Neuseeland / Der Süden

Christchurch dürfte eigentlich nur Christ heißen. Denn das einstige Wahrzeichen der Stadt, die Kathedrale, ist dem Erdbeben im Februar 2011 zum Opfer gefallen.  Schwere Beschädigungen haben zum Abriss der Kirche geführt. Viele weitere Gebäude sind bei diesem Beben der Stärke 6,3 beschädigt worden. Man geht von 100.000 aus. Ca. 10.000 Häuser mussten bzw. müssen abgerissen werden. Mitten in der Stadt, wo einst die Kirche stand, ist nun Sperrgebiet. Rot =>  SperrgebietEinsturzgefährdete Häuser werden Stück für Stück abgetragen. Erstaunlich wie die Bewohner mit dem Chaos umgehen. Das Einkaufszentrum wird kurzerhand durch eine bunte Containerstadt ersetzt . In einer neu entstandenen Baulücke wurden einfach vier Lautsprecher und eine Diskokugel aufgehängt, in einer alten Münz-Waschmaschine ein Verstärker untergebracht und für zwei Dollar pro Stunde kann man seinen iPod anschließen und die Mittagspause durchtanzen. Und das beste ist, die Kiwis machen das auch noch. Die vielen Umleitungen und geänderten Buslinien nehmen alle gelassen. An jeder Ecke der Stadt wird gearbeitet. Handwerker gebe es genug, höre ich von den Leuten, aber Ingenieure fehlen…
Aber ich bin ja nicht zum arbeiten hier. Als suche ich mir wieder ein billiges Mietauto und starte durch. Entlang der Küste geht es nach Süden. Bei Moeraki schaue ich mir die kugelrunden Steine am Strand an. Bis zu 2,2m im Durchmesser habe diese mit Calcit zusammengeklebten Kugel aus Lehm und Ton. Immer wieder erstaunlich was die Natur so hervorbringt.Moeraki II
Am Südende von Neuseeland zieht es mich wieder ans Wasser. Eine ganze Weile muss ich an dem rauen Naturstrand entlang laufen, bis ich die ersten Seelöwen sehe. Drei Männchen und ein Weibchen liegen im Sand. Man kann so nahe gehen wie man sich traut. Die Tiere haben offensichtlich keine Angst vor Menschen. Andersrum kann ich das nicht unbedingt behaupten. Bis zu 450 Kilo können die Männchen wiegen. Trotzdem muss ich ganz schön aufpassen. Die Viecher sind auch außerhalb des Wassers ganz schön schnell unterwegs. Eine beeindruckende Begegnung. Seelöwen II
Invercargill ist eigentlich keine schöne Stadt. Aber hier gibt es den Laden der Männerherzen höher schlagen lässt. Bei E. Hayes and Sons Ltd. kann man Werkzeug, Angelsachen und Autozubehör kaufen. In der Autoabteilung läuft Metallica und zwischen den Regalen stehen Rennwagen, Oldtimer und viele schöne Motorräder. Unter anderem steht dort the world`s fastest Indian. Sie erzählt die wahre Geschichte von einem motorradverrückten Neuseeländer der mit seiner alten Indian aus dem Jahre 1920 Geschwindigkeitsrekorde in Bonneville USA aufstellte. Der Rekord aus dem Jahre 1967 ist bisher noch nicht gebrochen worden. Kein Wunder das solche eine Heldensaga Hollywood auf den Plan ruft und die Geschichte 2005 mit Antony Hopkins verfilmt wurde.
Mit dem world`s slowest Toyota fahre ich Richtung Milford Sound. Für meine Mittagspause wähle ich eine ruhige Stelle unten am Fluß. Die Pause fällt länger aus als mir lieb ist. Die Karre springt nicht mehr an. Unter der Haube finde ich dann auch die Ursache. Das Minuskabel der Batterie hat sich los vibriert und die Batterie nicht mehr genug Saft um das kleine Motörchen zu starten. Also laufe ich zurück zur Straße und warte auf ein Auto. Die Mietwagen lasse ich vorbeifahren. Die können ohnehin nicht helfen, denn Starterkabel haben die sicher auch nicht dabei. Dann ein Jeep. Kurz gewunken und schon sind wir zu dritt. Zwar haben die Jungs auch kein Starterkabel dabei, aber sie helfen mir das Auto den Berg hinauf zurück auf die Straße zu schieben und haben Werkzeug um das lose Kabel anzuschrauben. Wenn die Karre nicht auch noch ein Automatikgetriebe hätte, wären jetzt alle Probleme gelöst. Anschieben geht aber nur mit manuellem Getriebe. Die Kerle sind Musiker und glücklicherweise praktisch veranlagt. Kurzerhand wird der im Wald gefundene Wäscheständer (normal liegt hier nie was rum) auseinandergerupft, ab-isoliert und schon haben wir ein brauchbares Starterkabel. Die blanken Enden des alten Wäscheständers drücken wir auf die Batterien der beiden Das Auto läuft wieder und ich bedanke mich mit meinem Biervorrat aus dem Kofferraum.
Die Straße zum Milford Fjord ist traumhaft. Hab ich eigentlich schon gesagt, dass ich mein Motorrad vermisse? Kurze Wanderwege führen von der Straße hinein in den Wald zu schönen Seen und Wasserfällen. Der schöne Fjord ist ein würdiger Abschluss der tollen Straße. Milford Sound
Über Queenstown, der Adrenalin-Hochburg von Neuseeland, fahre ich weiter ins nahe gelegene Armstrong. Nahezu jede verrückte Freizeitbetätigung kann man in Queenstown machen. Oder mit sich machen lassen. Denn meist ist man Passagier  bei den Unternehmungen. Vielleicht mag ich es deshalb nicht so gern.
Die warmen Tage können die kalten Nächte nicht vergessen machen. Mein Zelt hat ausgedient. Die letzte Nacht habe ich mit Pudelmütze geschlafen und die Füße zusätzlich zum Schlafsack auch noch in den Rucksack gesteckt. Warm war es trotzdem nicht. Daran wird sich auch nicht viel ändern, den der nächste Halt ist an den Gletschern Fox und Franz Josef. Fox Gletscher IHier treffe ich auch Marta und Lukazs wieder. Die zwei Polen die ich bereits auf den Osterinseln kennen gelernt habe, sind auf kleinen 250er Suzukis unterwegs. In Auckland haben wir uns das letzte Mal gesehen und lose für ein Treffen auf der Südinsel verabredet. So viele Straßen gibt es hier unten nicht und so fahren wir uns tatsächlich über den Weg. Das Wetter wird schlechter und so würde ich heute das erste mal das kleine Motorrad nicht so gern gegen mein Auto tauschen. Der nahe Herbst verfärbt zumindest die Blätter der Bäume und bietet zu den unendlich vielen Schafherden einen willkommenen Kontrast. Über den Arthur-Pass, der schönsten Ost-West Verbindung im Land, geht es zurück Richtung Christchurch. Auf dem Pass muss ich, bzw. das Auto aber erst noch eine Attacke der frechen Keas überstehen. Innerhalb eines 10 minütigem Stopps auf der Passhöhe, knabbern mir die schrägen Ich wars nicht!Vögel das Plastik aus der Abdeckung der Dachreling. Damit komme ich allerdings noch gut weg. Bei einem Kleinbus zerbeißen sie die Kühlleitung der Klimaanlage auf dem Dach. Schnell weg!

