 20. Jahrhunderts gilt. Der Wind, die raue See und die eindrucksvolle Präsentation machen die Leistung dieser Abenteurer noch deutlicher.

Sean hat am Abend sein Motorrad bereits verkauft und bei einem guten Essen haben die kleinen Motorrad-Abenteurer alle zusammen einen gemütlichen Abend. Der nächste Tag ist ausnahmsweise verregnet und so unternehmen wir nicht allzu viel. Noch einmal ein gutes patagonisches Steak essen und dann heißt es Abschied nehmen. Mathias ist gestern schon nach Norden weitergefahren und  Roland fliegt heute wieder heim. Wieder mal eine schöne Tour. Für Blossom und Sean geht es über Buenos Aires nach knapp zwei Jahre zurück nach Australien. Ich fahre weiter. Nach Feuerland!

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Dakar

Von 1986 bis 1989 hat Honda mit einem Motorrad das meinem zumindest optisch sehr ähnlich sieht, vier mal die berühmte Rallye Dakar gewonnen. Ein paar Rallye-Gene stecken also sicher auch in meiner Africa Twin. So verwundert es kaum, dass es uns zu der mittlerweile von Afrika nach Südamerika umgezogen Veranstaltung zieht. Auf dem Weg zum ersten Besichtigungspunkt kommen uns bereits einige Renn-LKWs entgegen. Hier auf der Straße müssen sich die Rallyefahrer auch an die Verkehrsregeln halten. Wir fahren trotzdem lieber ganz am rechten Fahrbahnrand mit genügend Abstand zu den Monster-Trucks. Kurze Zeit später sehen wir dann die Trucks von der Piste auf die Straße abbiegen. Bis der Staub den die LKWs aufwirbeln verzieht, dauert es eine Weile. Beim nächsten Punkt treffen wir auf ein paar verrückte Chilenen, die sich einen Weg durch die Dornenhecke direkt an den Pistenrand gebahnt haben. Wir werden heran gewunken und nehmen nicht nur wegen dem Angebot an Spirituosen, sondern vor allem wegen der guten Sicht die Einladung an.92 In unmittelbarer Nähe rasen die Motorräder an uns vorbei. Die Jungs können ohne Zweifel fahren. Zusammen mit den Chilenen feiern wir jeden Fahrer, die teilweise sogar noch die Zeit haben zurück zuwinken. Bei der dritten Station zu der wir heute fahren, sehen wir dann die Autos. Auch die liefern ein großes Spektakel. Und dass obwohl heute die längste Etappe der Rallye ist. Für uns ist es auch kein kurzer Tag, da wir schon heute ein Stück der nächsten Etappe entgegen fahren. Überall wollen die Leute mit uns Fotos machen, weil sie denken wir sind Teilnehmer der Rallye. Wir tun Ihnen den Gefallen, klären aber auf sobald jemand ein Autogramm von uns will.
Mein Motorrad läuft den Tag über gut. Es muss zwar immer angeschoben werden, aber an jedem Halt finden sich genug Begeisterte die gerne einem gestrandetem „Dakar-Fahrer“ helfen. Ansonsten schiebt mich Mathias mit der bewährten Technik an. Bis in den Abend klappt das ganz gut. In dem Ort in dem wir heute gestartet und nach ca. 430km wieder zurückgekommen sind, streikt die Honda dann doch. Wir sind ohnehin auch platt und nutzen eine nahe Tankstelle zur Rast. Als das Motorrad und wir etwas abgekühlt sind, geht es gegen 23:00 Uhr zu einem Rastplatz an einem Fluss, den wir schon vom Vortag kennen. Nachdem der Platz auch von der Dorfjugend zum Feiern genutzt wird, kommen wir erst gegen 0:30 zum schlafen.
Die Nacht war kurz, denn die Dakar startet früh und wir haben noch ein Stück zum ersten Beobachtungspunkt. In einem Flussbett mit tiefen Querrinnen schauen wir den Motorradfahrern und den Quads zu wie sie sich durch den tiefen Sand quälen. Flußbett IVEs ist unglaublich heiß und an der Strecke ist kein Schatten. Schweißtreibend für die Fahrer und die Zuschauer. Die Polizisten an der Absperrung wechseln sich alle 20 Minuten ab und die Gruppe die Pause hat erholt sich im Schatten. Mit dem Wasser aus der Flasche die ich hinten auf dem Gepäck aufgespannt habe kann man locker einen Tee machen. Erfrischung schmeckt anders. Alles Jammern hilft nicht. Jacke an und Helm auf. Die Dakar zieht weiter und wir mit ihr. Auf der Verbindungsetappe nach La Rioja kommen einige Teilnehmer an uns vorbei und es scheint ein gegenseitiger Respekt für die jeweilige Unternehmung in der heißen Luft zu liegen. Wir hupen und winken uns gegenseitig zu. Als wir zu einem Service-Truck aufschließen und eine Zeit in dessen Windschatten fahren platzt plötzlich ein Reifen am LKW. Die zerfetzten Reifenteile fliegen uns um und zum Glück nicht an die Ohren. Auf Windschatten werden wir die nächste Zeit verzichten. In La Rioja steht scheinbar die ganze Stadt am Straßenrand um den Fahrern zuzujubeln. Wir fahren im Tross der Rallye durch die Zuschauer und ich winke bis die Honda plötzlich ausgeht. Super peinlich! Anschieben hilft auch nichts mehr und so binden wir kurzerhand einen Spanngurt zwischen die Motorräder und schleppen die müde Afica Twin ab. Ein Honda Werksfahrer überholt uns und seine Geste zu mir scheint auszudrücken „Shit happens“. Wir drücken uns noch eine Weile vor der Einfahrt zum Camp herum und quatschen ein paar Leute an ob sie uns nicht mit ins Fahrerlager nehmen können. Keine Chance. Dann halt doch auf den nahegelegenen Campingplatz.  Noch ewig sitzen wir in dieser Nacht auf einer Bank vor unseren Zelten und schwitzen langsam vor uns hin.
Die Entscheidung die Dakar für die nächsten zwei Tage ziehen zu lassen fällt nicht schwer. Mein Motorrad springt selbst nach mehrmaligem Anschieben nicht an, und  auch wir sind erschöpft. Sehr früh aufstehen, zu Besichtigungspunkten fahren, viele Stunden in der Sonne stehen und nach mehreren hundert Kilometern irgendwann in der Nacht irgendwo teilweise wild zu campen kosten Substanz. Also mal wieder länger schlafen und ausgiebig duschen. Auch wenn die Dusche nur aus einem Wasserrohr besteht ist sie doch reinstes Wellness. Im erfrischenden Wasserstrahl komme ich zu der Überzeugung, dass nicht die Ausstattung, die Fliesen oder die thermostatgesteuerte Armatur über die Qualität einer Dusche entscheiden, sondern die Tatsache wie nötig man sie hat.
Ich frage dann noch einen Mechaniker aus dem Dakar-Team 139 das neben uns gezeltet hat, ob er sich mein Motorrad ansehen kann. Er bestätigt unsere Vermutung mit dem defekten Regler. Mit Mathias Batterie erwecken wir die Honda wieder zum Leben und fahren gemütlich Richtung Chile. Die Straße führt uns in einem großen S um zwei Bergketten herum und durch einige matschig braune Flüsse. In einer Flussquerung K1024_Wasserdurchfahrt 1hat Mathias die glorreiche Idee neben mir her zu fahren und spritzt mich von oben bis unten mit der braunen Brühe voll. Danke Mathias ;-) Zumindest wird dabei auch der Regler abgekühlt und wir fahren ohne unfreiwillige Stopps bis zu einem kostenlosen Camping Municipal kurz vor dem Paso Agua Negra.

