Südsee

Nach 5,5 Stunden Flug landet das Flugzeug der Air Tahiti pünktlich um 0:45 Uhr in Papeete. In der Empfangshalle warten zwei dicke Tahitianer mit kleinen Ukulelen und eine nicht ganz so dicke Tänzerin in buntem Gewand auf die Urlauber. Durch die 5 Stunden Zeitverschiebung zu der Osterinsel ist es gefühlt schon 6 Uhr morgens und den wenigsten ist nach einer Showeinlage zumute. Trotzdem, netter Empfang. Schnell noch den obligatorischen Blumenkranz und ab geht’s ins Luxusressort. Allerdings nicht für mich. Ich lege mich direkt auf dem Flughafen auf einer Bank eine Runde aufs Ohr. So spare ich das unverschämt teure Taxi (ca. 50 US für 15 Minuten) und eine Übernachtung im Hostel. Mit dem ersten öffentlichen Bus geht es nach Paea. Dummerweise steige ich zu früh aus und finde das Hostel nicht. Anscheinend liegt es 7 Kilometer entfernt. Na dann lauf ich besser mal los. Kurze Zeit später kommt der Fahrer des Pickups den ich eben nach dem Weg gefragt habe vorbei und sagt ich solle einsteigen. Er fährt mich bis vor die Tür. 1A-Sevice. Im Hostel sitzen bei frischem Baguette und Nutella zwei Deutsche die auch auf dem Campingplatz auf der Osterinsel waren. Mit jeder Minute wird es heißer und so verbringe ich mit Doreen und Matthias einen ruhigen Tag im Schatten. Der Besitzer des Hostels, ein Franzose, sagt es gehe den meisten hier so. Seine Unterkunft wird meist von Langzeitreisenden aus Europa gebucht die sich in der Mitte Ihrer Reise befinden. Meist wird der Aufenthalt dann ein Urlaub vom Reisen. Viel anzusehen gibt es auf Tahiti ohnehin nicht wie wir am nächsten Tag erfahren. Mit einem Mietwagen kutschieren wir die 110 Kilometer um die Insel herum. Alles ganz nett, aber nicht wirklich spektakulär. Auch die Strände sind nicht so berauschend wie ich vermutet hatte. Die meisten sind durch die Vulkanasche schwarz. Am nächsten morgen stürze ich mich mit Mathias zum Boogie-Borden in die Brandung. Auf diesen kleinen Surfbrettern kann man liegend  auf der Welle reiten. Normalerweise deutlich einfacher als echtes Surfen, aber bei dieser Brandung immer noch zu schwer. In kurzer Zeit verliere ich einen Badeschuh und Matthias etwas Haut als ihn eine Welle über den Strand zieht. Dann doch lieber wieder in die Hängematte und Geschichten zuhören wie Fred, der Hostel-Besitzer, seinen Militärdienst zwischen Atomtests und Windsurfen in den Buchten von Moorea verbracht hat. Zur kulinarischen Abwechslung (ganz Franzose) serviert er uns eine Brotfrucht direkt von einem Baum in seinem Garten. Mit dieser etwa fußballgrossen und etwas nach Kartoffel schmeckenden Frucht, so meint er, sei der Hunger in der Welt zu besiegen. Mit Fabian kommt ein weiterer Deutscher ins Hostel. Wie im Flug vergeht ein weiterer heißer Tag zwischen Hängematte, schnorcheln und der Ausarbeitung von Strategien zur Rettung der Welt. Irgendwann schaffe ich doch noch den Absprung nach Moorea. Und es lohnt sich. Hier sind sie, die leeren Traumstände mit türkieblauem Wasser und der gebogenen Palme. Traumhaft. OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist zwar genau so heiß wie auf den Nachbarinsel, dennoch herrscht ein anderes Klima. Nichts ist zu spüren von der Hektik in Papeete. Mit einem gemieteten Motoroller zuckle ich die ca. 60 Kilometer lange Rundstraße um die Insel. Spektakuläre Berge wechseln sich mit Traumstränden ab. Ein Luxus-Resort nach dem anderen. Alle großen Namen sind vertreten. Hyatt, Hilton und Co. Und so sieht man auf der Insel auch meist offensichtlich wohlhabende Rentner und Hochzeitspaare. Ganz beliebt, und entsprechend teuer, sind die sogenannten Überwasserbungalows. Von oben betrachtet sehen die schicken Hütten aber eigentlich nicht viel anders aus als eine Reihenhaussiedlung. OLYMPUS DIGITAL CAMERAZugegeben, die Lage ist nicht schlecht 😉 Ich verziehe mich wieder in meine Backpacker-Unterkunft. Auf der östlichen Seite der Insel haben wir den Luxushotels zumindest den Sonnenuntergang voraus. OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd die Bucht ist auch nicht schlechter. Abends stehe ich zusammen mit einem Engländer und einem Franzosen im kristallklaren Wasser und versuche mit etwas Brot und zu großen Angelhaken ein paar Fische zu fangen. Zwei gehen trotzdem dran. Die werden dann in grobe Stücke zerteilt und pünktlich zum Sonnenuntergang finden sich drei Stachelrochen im seichten Wasser ein um von uns von Hand gefüttert zu werden. Wahnsinn. DCIM100GOPRODer Franzose entfernt einem Rochen sogar einen Angelhaken aus dem Maul. Würden mir diese Viecher mit bis zu einem Meter Spannweite im offenen Meer begegnen, würde ich vermutlich einen Schock bekommen. Im knietiefen Wasser ist es jedoch kein Problem. Auch hier vergehen die Tage viel zu schnell. Und weil sich trotz Touristen und harten Dollars hier am Samstag und Sonntag keiner ein Bein ausreißt, kann ich nicht alles machen was ich gerne möchte.
Die Rückfahrt zu Fähre am Montag gestaltet sich wieder inseltypisch. Der angekündigte öffentliche Bus lässt ewig auf sich warten. Dafür hält der Schulbus. Er hat die gleiche Route und nimmt mich mit. Am Hafen angekommen will er nicht mal Geld. Ist ja ein Schulbus. Nur 17km breit, dafür 2500 Meter tief ist das Meer zwischen Moorea und Tahiti. Die Fähre bringt mich in 30 Minuten zurück in das drückend heiße und hässliche Papeete. Nach der Ruhe und Idylle auf Moorea erscheint mir die Stadt noch schlimmer. Große Freunde werden Papeete und ich nicht mehr und so mache ich mich auf zum Flughafen. Der Sprung über die Datumsgrenze steht an.

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