Im nahen Hostel überrede ich einen anderen Gast zu einer Höhlentour. Ein Gebirgsbach hat einen 560 Meter langen Tunnel in den Berg gefressen. Anfangs ist das teils hüfttiefe Wasser gar nicht so kalt. Aber wir brauchen 40 Minuten durch das dunkle Labyrinth und danach sind die Zehen fast abgefrohren. Zum Glück ist heute ein sonniger Tag und die Füße schnell wieder warm.
Christchurch habe ich ja schon gesehen, und so fahre ich über den Lewis Pass zurück ins Landesinnere und weiter nach Norden in den Abel Tasman Park. Die schöne Strecke wird mir durch Regen vermiest. So lass ich die gelben Sandstrände links liegen und fahre weiter nach Picton. Der Queen Charlotte Drive entlang dem gleichnamigen Fjord beschert mir noch einmal jede Menge Kurven und schöne Ausblicke. In Picton gebe ich das Auto ab und fahre mit der Fähre nach Wellington. Obwohl das Wetter wieder besser wird und die Stadt viel zu bieten hat, stehen die Zeichen auf Abschied. Zwei Essen, drei Filme und elf Flugstunden bringen mich in eine andere Welt. Hongkong. 

Siehe auch Fotos / Neuseeland / Südinsel

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Eine Antwort zu Neuseeland / Der Süden

  1. Stefan schreibt:

    Hallo Alex, wie immer wunderschöne Bilder mit super Bildbenennungen zum Schmunzeln und Lachen. Weiter viel Spaß und Grüße aus der Heimat!

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