Die Motorradklamotten habe ich gestern noch gewaschen. Dabei würden sie heute prima zu meinem Zelt passen. In der Nacht hat es seit langem mal wieder geregnet Das Zelt stand auf Erdboden und sieht jetzt entsprechend aus. Seit wir wieder in den Bergen unterwegs sind, hat es abgekühlt und meine Batterie wird während der Fahrt wieder geladen. Das lästige Anschieben fällt also weg. Trotzdem kommen wir heute erst mal nicht weit. Die Grenze zu Chile und die Zufahrt zu dem 4779 Meter hohem Paso Agua Negra ist gesperrt. Der Regen in der Nacht hat an drei Stellen die Straße überschwemmt und mit Steinen blockiert. Schweres Gerät ist im Einsatz versichert uns der Grenzer. Trotzdem sitzen wir eine halbe Ewigkeit herum und warten. Der Papierkram an der Grenze kostet dann auch noch mal Nerven. Die Schotterstraße über den Pass ist gut zu fahren und bald frieren wir bei knapp über 10 Grad. Trotzdem angenehmer und besser auszuhalten als die Hitze der letzten Tage. Auf chilenischer Seite geht es dann genau so schnell wieder bergab. Und mit den Temperaturen bergauf. Bei fast idealen 25 Grad fahren wir durch absolut karge graue Berge. Im Tal liefert der Fluss Elqui in dieser trockenen Gegend das Wasser für das größte Weinanbaugebiet von Chile. Elqui TalAuch der berühmte Pisco wird hier angebaut. Wir klauen uns ein paar Trauben Lecker!und es sind die besten die ich seit langer Zeit gegessen habe. Wir fahren noch durch bis La Serena und quartieren uns nach etwas suchen in einem kleinen Hostel ein. Hier wollen wir morgen wieder die Spur der Dakar aufnehmen.
20 km nördlich von Serena ist das Ziel und das Camp für die vorletzte Etappe der Rallye Dakar aufgebaut. Erwartungsgemäß sind wir nicht die einzigen Zuschauer. Der Himmel ist grau und der Blick auf die Teilnehmer durch Zäune verstellt. Wir entscheiden uns deshalb zu einer Stelle zu fahren an der wir die letzte Etappe beobachten können. Wieder zurück in La Serena blockiert plötzlich meine Vorderradbremse. Mein grenzenloses Vertrauen in die Honda Africa Twin beginnt langsam zu schwinden. Als die Bremse abkühlt dreht das Rad wieder frei. Auf der Autobahn bemerke ich dann aber wieder komische Vibrationen. Ich halte an und die Bremse ist glühend heiß. Ok, Werkzeug raus. Bremssattel abbauen, Mathias opfert seine zweite Zahnbürste und ich putze und schrubbe dass es jeden Zahnarzt freuen würde. Allerdings nicht die Zähne, sondern die Kolben vom Bremssattel. Brmssattel reinigen :-(Aber es bringt nichts. Die Bremse macht zu und nicht mehr auf. Dann fahre ich halt ohne Vorderradbremse. Heute noch knapp 50 km Autobahn, dann doch 70 weil das Navi die Ausfahrt nicht kennt und noch mal 30 km durch die Dunkelheit auf einer Sandpiste. Ich bin bedient als wir das Ziel erreichen. Es sind schon einige weitere Rallyefans an der Strecke angekommen und überall lodern kleine Feuer. Weil wir keine Lust mehr zu kochen haben, gibt es nur Brot, Käse und Salami. Ein Chilene hat Mitleid und lässt uns durch seinen Sohn zwei  Tassen Suppe bringen. Das tut gut. Ich bringe die leeren Tassen zurück und bedanke mich mit ein paar der geklauten Trauben. Als Gegen-Gegen-Geschenk bekomme ich dann einen Platz am Grill angeboten und jede Menge leckeres Grillfleisch. So gestärkt plappere ich mich mit der netten Familie durch die halbe Nacht.
Um 7:50 Uhr werden die ersten Fahrer erwartet. Aber es hat Nebel und die Hubschrauber der Rennorganisation können nicht starten. So verzögert sich der Start und damit auch die Ankunft der Fahrer an der Stelle an der wir auf sie warten. Gegen neun Uhr kommt das erste Motorrad angeflogen. Stehender Drift Im Drift geht es um die Ecke und weiter über den Hügel. Für manche scheint es auch am letzten der 14 Renntage um Alles zu gehen. Wir scheuen und fast das ganze Fahrerfeld an bevor wir über unmarkierte Feldwege zurück auf die Asphaltstraße finden. Denn der Weg den wir gekommen sind, ist nun Teil der Rallyestrecke und deshalb gesperrt. Die letzten Tage haben unser Sitzfleisch gestärkt und wir spulen die Kilometer bis kurz Valparaiso locker ab. Sozusagen ungebremst, denn meine Vorderradbremse geht immer noch nicht, fahren wir am nächsten Tag bei der Motorradherberge Villa Kunterbunt vorbei um eine Hose abzuholen die Mathias das letzte Mal hier vergessen hatte, und weiter nach Santiago. Nach 500 km ohne Vorderradbremse geht mein erster Weg zu einem Honda-Händler. Auch er probiert es erst einmal mit reinigen. Ohne Erfolg. Erst die komplette Demontage und Zerlegung der Bremse in ihre Einzelteile führt zum Ziel. Schönes Gefühl wieder vorne bremsen zu können. So kann ich auch punktgenau vor dem Gartentor von Mick anhalten. Mick ist vor ein paar Jahren mit dem Motorrad durch die Welt gefahren und hier in Santiago hängen geblieben. Jetzt vermietet er mit seiner Firma „Ride-Chile“ Motorräder. Für Mathias und mich hat er neue Reifen besorgt. Ich montiere zusätzlich gleich noch neue hintere Bremsbeläge. Die haben die letzten Kilometer ja viel zu tun gehabt. Link alt / rechts neu !!Normalerweise dauert so eine Montage vielleicht 2 Stunden. Aber mit Mick verquatscht man sich so leicht und die Stimmung ist dermaßen entspannt, dass wir erst nach 6 Stunden auf neuen Reifen aus dem Garten rollen.
Am nächsten Tag verabschiedet sich Mathias Richtung Süden. Vielen Dank noch einmal fürs Schieben und Abschleppen. Ich bleibe noch ein paar Tage in Santiago, leg mich auf die faule Haut und warte auf Roland. Er kommt für zwei Wochen herüber geflogen damit wir gemeinsam nach Patagonien fahren. Feuerland, wir kommen!

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Ostwärts

Vom chilenischen Strand bis zum höchsten Berg außerhalb des Himalaya ist es eine Tagesreise. Der 6962 Meter hohe Aconcagua liegt knapp hinter der Grenze zu Argentinien. Durch die Zollformalitäten komme ich zu spät und der Park ist bereits geschlossen. Neben einer Skipiste (ohne Schnee) finde ich im Campo Los Puquios für kleines Geld ein Platz um mein Zelt aufzubauen. Eigentlich ist das gar kein Campingplatz, denn von hier aus wird mit Maultieren das Gepäck der Bergsteiger transportiert die den Acuncagua besteigen möchten. Morgens um 5 Uhr zieht dann auch eine Karawane aus beladenen Maultieren und Treibern unmittelbar an meinem Zelt vorbei. Da ich nun schon mal wach bin, nutze ich die Gelegenheit um als erster am Parkeingang zu sein. Auf knapp 3000 Meter nehme ich den Rundwanderweg der die Entstehung und Geschichte des Berges erzählt.
Aconcagua
Morgens ist die 2700 Meter hohe Südwand gut zu sehen, abends verdecken oft Wolken die Sicht auf den Berg. Mit den schweren Motorradklamotten und nach den faulen Tagen am Strand fange ich schnell das Schnaufen an und verzichte heute auf eine Besteigung. Die weitere Fahrt führt durch farbige Berge hinunter mitten in die Weinreben von Mendoza. Mittlerweile ist es brütend heiß geworden. Von der angenehmen Frische der Berge ist zu nichts mehr spüren. Ich quartiere mich im Hostel Alamo ein und warte auf Sandra, eine Freundin aus Stuttgart, die seit 7 Monaten in Südamerika umherreist. Endlich lässt die Hitze etwas nach und abends gehen wir noch etwas Essen und erzählen uns von unseren Erlebnissen. Wir nutzen die Happy-Hour einer Bar um mit ein paar Cocktails unser Wiedersehen zu feiern.
Trotz der Cocktails gestern sitzen wir heute um 11.00 Uhr Mittag schon wieder in einem Weingut und probieren uns durchs Sortiment. Wir machen eine Bike and Wine Tour. Mit dem Fahrrad radeln wir von einer Bodega zur nächsten. Die erste hat lediglich vom Ambiente und nicht mit dem Wein überzeugt, so dass wir quasi gezwungen sind weitere auszuprobieren. Nach zwei weiteren Weinproben und einer Lasagne mit Pfannkuchen statt Nudeln, reicht es für heute.
Gegenüber dem Hostel ist ein großer Carrefour Supermarkt. Ähnlich wie in Frankreich ist auch hier das Sortiment an Lebensmitteln riesig. Ich stehe etwas überfordert vor den Regalen. Kann ich nicht einfach nur Hühnchen mit Reis und Pommes haben wie die letzten vier Monate? Zur Not gäbe es das hier auch. Ich entscheide mich trotzdem für eine gute Salami, Frischkäse und ein noch warmes Baguette. Nach der Kasse kommen mir kurz Zweifel. In den einfachen Restaurants von Bolivien hätte ich dafür vermutlich 4 Hühnchen mit Reis und Pommes bekommen. Aber hier in Argentinien ist eben alles teurer. Zum Glück kommt heute  Mathias mit den Taschen voller US-Dollar in Mendoza an. Er hat seine Freundin zum Flughafen in Santiago gebracht und die nächsten Tage wollen wir gemeinsam der Rallye Dakar entgegen fahren. Die US-Dollar tauschen wir auf dem Schwarzmarkt mit 30 % Gewinn gegenüber dem Bankkurs. Möglich ist das, weil in Argentinien eine hohe Inflation herrscht und die Bevölkerung das Ersparte mit dem Ankauf von Dollar sichern will. Zudem sind Argentinier bei Reisen auf Dollar angewiesen, da ihre Währung im Ausland nur zu einem sehr schlechten Kurs gewechselt wird. Für mich allerdings macht es Salami und Frischkäse wieder bezahlbar. Und einen Nachtisch lang es auch noch.
Am Sonntag verabschiedet sich Sandra Richtung Chile. „Urlaub“ machen. Denn ihre Reise neigt sich dem Ende entgegen. Wir haben noch etwas Zeit und verbringen den Tag im klimatisierten Aufenthaltsraum des Hostel Alamo mit Blog schreiben, lesen und dem durchprobieren der Biermarken aus dem Carrefour Supermarkt. Am nächsten Tag geht es auch für uns weiter. Nach einem schnellen Ölwechsel an der Honda geht die Fahrt in den Nationalpark Sierra de las Quijades. Während der Fahrt zeigt das Thermometer im Cockpit 40 Grad an. Irgendwann auf der schattenlosen geraden Straße durch die Pampa hat mein Motorrad Zündaussetzer. Kurze Zeit später ist es aus. Wie in der Atacama-Wüste ist auch wieder die Batterie leer. Wir bauen die Batterie von Mathias Yamaha ein und sofort springt die Honda wieder an. Es scheint als ob der Gleichrichter / Laderegler überhitzt und dann den Strom der Lichtmaschine nicht mehr an die Batterie und an die Zündeinheiten durchlässt. Wir lassen den Regler abkühlen, nicht so leicht bei 40 Grad, schieben die Honda an und fahren zu dem Nationalpark Sierra de las Quijadas. Auf dem Campingplatz im Nationalpark sind wir die einzigen Gäste. Auch sonst scheint wenig Betrieb zu sein. In der Hütte des Rangers finden wir zwischen alten Anmeldeformularen ein paar Seiten mit halbnackten Mädchen. Jeder vertreibt sich die Zeit halt auf seine Weise. Rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang gehen wir noch zu den Aussichtspunkten und machen die üblichen Fotos.
Nationalpark de las Quijadas II

