Kia Ora Neuseeland / Nordinsel

Auckland gefällt mir. Für eine 1,3 Millionen-Stadt geht es hier sehr entspannt zu. Selbst in der Innenstadt ist genug Zeit um Fußgänger über den Zebrastreifen zu lassen oder auf einer der vielen Bänke in einem Park seine Mittagspause zu verbringen. Dazu die Vielfalt an Kulturen und verschiedenen Menschen. Der gesichtstätowierte Maori, Farmer in Gummistiefeln, Leute im Businessdress und viele Einwanderer mischen sich scheinbar ohne Probleme. Besonders gut finde ich, dass jede dieser Kulturen ihr Essen mitgebracht hat. Weniger gut finde ich, dass ich nach vier Tagen immer noch keinen passenden fahrbaren Untersatz gefunden habe. Große Motorräder sind Mangelware und teuer. Die für knapp 700 Euro angebotene 150er Vespa wäre zwar ein stilechtes Fortbewegungsmittel, aber selbst der backen-bärtige Verkäufer aus dem Rollershop traut sich damit nicht über die Stadtgrenze. Autos gibt es zwar, aber nichts verlockendes. Und nachdem das einzige was in Neuseeland günstig zu sein scheint die Mietwagen sind, entscheide ich mich für einen Nissan Sunny aus dem vorherigen Jahrtausend. 14 Euro am Tag. Bei der Übergabe wird immerhin noch ein abgefahrener Reifen gewechselt. Einer! Zuerst geht es zu dem Schnäppchenladen warehouse. Hier erstehe ich ein Zelt, eine aufblasbare Isomatte (soviel Luxus muss sein), Schlafsack, Gaskartusche und einen Topf. Eigentlich wollte ich ja einen Campervan kaufen und habe deshalb meine Campingausrüstung aus Südamerika nach Hause geschickt. Aber wie so oft auf Reisen und im Leben kommt es anders als man denkt. Die nicht einmal Hundert Dollar habe ich nach ein paar günstigeren Campingplätzen gegenüber Hostels schnell wieder drin und das Zelt macht mich deutlich flexibler. Noch Essen einkaufen und dann geht es endlich weiter. Zuerst Richtung Norden nach Whangarei zu den Abby Coves. Bei einer kleinen Wanderung kommt Kalkstein, Wasser, viel Zeit und Moos man vorbei an verwitterten Kalksteinfelsen die wie vergessene, moos-bewachsene Skulpturen im Wald stehen. Das eigentlich Ziel sind aber die Abby Höhlen. Nur mit der Stirnlampe ausgestattet wate ich durch teilweise hüfthohes, eiskaltes Wasser. Absolute Dunkelheit. Da hilft das Wissen, dass es keine gefährlichen Tiere in Neuseeland gibt nur wenig. Es bleibt gruselig. In einer der Höhlen schalte ich das Licht meiner Stirnlampe aus und sehe die eigentliche Attraktion. Viele Glühwürmchen hängen an der Decke der Höhle und geben ein wenig Licht. Es sieht aus als würde man einen Sternenhimmel betrachten.
Auf den kurvigen Straßen bereue ich, nicht doch ein Motorrad gekauft zu haben. So schlingere ich halt mit einem 200.000km alten, ausgelutschten Nissan zu den Kauri Bäumen an der Westküste. Der Tane Mahuta (Gott des Waldes) ist mit ca. 2000 Jahren der älteste noch vorhandene Baum in Neuseeland. Noch beeindruckender ist aber der Te Matua Ngahere. 16.4 Meter UmfangDiese Bäume werden nicht sonderlich hoch, aber dick. So könnte  man um den Te Matua immerhin 6 Smart parken. 16,4 Meter Umfang!  In einem überteuerten Museum erfahre ich, dass Ende des 19ten Jahrhunderts noch ältere und deutlich dickere Bäume für die Holzindustrie gefällt wurden. Das Kauri-Holz eignet sich gut zum Bau von Schiffen und wird noch heute verwendet.
Das Wetter ist gut und so fahre ich den langen Weg quer nach Osten rüber auf die Halbinsel Coromandel. An einem weißen Traumstrand hat die Brandung eine Höhle in den Kalkstein gefressen. Wegen ihrer Form wird die Höhle auch Cathedral Cove genannt.Cathedral Cove. Eigentlich ein Tunnel und keine Höhle. Gleich in der Nähe ist auch der Hot Water Beach. Unter dem Strand liegen heiße Quellen und so kann man Löcher in den Sand buddeln und sich in einer warmen Badewanne das Meer ansehen.