Trotzdem ist es immer wieder schön wie sich die Steine im Abendlicht verfärben. Als wir zurückkommen ist es zum Zeltaufbau immer noch zu heiß und so legen wir unsere Isomatten einfach auf die bereitstehenden Holztische und schlafen dort.
Die Probleme am Motorrad sind natürlich am Morgen auch noch da. Bei jedem Stopp muss mich Mathias anschieben. Er stellt sein Bein gegen meinen Koffer und schiebt mich bis ich genug Geschwindigkeit habe. Dann lass ich die Kupplung kommen und die Honda läuft. Mit dieser Methode wollen wir die nächsten Tage der Rallye Dakar auf der Spur sein. Mal sehen ob das klappt.

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Feiertage

Salta wird für die nächsten vier Tage mein zu Hause. Das Motorrad kann ich an der Rezeption vorbei in den Innenhof fahren und mich selber in einem bequemen Bett in einem 6er Zimmer parken. Die Tage vergehen mit lesen, durch die Stadt spazieren und mit anderen Reisenden quatschen. Nachdem ich am 25.12 weiter will und mir keiner sagen kann ob die Tankstellen geöffnet haben, will ich am Weihnachtsmorgen noch schnell tanken. Aber das Motorrad springt nicht an. Die Batterie ist nun endgültig hinüber. Also renne ich zwei Stunden durch die Stadt bis ich eine neue passende Batterie finde. Zehn Minuten vor Ladenschluss akzeptiert die elektronische Kassen meine beiden Bankkarten nicht und Bargeld habe ich nicht mehr genug. Kurzerhand fährt mich ein Angestellter zu einem 5 Blocks entferntem Bankautomat und ich kann meinem Motorrad zu Weihnachten doch noch eine neue Batterie schenken. Für den Abend organisiert das Personal des Hostels ein Essen. Geschätze 10 Nationen sitzen am langen Tisch und feiern zusammen Weihnachten, obwohl es das teilweise in ihren Heimatländern gar nicht gibt. Aber darauf kommt es nicht an. Die Stimmung ist bestens und das Drei Gänge Menü sehr lecker. Um zwei Uhr klinke ich mich aus, denn ich will morgen über den Sico Pass nach Argentinien. Bis ich wegkomme wird es dann doch 12 Uhr. Aber ich komme gut voran. Weil die lange Strecke über den Sico Pass in die Atacama Wüste ohne Tankstelle ist, habe ich einen günstigen 10 Liter Plastikkanister gekauft und vollgetankt. Offensichtlich zu günstig. Nach kurzer Zeit tropft der Verschluss. Von den Südamerikanern habe ich mir einen Trick abgeschaut der hilft. Einfach ein Stück Plastiktüte in den Verschluss mit eindrehen und der Kanister ist dicht. Einigermaßen zumindest. Die Landschaft verändert sich mit jedem Höhenmeter. Je weiter ich mich auf der guten Straße hinaufschraube desto trockener wird die Landschaft. Als die Schotterstraße beginnt bin ich endgültig auf dem Mond angekommen. Mondlandschaft am Sico Pass IAuch die Bevölkerungsdichte hier oben scheint dem Mond zu gleichen. Niemand zu sehen weit und breit. Zur Sicherheit stehen neben der Strecke alle 20 km ein Notruf-Sendemast. Irgendwann fülle ich den Sprit aus dem Plastikkanister in den Tank um. Aber der üblicherweise durchsichtig blaue Sprit ist mittlerweile schwarz. Jede Menge Staub oder Dreck schwimmen im Kanister. Wo kommt das jetzt her? Klar, die Piste ist staubig, aber in einem Benzinkanister herrscht eher Überdruck. Vielleicht weil ich von 1200 Meter auf fast 4000 hoch gefahren bin, ist doch ein Unterdruck entstanden und hat den Staub eingezogen? Egal, ich brauche den Sprit. Als Sieb dient meine Mütze. Offensichtlich hat es funktioniert, den heute schaffe ich es bis zur Grenze und baue mein Zelt neben dem argentinischen Zollhaus auf. Zumindest versuche ich es. Der starke Wind und der harte Boden in dem ich keinen einzigen Hering verankern kann machen es mir nicht leicht. Ich könnte bis zur Dämmerung warten, denn dann lässt üblicherweise der Wind nach. Aber dann weiß ich nicht ob die Konstruktion hält wenn in der Nacht wieder Wind aufkommt. Also verschanze ich mich hinter einer kleinen Mauer, binde das Zelt mit allen Spanngurten und Schnüren die ich habe am Motorrad fest und lege Steine auf die Stellen wo üblicherweise Zeltheringe in den Boden gehören. Statt Weihnachtsgans gibt es dieses Jahr eine Tütensuppe zum 25.12. Nachts kommt natürlich kein Wind auf.
In Chile ändert sich die Landschaft zunächst nur wenig. In der Mondlandschaft tauchen ein paar Seen auf in denen scheue Flamingos vor meiner Kamera weglaufen. 150 Kilometer weiter führt mich die Schotterpiste 2000 Meter tiefer in die Atacama Wüste. Auf Asphalt geht es dann weiter nach San Pedro de Atacama. Der Ort ist zwar sehr touristisch nach der Einsamkeit in den Anden, aber die Häuser, Cafés und Restaurants sind alle sehr schön hergerichtet. Trotzdem bleibe ich nur eine Nacht. Ich will zu Silvester in Santiago sein. Den heutigen Sonnenuntergang schaue ich mir im Valle de la Luna an.Valle de Luna IV Ich bin spät dran und brauche etwas Überredungskunst um noch in den Park zu dürfen. Ich rase bis zum Aussichtspunkt und renne den Berg hoch. Es lohnt sich. Die Farben sind einmalig und es ist beinahe Vollmond im Valle de Luna. Irgendwann als es schon lang dunkel ist, schmeißt mich der Ranger aus dem Park.
Über Calama will ich heute nach Antofagasta an die Küste fahren. Zunächst geht es durch schön erodierte Berge, bevor die trockenste Wüste der Erde sogar für mich als Wüstenfan schnell langweilig wird. Eben und geradeaus führt das Asphaltband durch unspektakuläre Landschaft. Irgendwann fällt mein Tacho wieder aus. Die peruanische Reparatur war wohl doch nicht so gut. Hinter Calama fängt auch mein Drehzahlmesser an zu spinnen. Die Nadel springt zwischen 2000 und 4000 Umdrehungen hin und her. Dann fällt er ganz aus und auch der Motor stirbt ab. Super, hier in der Einöde, wo etwa 1/50 der Regenmenge des Death Valley in den USA fällt. Ich schaue auf die 1,5 Liter Flasche die hinten auf meinem Gepäck aufgespannt ist. Zumindest die ist noch da. Der Druck auf den Anlasser bringt auch nur ein müdes Gurren zustande. Mann, ich hab doch erst eine neue Batterie eingebaut. Alles ärgern hilft nichts und so packe ich das Gepäck ab und das Werkzeug aus. Die Kontakte der Batterie haben sich auf der Wellblechpiste über den Sico-Pass locker gerüttelt. Die Batterie ist leer. Ich tausche die zwei CDI-Einheiten die für den Drehzahlmesser und für den Zündfunken zuständig sind untereinander aus. Alles staubig und dreckig. Ich hoffe auf ein Kontaktproblem, denn die CDI-Einheiten sind erst ein Jahr alt und nicht zu reparieren. Bei einem Defekt hilft nur der Austausch. Mein halber Hausstand liegt im Straßengraben als ich versuche das Motorrad durch Anschieben zu starten. Nebenherrennen, aufspringen und dann die Kupplung kommen lassen. Wenn der Defekt wenigstens auf einem Berg passiert wäre, aber hier ist alles platt wie eine Herdplatte. Und fast so heiß. Erst im dritten Versuch startet die Honda. Bei laufendem Motor packe ich wieder alles auf und fahre die ca. 50 km nach Calama zurück. Dort könnte ich übernachten und vielleicht gibt es auch einen Händler über den ich mir Teile schicken lassen kann. Das Motorrad läuft als wäre nichts gewesen. Also tanke ich noch einmal voll und nehme die 220 Wüstenkilometer nach Antofagata ein zweites Mal in Angriff. Dort angekommen geht die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit los. Der Campingplatz ist zu und so fahre ich bereits im Dunkeln mehrere Hotels ab. Alle zu teuer oder kein Parkplatz. Der Eigentümer eines Apartmenthotels erkennt meine Genervtheit und reduziert seinen Preis von 34.000 auf 16.000 Peso. Na immerhin.
Die Preise in Chile bewegen sich fast auf deutschem Niveau. Nach den günstigen Ländern im Norden von Südamerika habe ich mich immer noch nicht an das andere Preisgefüge gewöhnt. Mein imaginäres Tagesbudget geht aktuell schon fast allein für Sprit drauf. Wie gesagt, will ich schnell nach Süden um Silvester zusammen mit Mathias und seiner Freundin Isa in der Nähe von Santiago zu feiern. Ich fahre immer noch durch die eintönige Atacama Wüste, das Motorrad läuft gut und so mache ich zwischen 400 und 650 km am Tag. Die größte Herausforderung ist am Abend ein günstiges Hotel zu finden. So lande ich in Copiapo in einem Love-Motel. Lila Einrichtung und überall Spiegel an der Wand. Immerhin hängt keiner direkt über dem Bett. Beinahe brauche ich das erste Mal Ohrstöpsel für die Nacht, aber die Fahrt hat mich müde gemacht und so kann ich trotz den Geräuschen aus den anderen Bungalows gut schlafen.
In El Quisco treffe ich auf Isa und Mathias. Die erholsamen Tage am Meer bescheren mir einen Sonnenbrand und ein lustiges Silvester. Mit Kind und Kegel ziehen alle gegen 23.00 Uhr zum Strand der zum bersten voll ist und warten bei Musik und Chi-Chi-Chile Rufen auf das große Feuerwerk. Eigenes Feuerwerk hat keiner dabei und das ist auch nicht nötig. Das offizielle Feuerwerk ist wirklich sehenswert. Alle sind gut drauf und helfen uns mit Wodka-Orange aus als unser Sekt zur Neige geht.Feuerwerk IV Feliz ano nuevo 2013 an alle!

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Salz und Steaks

Mit David und David geht es weiter nach Uyuni. 200 km neuer Asphalt. Mit der Ortsschild hört der Asphalt schlagartig auf und durch tiefe Pfützen führt unser Weg zu einem schäbigen Hotel. In Uyuni befindet sich der höchstgelegene und gleichzeitig größte Salzsee der Welt. Sonst lohnt hier nichts. Wir erkundigen uns über den Zustand bzw. den Wasserstand auf dem Salzsees, und tatsächlich steht durch die Regenzeit mittlerweile auf weiten Teilen des Salzes Wasser. Wie wir von unseren winterlichen Straßen wissen, ist Salz das größte Gift für unsere Fahrzeuge. Mittlerweile sind im Hotel noch zwei weitere Motorradreisende, Blossom und Shawn, aus Australien eingetroffen. Wir alle haben keine Lust uns unsere Radlager, Felgen und überhaupt das ganze Motorrad durch das Salzwasser zu ruinieren. Dann machen wir halt ein fremdes Fahrzeug kaputt. Wir mieten gemeinsam einen Jeep. Am nächsten Tag geht es hinaus auf die über 10.000 Quadratkilometer große ebene Salzfläche. OLYMPUS DIGITAL CAMERADurch die platte Fläche und die fehlenden Orientierungspunkte merkt man die Geschwindigkeit nur am Fahrtwind und auf dem Tachometer. Wir fahren zu der Isla de la Pescado, der Insel die von Weitem aussieht wie ein Fisch. Zu der weißen Salzfläche geben die braunen bis schwarzen Vulkansteine einen bizarren Kontrast. Aus den glühend heißen Steinen wachsen Kakteen. Ohne Sonnenbrille tränen mir von dem gleißenden Licht sofort die Augen. So schlecht das Salzwasser für die Fahrzeuge ist, so schön spiegeln sich darin die umgebenden Berge.  Am Abend ist der Wagen mit einer Salzkruste überzogen. So hätten auch die Motorräder ausgesehen!In jeder Ritze des Jeep klebt der weiße, salzige Matsch. Obwohl vor der Fahrt auf dem Salz der Unterboden mit Altöl eingesprüht wird, ist nach fünf Jahren so ein Auto fertig und muss ausgetauscht werden.

Mit ungesalzenen Motorrädern nehmen wir alle zusammen am nächsten Tag die Piste nach Tupiza in Angriff. Vor Wasserdurchfahrten mit 1 Meter Höhe und einem schlechten Zustand der Piste wurden wir gewarnt. Aber alles stellt sich mal wieder als nicht so schlimm heraus. Die Furten sind maximal 25 cm tief und oft lässt sich die Piste richtig flott fahren. Wegen dem Wellblech muss man das bisweilen sogar. Zur Erklärung: Wellblechpisten heißen so, weil durch das Bremsen und Beschleunigen der Fahrzeuge die Fahrbahn aussieht wie Wellblech. Je weicher der Boden der Fahrbahn ist, desto leichter entstehen diese Wellen. Und je nach Abstand der Wellen muss man zwischen 60 und 100 km/h fahren um von einer Wellenspitze zur anderen zu fliegen.  Das Gerüttel hält sich so einigermaßen in Grenzen, die Haftung der Reifen allerdings auch.  Die Herausforderung ist, die passende Geschindigkeit zu erreichen und auf kurviger Strecke zu halten. Denn wenn man weniger als die nötige Geschwindigkeit drauf hat, rüttelt es einem die Schrauben aus dem Motorrad und die Plomben aus den Zähnen. Entschädigt werden wir durch eine wilde Canyonlandschaft und gutes Wetter.CanyonlandIn Tupiza trennen sich unsere Wege wieder. Der englische David fährt zurück nach La Paz, Blossom und Shawn wollen in einen Nationalpark und der amerikanische David muss ein paar Reparaturen an seinem Motorrad vornehmen. So schnell trifft und trennt man sich on the road. Für manche abgelegene oder schwierige Strecken ist es sinnvoll sich mit anderen zusammen zu tun. Ganz abgesehen davon macht es oft auch richtig Spaß mit lustigen Leuten durch die Gegend zu ziehen. Ich freue mich trotzdem wenn ich wieder alleine unterwegs bin. Morgens muss man auf niemanden warten, ich halte, fotografiere und esse wann ich will und fahre die Geschwindigkeit die mir am besten passt.

Der nächste Grenzübertritt steht an. Argentinien. Die Formalitäten gehen wie bisher immer reibungslos von statten. Es ist aber viel los, so dass ich immerhin 2 Stunden an der Grenze verbringe. Auf gutem Asphalt fahre ich noch bis Humahuaca. Dort finde ich endlich einen Geldautomaten der mir argentinische Peso ausspuckt. Nebenbei ist dies auch ein ganz netter Ort mit kleinen sauberen Straßen, netten Cafes und verputzten Häusern. Ein deutlicher Unterschied zu den Lehmzieghütten in Bolivien. Am nächsten Tag fahre ich wieder ein Stückchen Richtung Norden um in das abgelegene Städtchen Iruya zu kommen. 50 km Schotterpiste durch erodierte Berge in den unterschiedlichsten Farben. Grün, rot, blau, grau usw. Die Piste in meinem Reiseführer ist als schlecht beschrieben. Aber an jedem Abzweig stehen Schilder und nur ein kleines Stück geht es rumpelig durch ein Flussbett. Der Rest ist eine kurvige Schotterautobahn. Schon wieder wird der Unterschied zu Bolivien deutlich. Ich merke es aber auch in den Preisen und so entscheide ich mich bei meinem nächsten Halt in Tilcara für den Campingplatz. Die Argentinier sind ein Volk von Campern. Vermutlich weil man im Hotel nicht grillen kann. Den noch lieber als Camping haben die Argentinier ihr Asado. Berge von köstlichem Fleisch und leckere Würstchen kommen auf die gemauerten Grillstellen die auf jedem Campingplatz zu finden sind. Ich esse ein paar Empanadas auswärts und mache Abends nur ein kleines Feuer. Mein erstes argentinisches Filetsteak bekomme ich in einem Restaurant in Salta. Einfach lecker!Wahnsinnig zart und noch dazu eine Riesenportion. Mit Salat, einem Wasser und einer halben Flasche Wein kostet der Hochgenuss ca. 12 Euro. Es wird vermutlich nicht das letzte Steak gewesen sein.