Über kleine, teilweise geschotterte Straßen geht mein Weg nach Rotorura. Wai-O-Tapu ist eine sehr aktive thermische Zone. Kochend blubbernde Schlammtümpel, dampfende Höhlen, gelbe- grüne- rote Wassertümpel und ein Geysir der jeden Tag pünktlich um 10.15 Uhr ausbricht gibt es dort zu sehen. Die letzte Angabe hätte mich warnen sollen. Hat sie auch, aber wo ich schon mal da bin, zahl ich halt den Eintrittspreis und schau mir das Spektakel an. Vor geschätzten dreihundert Zuschauern betritt ein Ranger die Arena und informiert perfekt verkabelt durch die Lautsprecher über geologischen Fakten die ohnehin kaum einen interessieren. Dann kippt er drei Kilo Seife in den Geysir, schließlich ist schon 10.10 Uhr, und fünf Minuten später spuckt der Lady-Knox-Geysir Wasser und Seifenblasen. Eine Vorführung an der sich möglicherweise Kinder erfreuen, aber ein Naturerlebnis sieht anders aus. Man hätte auch einfach eine Pumpe anschmeißen oder ein paar Pfefferminzbonbon in eine Cola-Flasche geben können (siehe YouTube). Das Ergebnis wäre das gleiche gewesen.
Zurück auf die Straße. Entlang dem Lake Taupo geht es auf dem Highway Nummer Eins vorbei am Tongariro Nationalpark. Highway ist vielleicht etwas übertrieben. Denn Autobahnen gibt es in Neuseeland nur rund um Auckland. Aber zurück zum Tongariro. Für die Herr der Ringe Trilogie diente dieses Gebirge (digital verfremdet) als Kulisse. Die Vulkangegend wurde im Film zu Mordor, dem schaurigsten Ort auf Erden. Zum Glück ist es heute wolkenverhangen und ich sehe nicht viel davon. Entlang dem Fluss Whanganui geht es teilweise nur einspurig durch den dichten Wald. Ich vermisse mein Motorrad. Ich will ein Motorrad!Der Surf-Highway führt mich entlang der Küste zum Vulkan Taranaki. Zurück ins Inland geht es auf dem Forgotten World Highway. Kurve an Kurve, immer weiter ins Nichts. Wobei es gibt hier schon was. Schafe und Kühe. Davon sogar reichlich. Fast so viele wie Kurven.
Obwohl ich von dem Adrenalin-Tourismus der sich über das ganze Land zieht etwas genervt bin, überall runterspringen, Abseilen, Helikopterfliegen usw., lande ich doch in einer der Hochburgen für eben diesen Tourismus. In Waitomo wird der Wahnsinn auf die Spitze getrieben. Hier kann man einen Bungee-Jump machen, wird dann vom Schnellboot die Stromschnellen hoch gefahren um sie gleich wieder mit dem Gummiboot herunter zu raften. Zum Abschluss des Tages springt man dann noch aus einem Flugzeug. Vielleicht was für Leute mit wenig Zeit und viel Geld. Den vor dem Adrenalin muss erst mal Geld fließen. 635 Dollar kostet der Spaß. Sicher alles ganz lustig, aber nicht was ich suche. Mit dem eigenen Auto kann ich mir meine Tour selber zusammenstellen und fahre Abends zu einer Schlucht. Hier hat das Wasser über Jahrtausende zwei Naturbrücken übereinander aus dem Stein gespült. Doppelte NaturbrückeDas gefällt nicht nur mir, sondern auch den Glühwürmchen. Diesmal hängen tausende unter der Decke oder an den Wänden. Kostenlos und exklusiv.
Über kleine Straßen fahre ich zurück nach Auckland. Vorbei an Raglan, wo die beste lefthand-Surfwelle der Welt in die Manu Bay rollt. Der Surferfilm The endless summer wurde teilweise hier gedreht. Direkt am Flughafen gebe ich den wider erwarten zuverlässigen Nissan ab. Jetair fliegt mich nach Christchurch, auf die südliche der beiden neuseeländischen Inseln. Ich bin gespannt was mich dort erwartet.

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