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BOOOM!

Die Regenzeit hat begonnen.Regenzeit Jeden Abend gegen 22:00 Uhr fängt der Regen an und dauert ca. 3 bis 4 Stunden. Nur heute, an meinem Abreisetag von Coroico hört es nicht auf. Erst gegen 11:00 Uhr kann ich die Sachen packen und ziehe los. Bei Regen zu fahren macht grundsätzlich keinen Spaß, aber hier ist es richtig gefährlich. Denn die Böschungen an den Straßen sind nicht befestigt und viel zu steil ausgeführt. Bei Regen werden aus den Wänden regelmäßig Steine ausgewaschen und fallen auf die Straße. Und ich rede nicht von kleinen Kieselsteinen. Oft wird die ganze Straße blockiert und eine Raupe muss anrücken um den Schutt zu beseitigen. Ich habe Glück und die Straße Richtung La Paz ist bis auf kleinere Steinschläge frei.

Durch La Paz hindurch geht es weiter in Richtung Süden. In einem kleinen Ort komme ich in einem Alojamento für umgerechnet 2,20 Euro unter. Aber das Zimmer ist sauber und das Motorrad steht direkt vor der Tür im verschlossenen Hof. Nach zwei Wochen im „Tiefland“ unterhalb 2000 Meter merke ich zum ersten Mal auf dieser Reise die Höhe. Mein Nachtlager liegt auf ca. 3800 Meter und das leichte Kopfweh verschwindet erst nach einer Aspirin.
Es geht weiter Richtung Chile. Ziel ist der Lauca Nationalpark. Auf dem Weg liegt der Nationalpark Sjama, mit dem höchsten Berg (Sajma 6542m) in Bolivien. Sjama Gleich daneben strecken sich noch weitere schneebedeckte Vulkankegel in den Himmel.  Allerdings zieht dieser Himmel langsam zu. Die Lamas und Flamingos in einem See am Fuß der Berge scheint das nicht zu stören. Mich schon. Ich beobachte die Szenerie noch eine Weile und entscheide mich gegen einen Besuch des Lauca Parks. Bei Regen und schlechter Sicht lohnt sich das vermutlich nicht. Bevor es zurück geht muss ich tanken. In Bolivien ein besonderes Vergnügen. Vorausgesetzt man bekommt den Preis der Einheimischen. Ca. 40 Euro-Cent kostet die verbleite 84 Oktan-Suppe pro Liter. Benzin mit mehr Oktan gibt es nur auf dem Papier und selbst 84 Oktan ist manchmal ausverkauft. NO HAY Um Schmuggel zu verhindern müssen jedoch alle Ausländer über 1 Euro bezahlen. Bisher konnte ich das vermeiden. Meist habe ich den Preis der Bolivianer bezahlt. Wenn das nicht ging habe ich für ca. 75 Bolivianos getankt und einen 100er gegeben. Listo – Stimmt so. Und plötzlich war der Ausländerpreis kein Thema mehr. Ein gutes Geschäft für Beide. Aber hier an der Grenze gibt es kein Verhandlungsspielraum. Na ja, immer noch günstiger als zu Hause, und für Chile und Argentinien muss ich mich ohnehin wieder auf höhere Preise, nicht nur vom Benzin, einstellen. 

Südlich von Oruro geht es ohne Kurven und durch unspektakuläre Landschaft vorbei am Lago Poopo. Auf ca. 3700 Meter gelegen ist dieser See sicher Arschkalt. Sorry, aber das Wortspiel musste sein 😉 Erst kurz vor der Minenstadt Potosi wird die Straße interessanter und windet sich auf fast 4000 Meter hinauf. Mit einer Einwohnerzahl von knapp über 160.000 ist es die höchstgelegene Stadt dieser Größe in der Welt. Und das seit dem Jahr 1545. Der Grund für diese hohe Ansiedlung ist der 4824 Meter hohe Berg Cerro Rico. Schon die Ureinwohner habe dort Bergbau betrieben. Die Spanier haben im 17ten Jahrhundert mit Sklaven der Bergbau ohne Rücksicht auf Verluste vorangetrieben. 12 Millionen Sklaven aus Afrika und der indigenen Bevölkerung sollen ums Leben gekommen sein. Spanier sind hier immer noch nicht beliebt.

Von Mathias habe ich einen Tipp bekommen welche Minentour die beste sein soll. Und tatsächlich entwickelt sich die Tour zum echten Kracher. Choco Loco (Loco = der Verrückte) bringt uns in den Untergrund und zeigt uns seinen Arbeitsplatz. Aber zuerst werden wir bergmännisch eingekleidet. Gummistiefel, Hose, Jacke und ein Helm und Grubenleuchte. Dann geht es zum Bergarbeitermarkt. Normalerweise bringt man der Arbeitern starken Alkohol und Coca-Blätter als Geschenk mit. Aber heute ist der Samstag nach dem ersten Freitag im Monat. Kaum einer arbeitet, weil am ersten Freitag immer seeehr viel getrunken wird. Alte Tradition. Also bringen wir nur ein paar Bier mit. Das ist ja kein Alkohol. Den müssen wir selber trinken. 96 Prozent. Jeder zwei Schraubdeckel voll. Es ist furchtbares Zeug und kratzt während der ganze Tour im Hals. Jetzt sind wir bereit auch noch die restlichen Utensilien zu kaufen. Zündschnur, Sprengkapsel und Dynamit! 2 Euro! Frei erhältlich für Jedermann! Nur in Potosi.
Wir laufen im Gänsemarsch durch die unbeleuchteten Stollen. Nackter Fels, es gibt kaum Abstützungen.  Nach ein paar Abzweigen wird es einer Teilnehmerin zu viel. Sie wird vom Gehilfen von Choco Loco herausbegleitet. Wir bekommen erklärt, dass hier Zinn, Zink und vor allem Silber abgebaut werden und einige Adern gezeigt. 17 Ebenen tief ist der Berg ausgehöhlt. Wer wo gräbt und sprengt untersteht keiner Kontrolle. Der letzte Plan der Stollen soll aus den 80er Jahren sein. Entsprechend häufig kommt es zu schweren oder tödlichen Unfällen. Einmal pro Woche, sagt Choco Loco, hört man mindestens den Krankenwagen. Touristen aus seiner Gruppe seinen aber noch keine gestorben beruhigt er uns. Dann wir es Zeit für das Dynamit. An einer etwas breiteren Stelle setzen wir uns hin und Choco Loco präpariert vor unseren Nasen mit seinen ca. 17-jährigen Gehilfen die Sprengladungen. Als er fertig ist, werden wir in eine Sackgasse geschoben. Hier bleiben, nicht bewegen. Kurze Zeit später kommt er zurückgerannt und sagt wir sollen unsere Lampen ausmachen. Absolute Dunkelheit. Man sieht sprichwörtlich und tatsächlich die Hand vor Augen nicht. Gleich wird es krachen. Und wie es kracht. Die Druckwelle ist deutlich zu spüren. Gleich zwei kleinere Sprengungen hinterher und der Papa zum Schluss, wie Loco sagt, lässt uns noch einmal zusammenfahren. Wahnsinn, das machen die jeden Tag. Von den vielen Sprengungen lagert sich pures Arsen an den Wänden ab. Für die Schwiegermutter, wie Loco meint. Alle sind begeistert von der Tour und trotzdem erleichtert wieder im Tageslicht zu stehen.
Nächste Woche, meint Loco noch zum Abschied, werden hier die Straßen blockiert um gegen die Unesco zu demonstrieren. Die möchte den Bergbau einstellen bzw. in geordnete Bahnen lenken. Und wie üblich werden Meinungsverschiedenheiten bei Bergleuten aus Potosi mit Dynamit ausgetragen.

Um genügend Abstand zu den zu erwartenden Sprengungen zu haben, fahre ich nach Sucre, der Hauptstadt von Bolivien. Mein Sicherheitskonzept geht so weit, dass ich mich für vier Tage im Klo einschließe. Nach nun über 100 Tagen unterwegs, erwischt es mich diesmal richtig. Kopfschmerzen, Übelkeit, Magen-Darm und Fieber. Alles Symptome für Malaria. Der Bluttest gibt zum Glück Entwarnung für Malaria, aber irgendwas habe ich mir eingefangen. Zwei Tage Krankenhaus, meint der Doc, oder länger Tabletten. Ich gehe lieber zur Apotheke um die Ecke. Am vierten Tag wirkt das Antibiotika und mir geht es besser. Zeit weiter zu ziehen.

Mein Weg führt mich zurück nach Potosi. Vor einem Laden sehe ich zwei bepackte Motorräder stehen und halte an. David aus den USA und David aus England sind gerade dabei Dynamit zu kaufen. Aber das ist eine andere Geschichte…

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Rosa Delfine

Heute dürfen wir das Hostel ungestraft verlassen. Die Volkszählung ist abgeschlossen und die Ausgangssperre aufgehoben. Mathias fährt nach Süden und ich nach Norden Richtung Amazonas. Die Straße führt über den 4700 Meter hohen La Cumbre Pass in das Yungas-Gebirge. Irgendwie zieht das Motorrad heute keine Wurst vom Teller. Je höher ich komme desto mehr qualmt es aus dem Auspuff. Irgendwann finde ich eine gute Drehzahl bei der es nicht mehr qualmt und trotzdem vorwärts geht. Vermutlich lässt der neue Luftfilter etwas weniger Luft durch als der alte. Abwärts geht es auf der Carretera de la Muerte. Der Straße des Todes! Der Name stammt noch aus einer Zeit als hier der gesamte öffentliche Verkehr  unterwegs war und es zu vielen Unfällen kam. Kurven sollte man hier keine verpassen, denn neben der teilweise nur LKW-breiten Piste geht es mehrere hundert Meter abwärts. Death RoadLeitplanke? Keine. Ausweichstellen für Gegenverkehr? Wenige. Geschichten und Mythen über diese Straße? Unzählige. Heute wird die Straße nur noch sehr wenig befahren. Die meisten benutzen die neue Straße. Die ist breit, asphaltiert und folgt in sanften Schwüngen dem Berg. Also genau das Gegenteil der alten Piste. Beiden gleich ist die sagenhafte Landschaft der Yungas und der große Höhenunterschied den beide Straßen überwinden. Von den schroffen Bergen über 4500 Meter geht es in die subtropischen Täler der Yungas. Fast 3500 Höhenmeter abwärts in ca. 70 km. Schnell wieder ein paar Meter hochgefahren in das von der Atmosphäre und dem Klima angenehme Coroico.  Hier scheinen sich einige Aussteiger eine neue Existenz aufgebaut zu haben. Es gibt eine deutsche Bäckerei und zwei schöne Hotels etwas außerhalb werden ebenfalls von Deutschen geführt. So komme ich endlich mal wieder zu Käsespätzle 😉

Die Tage zwischen Pool und deutscher Küche vergehen wie im Flug. Irgendwie kann ich mich trotzdem aufraffen und lasse beim örtlichen Schlosser meinen Gepäckträger verstärken. Das werde ich für die nächsten Tage brauchen, denn es gilt 600km Piste in den Amazonas zu bewältigen. Etwas Baustahl, ein paar Laschen anschweißen und die Koffer wackeln nicht mehr bei jeder Bodenwelle wie ein Esel mit den Ohren. Der Schlosser will mich noch dazu überreden, bei der morgigen Rallye für Motorräder teilzunehmen. Aber ich brauche die gute Honda und meine funktionierenden Knochen noch für eine ganze Weile und lehne ab. Anschauen geht aber immer. Der Marktplatz verwandelt sich in ein Fahrerlager und alle paar Minuten kommen geschundene alte Jawas und mit Dreck überzogene China-Enduros ins Ziel. Ca. 150 Motorräder nehmen an dem Spektakel teil.

Einen Tag später sehe ich genauso aus. Die Strecke in den Amazonas nach Rurrenabaque ist kein Spaß. Für 300 km hin brauche ich 10 Stunden. Abwechselnd ist die Piste steinhart oder total matschig. Manchmal setzen die Koffer auf weil die Spuren durch LKWs so tief ausgefahren sind, manchmal besteht die gesamte Piste nur aus spitzen Steinen die ca. 5cm aus dem knochenharten Boden herausragen. Zudem ist es heiß und tropisch schwül. Für Mensch und Maschine eine Tortur. Auf dem Weg in den Amazonas I

Heiß und schwül bleibt es auch in Rurre, wie es von den Einheimischen genannt wird. Ohne die Motorradklamotten ist es besser, aber eigentlich immer noch zu warm. Rurre ist der Ausgangsort für Touren in den Madidi Nationalpark und so schleppe ich mich durch die Straßen und suche mir einen Veranstalter für eine Pampa Tour aus. Mit zwei Australiern und zwei Israelis geht es zuerst mit dem Jeep und dann mit einem kleinen Boot in die Pampa. Diese Tour verspricht besser zur Tierbeobachtung zu sein. Und so kommt es dann auch. Schon auf dem Weg ins Camp sehen wir unzählige verschiedene Vögel, Schildkröten, Capybaras und Kaimane. Eine Biegung hat den Fluß an einer Stelle auf ca. 80 x 80 Meter verbreitert. Der Guide stoppt und meint lapidar, hier sei eine gute Stelle um mit Delfinen zu schwimmen. Wir machen und beinahe in die Badehosen. Zusammen mit den Australiern springe ich in die braune Brühe und schwimme in die Mitte des Flusses. Nach Anleitung des Guides klatschen wir mit den Händen aufs Wasser bis die rosafarbenen Delfine vorbeikommen und  anfangen mit uns zu spielen. Mit ihrer Schwanzflosse hauen sie aufs Wasser und spritzen uns nass. Wir werden umkreist und manche von uns von einer Delfinnase angestupst. Genial! Schwimmen mit DelfinenZurück im Boot startet der Guide den Außenbordmotor und ein ca. 2 Meter langer Kaiman gleitet lautlos ins Wasser. Wir lachen uns den Wahnsinn aus den Knochen.

Am nächsten Tag stapfen wir in Gummistiefeln durch die matschige Pampa und suchen Anacondas. Zuerst stossen wir auf eine falsche Cobra. Ca. 1,50 Meter lang, sieht aus wie eine Cobra, ist aber ungiftig. Ich falle trotzdem vor Schreck in den Matsch als mir das Vieh zu nahe kommt. Schöne Sauerei. Eine Stunde später finden wir dann noch eine fast 2 Meter lange Anaconda. Irgendwie werden das nicht meine Lieblingstiere. Abends geht es zum Pirahna fischen. Natürlich im gleichen Fluß in dem wir gestern gebadet haben. Wir fangen nur kleine Exemplare die wir zurück ins Wasser werfen. Dann beißen doch noch drei größere Catfische an, die kurz danach lecker zubereitet auf unseren Tellern landen. Am letzten Tag schwimmen wir noch einmal mit Delfinen. Jemand aus einer anderen Gruppe wird dabei von einem Pirahna in den Zeh gebissen (Zeh ist noch dran) und einer springt plötzlich wild schreiend aus dem Wasser. Mit beiden Händen hält er seine Badehose und nach etwas Fummelei kommt ein ca. 15 cm langer Catfisch zum Vorschein der sich in die weiten Badeshorts verirrt hat. Platt von den Eindrücken geht es zurück nach Rurre.

Die Fahrt zurück nach Coroico geht nur auf der gleichen miesen Piste wie ich gekommen bin. Ich weiß ja was kommt und fahre früh los. Diesmal ohne Handschuhe und mit offener Motorradjacke um nicht zu überhitzen. Es läuft ganz gut, bis nach einer Pause im Schatten mitten im Nirgendwo das Motorrad nicht mehr anspringen will. Der Starter macht keinen Mucks, die Kontrolllampen flackern müde. Na klasse. Die Batterie ist nahezu trocken. Durch die Hitze oder durch Überladung ist fast alles Wasser aus der Batterie gekocht. Ich laufe ein paar hundert Meter zu einer Baustelle zurück durch die ich gerade gefahren bin. Der Maschinist der Baustelle hat leider kein destilliertes Wasser, bietet aber seine Hilfe beim Schieben an. Zusammen mit einem weiteren Arbeiter fahren wir auf einem riesigen Grader (Baumaschine für den Wegebau) zurück zum Motorrad. Also Montur an, Gang rein und losgeschoben. Nach ein paar Metern auf der leicht abschüssigen Sandpiste schau ich nach hinten und sehe die zwei Vögel noch immer am Grader stehen. Ich dachte die helfen mit!!! Egal, ich hab schon etwas Fahrt drauf, spring auf und lass die Kupplung kommen. Sie läuft. Ich dreh eine Schleife, bedanke mich für was auch immer bei den Beiden und fahre weiter. Im nächsten Ort finde ich tatsächlich destilliertes Wasser und nach einer kleinen Wartezeit springt die Honda schon wieder mit dem Elektrostarter an. Viele staubige Kilometer und einen Erdrutsch der die Piste verschüttet hat später, komme ich endlich in Coroico an. Noch schnell ein paar Käsespätzle und ich falle todmüde ins Bett.

Mehr Bilder gibt es in Peru II und Bolivien I

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Ausgangssperre

Als wir nach Cusco zurückkommen erleidet mein Motorrad ein Totalschaden. Zumindest für peruanische Verhältnisse, denn die Hupe fällt kurzzeitig aus. Vermutlich war es im Stau zu heiß. Das Hostel ist fest in Händen von Motorradfahrern. 8 Motorräder stehen bereits im Innenhof als wir ankommen. Drei kleine Suzukis aus Bolivien, Claudia und Werner mit denen ich schon unterwegs war, Giermo aus Mexiko, Phil aus Kanada und Ekki aus Lübeck. Drei der 10 Motorradfahrer sind hier in Cusco beim Zahnarzt. Glücklicherweise bin ich keiner davon. Abends gehen wir zusammen in die Motorradkneipe Norton Rats. Auf das Zusammentreffen bzw. gegen die Zahnschmerzen werden ein paar Biere geleert.

Zuvor bin ich noch beim Honda-Händler vorbeigegangen. Es ist Dienstag und das für Montag versprochene Teil ist natürlich nicht da. Aber sicher bis zumnächsten Vormittag. Mittwoch 11:00 Uhr. Der Tachoantrieb ist immer noch nicht da. Langsam wird es sogar dem Honda-Händler peinlich. Mathias hat ein Date mit seiner Freundin in Santiago und macht sich auf den Weg während ich um 16:00 Uhr noch einmal vorbeigehe und einen strahlenden Mitarbeiter sehe der ein weißes Zahnrad hochhält. Ich sehe sofort, dass es das falsche Teil ist. Tachoantrieb ja, aber von einer anderen Honda. Warum habe ich eigentlich extra die offizielle Honda-Bestellnummer aus dem Internet herausgesucht? Ich schaue mir das in durchsichtigem Plastik eingeschweißte Teil genau an. Es ist auf jeden Fall zu lang. Ich überprüfe den Durchmesser, die Zahnung und vergleiche soweit das möglich ist. Denn sobald ich die Packung aufreiße, muss ich das Ding bezahlen. Ich kaufe das Teil. 17 Euro für ein Plastik Zahnrad das nicht passt! Mit Säge und Feile bastele ich aus dem falschen Teil einen Ersatz für das Original. Und was soll ich sagen, es funktioniert. Eine echt peruanische Lösung. Auch mein zweiter Ersatz-Luftfilter wird peruanisch aufgepeppt. Das billige Zubehörteil hat keinen Schaumgummi am Ende und liegt deshalb nicht satt am Luftfiltergehäuse an. Auf dem Markt kaufe ich für kleines Geld Einlegesohlen und schneide daraus einen Schaumstoffring. Passt.  

Mit genau 90 km/h 😉 der Tacho geht ja wieder, fahre ich Richtung Titikakasee. Aber vor dem am höchsten gelegenen schiffbaren See geht es zu dem tiefsten Canyon der Welt. Naja, fast. Gleich neben dem Colca Canyon ist einer der noch mal 163 Meter tiefer ist. Aber der ist nicht erschlossen. Also begnüge ich mich mit dem Colca Canyon der immerhin doppelt so tief ist wie der Grand Canyon in den USA. Es ist eine lange Etappe bis Chivay, dem Ausgangsort für die Besichtigung. Abends belohne ich mich mit einem Alpaca Steak. Sehr lecker.

Am nächsten Tag fahre ich durch den Canyon bis zu einem Aussichtspunkt an dem häufig Condore zu sehen sein sollen. Das Wetter ist genauso schlecht wie die Schotterpiste und Condore sehe ich auch keine. Dann halt weiter ins tiefer gelegene Arequipa. Vorbei an Vulkanen und schneebedeckten 6000er Bergen. An denen kann ich mich irgendwie nicht satt sehen. Es macht doch einen Unterschied ob man von 1000 Meter auf 3000er Gipfel schaut oder von 4000 Meter auf 6000er. Immer wieder beeindruckend.

Arequipa nervt mit Verkehr und der Suche nach einem Hostel bei dem ich sicher parken kann. Dafür ist die Stadt wirklich schön. Viele alte Gebäude, Kirchen und ein angenehmes Klima lassen mich noch eine ganze Weile auf der Dachterrasse des Hostels sitzen und die beleuchtete Szenerie genießen.

Puno, mein nächster Stopp, ist genau das Gegenteil von Arequipa. Dreckig und hässlich. Ich fahre mit dem letzten Boot hinaus auf den Titikakasee zu den schwimmenden Inseln. Diese aus Schilf bestehenden Inseln werden von bis zu sechs Familien bewohnt. Mit Ankern werden sie an Ort und Stelle gehalten. Und dieser Ort ist finster kalt. Der See liegt auf 3808 Meter und der Wind der über das Wasser pfeift macht es nicht angenehmer. Die Hütten bestehen nur aus Schilf und sind ungeheizt. Auf einem Schilfboot ist offenes Feuer ohnehin fehl am Platz.    

Entlang dem Titikakasee geht es nach Bolivien. Der Grenzübertritt erfolgt wie bisher überall in Südamerika ohne Probleme. Der bolivianische Zöllner im Jogginganzug erledigt die Formalitäten genauso lässig wie es sein Kleidungsstil vermuten lässt. Bolivien empfängt mich mit gutem Wetter und einer tollen Sicht auf eine ca. 80 km lange Bergkette. Ein weißer Gipfel nach dem anderen. Traumhaft. Vorher muss ich aber erst eine Fährfahrt über den Titikakasee überstehen. Mit einem wackeligen Holzkahn bei dem die Hälfte aller Schrauben fehlt geht es übers zum Glück relativ ruhige Wasser. Vor und hinter mir stehen noch je ein Auto auf dem Boot. Wenn das vordere Auto sich durch den leichten Seegang auf die rechte Seite neigt, geht das hintere auf die linke Seite. Der Kahn verwindet sich und krächzt das mir Angst und Bange wird. Ich überlebe und schiebe auf der anderen Seite das Motorrad von den lose aufliegenden Planken.

Heute geht es noch bis nach La Paz. Höchster Regierungssitz der Welt. In Südamerika jagt ein Superlativ den nächsten. Hier treffe ich mich auch wieder mit Mathias und zwei Däninen die wir bereits in Cusco kennengelernt hatten. Annie arbeitet in La Paz und erzählt uns, dass am Mittwoch Volkszählung in Bolivien ist. Das öffentliche Leben wird lahmgelegt. Wie lahm  erfahren wir dann direkt vor unserem Hostel. Gerade haben wir die Motorräder aus dem Innenhof durch die Eingangstüre auf die Straße bugsiert, da kommt auch schon ein Pickup voller Polizei um uns zu stoppen. Es gilt generelle Ausgangssperre. Die Straßen der Millionenstadt La Paz sind wie ausgestorben. Wir versuchen zu argumentieren, dass ja nur die Bolivianer gezählt werden sollen. Aber sie wollen uns nicht fahren lassen. Schade, wäre bestimmt toll gewesen durch die leere Stadt zu fahren. Zumindest können wir auf der komplett leeren Hauptstraße die Motorräder aufstellen und fotografieren. Ein Bild mit absolutem Seltenheitswert, denn normalerweise herrscht hier rund um die Uhr das totale Verkehrschaos.

Dann halt morgen, ich habe ja Zeit…

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Lima – Cusco – Machu Picchu

Wir verlassen Lima über die Autobahn. Denn neben Schotterpisten, schönen kurvigen Bergstraßen, Schlammpfaden und Eselskarrenwegen gibt es eben auch breit ausgebaute Autobahnen. Üblicherweise ist dies die Panamericana die meist in der Nähe der Ostküste verläuft. Gut um Strecke zu machen, aber nicht gerade aufregend. Und so biegen wir nach 150km bei Pisco in Richtung Reserva National de Paracas ab. Auf der Landkarte oder im GPS werden die Distanzen in Kilometern angegeben. Fragt man die Menschen nach der Entfernung, bekommt man jedoch immer ein Zeitangabe. Und das ist auch viel genauer, denn die gibt gleichzeitig auch den Straßenzustand mit an. 100km können hier 1 Stunde oder eben 4 Stunden bedeuten. Aber zurück nach Pisco und dem Nationalpark. Aus Pisco kommt das Nationalgetränk, der Pisco Sour. Dieser Longdrink besteht aus Traubenschnaps (dem Pisco), Limettensaft, Zuckersirup und Eischaum. Sehr lecker. Im Gegensatz zum Pisco Sour ist es im Nationalpark sehr trocken. Die Sanddünen gehen bis ans Meer und viele Muschelsammler waren auch noch nicht hier. Die Pisten sind gut zu fahren, nur ab und zu wird der Sand arg weich und bremst uns aus. Wir überlegen kurz ob wir hinter einer der vielen Dünen die Zelte aufschlagen sollen. Aber wir haben nicht viel Proviant und zu wenig Wasser dabei. Das Abendlicht macht die verschiedenen Farben des Sandes noch intensiver.
Irgendwann haben wir wieder Asphalt unter den Rädern und rollen in die Oase Huachachina. Zwischen riesigen Sanddünen hat sich hier eine Partyzone für Backpacker entwickelt. Offene Jeeps mit großen V8-Motoren kutschieren die meist jungen Leute durch  den Sand. Wir kommen spät an und haben keine Lust mehr bis zum Sonnenuntergang auf die Düne zu steigen. Abends BBQ und ein paar Bierchen an der Bar. Hier kann man es aushalten. Trotzdem ziehen wir schon am nächsten Tag weiter. Leider hat es morgens Nebel, oder wir sehen noch nicht klar, und so gibt es keine Fotos von diesem schönen Ort. 

Die Reise geht weiter zu den Nasca-Linien. Hier wurden in den Wüstenboden ca. 10-20 cm tiefe Spuren gezogen die aus gewisser Höhe betrachtet Bilder ergeben. Die ältesten dieser Bilder sind vor fast 3000 Jahren von den damals hier lebenden Menschen erstellt worden. Manche Symbole stellen Tiere oder z.B. eine Hand dar. Der Ufo-Forscher Erich von Däniken vermutete Landebahnen oder Hinweise für außerirdisches Leben. Die deutsche Forscherin Dr. Maria Reiche meinte nach 40 Jahren Forschung einen Kalender darin zu erkennen. Wir finden das Ganze nicht so spektakulär und sind nach spätestens 40 Minuten wieder unterwegs.

639 km zeigt das Straßenschild in Nasca bis nach Cusco. Alles Asphalt, alles Kurven. Zumindest der erste Teil windet sich an der höchsten Sanddüne der Welt vorbei in ein Naturschutzgebiet für Vicuñas.
Heute haben wir rechtzeitig eingekauft. Auf 4150 Meter suchen wir uns mitten zwischen drei Vicuña-Herden einen Platz um unsere Zelte aufzustellen. Die Höhe lässt uns schnaufen wie Marathonläufer und der Wind macht es uns auch nicht einfach. Alle Heringe werden gebraucht um die Zelte sturmsicher zu verankern. Kaum sind wir fertig lässt der Wind nach. Richtig angenehm. Bis die Sonne untergeht. Mit gleicher Geschwindigkeit wie die Sonne sinkt, sinkt auch die Temperatur. Das letzte Licht nutzen wir noch für ein paar Fotos. Uns fallen beinahe die Finger ab bei der plötzlichen Kälte. Der frische Coca-Tee hilft nur kurz. Der Sternenhimmel ist gigantisch und hält mich noch eine Weile in der Kälte. Kurz vor 20:00 Uhr ziehe ich den Schlafsack bis übers Gesicht und versuche zu schlafen. Immer wieder wache ich auf. Es ist saukalt. Die ersten Sonnenstrahlen am Morgen haben schon richtig Energie und treiben uns aus den Zelten. Eis liegt auf der Sitzbank vom Motorrad und auf dem Zelt. Geschätzte -5 Grad hatten wir heute Nacht. Rausgegangen um auf dem Thermometer am Motorrad nachzusehen ist komischerweise keiner von uns. 


Cusco. Das Navi führt und zu einem Hostal das uns von anderen Reisenden empfohlen wurde. Über eine Rampe rollen wir in den Innenhof und bekommen ein Zimmer zwar ohne eigenes Bad, dafür mit Frühstück und WiFi für mal 15 Soles (ca. 4,50 €) pro Person. Mitten in Cusco hätten wir das nicht erwartet. Zudem haben wir genug Platz um einen Check an den Motorrädern zu machen. Ich baue einen neuen Luftfilter ein und mache einen Ölwechsel. Beim Honda-Händler bestelle ich einen neuen Tachoantrieb. Es ist Freitag. Bis Montag soll er da sein. Hmm, das wäre ja eine schnelle Lieferung.
Ohne Tacho machen wir uns auf nach Machu Picchu. Wir haben einen Tipp bekommen wie man die teuren Touren von Cusco aus umgehen kann. Über einen schönen 4300-Meter-Pass, auf bestem Asphalt durch unzählige Kurven, vorbei an vielen Ruinen geht es nach Santa Marta. Hier hört der Asphalt auf und die letzten ca. 25km geht es durch ein Tal immer knapp am Abgrund entlang. Tolle Strecke. In Santa Theresa gehen wir am Abend zu den heißen Quellen um den Staub der Piste abzuwaschen. Eigentlich müssten wir mit samt unserer Motorrad-Montur reinspringen. Das ist aber leider verboten.

Um 7:15 Uhr sitzen wir gemütlich beim Frühstück und fragen wann die Collectivos (Sammeltaxis) zur Bahnstation fahren. Nein, da fahren nur Taxis hin und der der Zug ist auch schon weg. Da haben wir gestern Abend wohl was falsch verstanden. Wir finden ein Taxi das zur Bahnstation fährt, müssen aber warten bis es voll besetzt ist. Der nächste Zug geht erst in ein paar Stunden und so beschließen wir die 2 bis 2,5 Stunden zu laufen. Kaum 10 Minuten unterwegs kommen wir an einem Militärposten vorbei vor dem eine Motor-Draisine steht. Zum Scherz rufe ich über den Zaun ob die nach Machu Picchu fährt. Ja, für 18 Dollar pro Person. Der gleiche Betrag den der Zug gekostet hätte. Nee, 10 Dollar wären ok, rufe ich zurück. Alle lachen, wir gehen weiter. Hmm, so abgeneigt schien der eine nicht gewesen zu sein. Wir wägen kurz ab und ich laufe ein paar Schritte zurück. Da deutet mir der Eine im Bahnoverall wir sollen mal vorgehen, sie holen uns ein. 3 Minuten später sitzen wir in der Draisine. Die zwei Mitarbeiter der Bahn melden eine Steckenkontrolle an und die holperige Fahrt geht los. Wir lachen uns ins Fäustchen. Ausgeschlafen, exklusive Fahrt in der Draisine und das für deutlich weniger Geld. Die Strecke führt durch Plantagen und immer wieder am Fluß entlang. Wir überholen einige Wanderer die etwas komisch schauen als sie uns in der Draisine entdecken. Kurz vor der Endstation steigen wir aus, so dass niemand den Zuverdienst der Bahner bemerkt. Wir geben fünf Dollar mehr als ausgemacht, denn das war es allemal wert. In Aguas Calientes erwartet uns der volle Touristentrubel. Aber das wussten wir. Fast 50 Dollar Eintritt, noch einmal 9 für den Bus der uns zum Eingang bringt und wir sehen genau das was wir auf vielen Bildern schon gesehen haben. Sicher, die Lage ist toll, die Größe der Anlage findet man auch nicht  überall. Aber von den Socken haut mich das nicht. Zumal diese gerade nass werden. Denn es hat zu regnen angefangen. Außer Mathias und mir scheinen alle weiteren 2000 Besucher einen Regenschutz dabei zu haben. Wir entscheiden uns trotzdem den Berg herunter zu laufen. Diesmal mit dem offiziellen Zug, geht es zurück und auch ein Taxi wartet schon um uns zum Hostel zu bringen. Wir nehmen auf der Rückbank Platz, werden nach kurzem Warten aber in den Kofferraum des Toyota Corolla Combi verwiesen, da zwei Frauen mit einem 11-jährigen Kind zusteigen. Kein Problem, dann falten wir halt zwei große Europäer zusammen, damit drei kleine Peruaner auf der Rückbank Fange spielen können. Wäre ja alles nicht so schlimm, aber der Weg zurück ist üble Schotterpiste und der Fahrer auf dem Weg eine neue Bestzeit aufzustellen. Nach 10 Minuten wird mir mulmig und ich muss mich so weit verbiegen, dass ich die restliche Zeit vorne heraus sehen kann. Mathias sieht auch schon leicht grün aus. Wieder Erwarten kommen wir sicher und mit vollem, wenn auch gedrehtem Magen im Hostel an. Erst mal eine Stunde aufs Ohr hauen.

Am nächsten Tag geht es die gleiche schöne Strecke zurück nach Cusco. Zum Abschied schenkt uns die Besitzerin vom Hostel noch je vier Bananen als Wegzehrung. Die vielen Kurven zurück machen erneut Spaß, bekommen den Bananen aber schlechter als uns.

Rutschige Brücke

Im Tankrucksack eingequetscht werden Sie schnell schwarz. Bei einer Pause verdrücken wir die verdrückten Bananen und ich ziehe mein persönliches Fazit zu Machu Picchu. Die An- und Abreise, die Fahrt mit der Draisine, dass waren für mich die Highlights des Ausflugs. Eine normale Tagestour von Cusco aus kostet ca. 200 Dollar. Für den teuersten Zug sind 658 Dollar für ca. 4 Stunden Hin- und 4 Stunden Rückfahrt fällig. Ohne Eintritt wohlgemerkt. Alles sehr viel Geld, nicht nur für peruanische Verhältnisse. Ich finde zu viel für MAchu Picchu. Und wie gesagt, von den Socken hat es mich nicht gehauen. Die sind übrigens wieder trocken 🙂
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